Nur knapp zwei Jahre hielt es Vattenfall in den liberianischen Kautschukplantagen (Foto: Bullit Marquez / AP Photo / Scanpix)
Neue Kritik am Energieriesen

Vattenfall lässt liberianische Bauern im Stich

Ohne Vattenfall war es besser
3:57 min

Der staatliche Energiekonzern Vattenfall steht nach verfehlten Bioenergie-Investitionen im westafrikanischen Liberia unter Druck. Gemeinsam mit dem ebenfalls staatlichen Entwicklungsunternehmen Swedfund sollen die Schweden die Hautverantwortung beim Scheitern eines großangelegten Entwicklungsprojekts tragen. Leidtragende sind die liberianischen Bauern, zeigt ein neuer Untersuchungsbericht.

Für den staatseigenen Energiehersteller Vattenfall sollte es eigentlich ein Erfolgsprojekt an mehreren Fronten werden. Investitionen in Biomasse tragen einerseits dazu bei, die eigenen Kohlendioxid-Raten in der Umweltstatistik zu senken. Anderseits ist die Beteiligung an großflächigen Entwicklungsprojekten in verarmten Ländern wie Liberia förderlich für das Prestige – gesetzt den Fall, dass dabei auch für die örtliche Bevölkerung Vorteile herausspringen.

Mitte 2010 hatte sich Vattenfall gemeinsam mit dem staatlichen Entwicklungsunternehmen Swedfund in das Biomasse-Projekt in Westafrika eingekauft. Mithilfe der Schweden sollten alte Kautschuk-Plantagen abgeholzt und zu Biomasse umgewandelt werden. Ein Teil der Energiemasse sollte der Stromversorgung in Liberias Hauptstadt Monrovia dienen, der übrige Rest war für den Export bestimmt. Außerdem sollten anschließend neue Gummibäume gepflanzt und aufgezogen werden, um schließlich die örtlichen Bauern mit neuem gewinnbringenden Latex zu versorgen.  

Bauern hatten es früher besser

Nach bereits zwei Jahren sollten die Schweden dem Vorhaben jedoch einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen – hastig wurde der Rückzug aus der Investition eingeleitet. „Die alten Bäume wurden abgeholzt und stattdessen neue eingepflanzt“, sagt Viveka Risberg von Swedwatch – ein Mitverfasser des neuen Untersuchungsberichts – im Schwedischen Fernsehen.  „Es dauert jedoch sieben Jahre, bis die neuen Pflanzen Latex abgeben, und die liberianischen Bauern haben selbst nicht die Möglichkeit, sich ausreichend um die Aufzucht zu kümmern. Die neuen Bäume werden von Unkraut überwuchert und sterben schließlich wieder ab. Das Einkommen der Bauern ist dadurch gesunken – sie hatten es besser, bevor Vattenfall und Swedfund hergekommen sind.“

Solange die jungen Bäume noch kein Latex abgeben, mangelt es den Bauern an den finanziellen Mitteln, sich um die Plantagen zu kümmern. Aus diesem Grund sollte die wirtschaftlich karge Übergangszeit vom Unternehmen Buchanan Renewables Fuel vor Ort überbrückt werden. Mit dem schwedischen Einstieg in das Unternehmen hatten sich zunächst auch positive Entwicklungen abgezeichnet. Die örtlichen Bauern wurden in die Unternehmensplanung mit einbezogen; Buchanan Renewables hatte zudem die örtliche Gewerkschaftsorganisation der Bauern anerkannt. Nach dem hastigen Rückzug der Schweden sollte sich das Blatt allerdings wieder wenden: Bestehende Verträge mit den Bauern wurden aufgekündigt.

Schweden schieben sich den Schwarzen Peter zu

Die Schweden schieben sich unterdessen gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Swedfund, deren Tätigkeiten unter anderem durch staatliche Entwicklungsgelder finanziert wird, ist eigenen Angaben zufolge von Vattenfalls Beschlüssen abhängig. Man habe das Projekt in Liberia weiterführen wollen – nach dem Rückzug von Vattenfall sei dies jedoch nicht mehr möglich gewesen, sagt ein Vertreter des Unternehmens dem Schwedischen Fernsehen.

Vattenfall selbst war ursprünglich mit 30 Millionen Euro in das Projekt eingestiegen und hat letztlich laut dem Untersuchungsbericht einen Verlust von umgerechnet mehr als 150 Millionen Euro erlitten. Nach Aussage von Vattenfall habe die Infrastruktur vor Ort, sowie die Ausrüstung und Organisation in Liberia nicht den Erwartungen entsprochen. Vattenfall habe ein Drittel der Aktienanteile an dem Projekt gehalten, und ohne Mehrheitsanteile verfüge man nicht über die nötigen Kontrollmöglichkeiten.

Vattenfall zeigt sich überrascht

Obwohl sich Vattenfall bereits vor einem Jahr aus dem Geschäft verabschiedet hat, zeigt sich der staatliche Energiekonzern überrascht angesichts der Folgen für die Bauern: „Wir wussten bislang nichts davon. Sollten die Informationen stimmen, so ist dies selbstverständlich sehr bedauerlich“, sagt Anders Dahl von Vattenfall.

Der Untersuchungsbericht, der unter anderem von niederländischen und liberianischen Organisationen verfasst wurde, nimmt die schwedischen Konzerne aber in die Verantwortung. Die negativen Effekte für die Bevölkerung hätten durch Rückzugstrategien abgemildert werden können. Die Richtlinien der OECD würden solche Vorsichtmaßnahmen auch Unternehmen abverlangen, die nicht mehrheitliche Aktienanteile in dem ausführenden Unternehmen halten.

Hansjörg Kissel / SVT

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