Abdullah Gül
Schwedisch-türkische Beziehungen

Türkischer Staatstross zu Besuch bei guten Freunden

Schweden ist ein Vorkämpfer türkischer Belange
3:35 min

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hat am Montag auf Einladung von Schwedens König Carl Gustaf einen dreitägigen Staatsbesuch in Schweden angetreten. In Güls Begleitung befindet sich eine 200 Personen starke Delegation von Repräsentanten für Politik und Wirtschaft. Schweden ist ein starker Befürworter eines EU-Beitritts der Türkei – die ohnehin sehr guten Beziehung zwischen den beiden Länder werden weiter gestärkt.

Präsident Abdullah Gül wartet mit wahrlich imposantem Staatstross in Schweden auf. Neben seiner Frau Hayrünnissa, mehreren Ministern und einer aus über 100 Mitgliedern bestehenden Wirtschaftsdelegation ist der türkische Präsident am Montag in Stockholm eingetroffen. Es handelt sich dabei um den ersten Staatsbesuch in diesem Stil, zumindest wenn man seit der Gründung der türkischen Republik vor 90 Jahren rechnet. Wie bei allen Staatsbesuchen ist die Symbolik von großem Belang: Schweden steht traditionell hinter dem langjährigen türkischen Bestreben, als vollständiges Mitglied in die Europäische Union aufgenommen zu werden. Vor sieben Jahren demonstrierte das schwedische Königspaar bei einem Türkei-Besuch Einigkeit zwischen den beiden Ländern – Güls jetziger Aufenthalt in Schweden wird als Antwort darauf gewertet.

Schweden ein Vorkämpfer türkischer Belange

Wie der Publizist und Türkei-Kenner Thomas Gür gegenüber Radio Schweden erklärt, kann Schweden durchaus als Vorkämpfer türkischer Belange bezeichnet werden: „Schweden hat immer darauf bestanden, dass die Türkei lediglich die Kopenhagener Kriterien als Voraussetzung ihrer EU-Mitgliedschaft erfüllen muss. Konkret bedeutet das: Menschenrechte, Demokratie, Marktwirtschaft und Bürgerrechte. Argumente, die gegen den türkischen Beitritt angeführt werden, etwa dass es sich um ein muslimisches oder um ein zu großes Land handelt, sind von schwedischer Seite grundsätzlich abgewiesen worden. Schweden hat sich damit gegen andere Länder wie Deutschland, Österreich oder Frankreich gestellt.“

Auch Außenminister Carl Bildt zeigt sich nahezu entzückt angesichts des Besuches. Eine solch schwergewichtige Delegation sei alles andere als gewöhnlich und könne als Ausdruck für die stabilen Beziehungen zwischen den beiden Ländern gesehen werden, so der Außenminister auf seinem Internetblog.  

Hinter der Türkeiliebe stehen klare Interessen

Die pro-türkische Linie geht vielen anderen EU-Ländern häufig gegen den Strich. Für Türkei-Fachmann Thomas Gür stehen dahinter drei klare Interessen: Wirtschaft, Einfluss, Sicherheit. „Schweden ist ein exportabhängiges Land, die Türkei ein stetig wachsender Markt. Außerdem spielen die Türken eine Schlüsselrolle bei Exporten in den kurdischen Teil des Iraks. Zweitens ist es für kleinere Länder wie Schweden wichtig, dass die EU ihre Versprechen gegenüber weniger gewichtigen Staaten einlöst. Werden morgen Zusagen gegenüber der Türkei nicht eingehalten, so könnte es übermorgen Schweden so ergehen. Drittens stellt man von schwedischer Seite gerne die sicherheitspolitische Bedeutung der Türkei in den Vordergrund.“

Trotz der weitreichenden Unterstützung habe Schweden allerdings  konsequent und offen Kritik an der Missachtung der Menschenrechte und der Stellung von Minderheiten in der Türkei geübt.

Türken und Schweden werden künftig noch näher rücken

Neben der Unterzeichnung eines neuen Partnerschaftsvertrags werden von dem Staatsbesuch vor allem vermehrte Zusammenarbeiten im Umwelt- und Klimabereich erwartet. Bei der Entwicklung umweltfreundlicher Energietechnologien werden die beiden Länder künftig enger zusammenrücken. Aber auch allgemein werden sich Schweden und Türken laut Thomas Gür in Zukunft immer näher kommen. „In 20 Jahren wird die gesamte schwedische Bevölkerung zumindest einmal die Türkei besucht haben. Neben touristischen Aspekten hoffen die Türken auf mehr schwedische Investitionen im Land und auf besseren Zugang türkischer Unternehmen in Schweden.“

Hansjörg Kissel / Olgica Lindquist

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