Wohnungsmangel Sozialamt
Begehrtes Gut: Mietwohnung
Langes Warten

Mietvertrag in weiter Ferne

Selbst öffentliche Wohnungsunternehmen koppeln den Abschluss eines Mietvertrages inzwischen häufig an Bedingungen wie Festanstellung oder Empfehlungen von vorherigen Vermietern. Dadurch hat nahezu eine Million Schweden kaum Chancen, eine eigene Wohnung zu bekommen.

Laut einer Umfrage des schwedischen Rundfunks unter allen Wohnungsbaugesellschaften, die sich in kommunaler Hand befinden, müssen Mieter in über 80 Prozent der Unternehmen bestimmte Anforderungen erfüllen, um überhaupt einen Mietvertrag abschließen zu können. Rund 30 % der Wohnungsgesellschaften fordern zum Beispiel Kontaktangaben zu früheren Vermietern, fast die Hälfte ein Einkommen in einer gewissen Höhe und über 60% der Unternehmen kontrollieren, ob keine unbezahlten Schulden vorhanden sind.

Personen, die diese Bedingungen nicht erfüllen können, weil sie z.B. zu wenig verdienen, sich verschuldet haben oder gerade erst von zu Hause aus oder aus einem anderen Land nach Schweden gezogen sind, haben häufig keine Möglichkeit eine eigene Wohnung zu bekommen. Private Wohnungsunternehmen stellen vielfach noch härtere Anforderungen und der Kauf einer Wohnung übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der allermeisten erst recht. Dadurch bleibt vielen nur das Wohnen zur Untermiete oder andere provisorische Lösungen.

Insgesamt rechnet das schwedische Zentralamt für Wohnungswesen, Bauwesen und Raumplanung in einem aktuellen Bericht an die Regierung damit, dass fast eine Million Schweden aufgrund von zu niedrigem Einkommen kaum Chancen auf einen eigenen unbefristeten Mietvertrag hat. Mikael Nilsson, Experte für nachhaltige Stadtentwicklung, bestätigte gegenüber der Zeitung Dagens Industri, dass es für viele - besonders Jüngere und Einwanderer - schwerer geworden sei, eine Wohnung zu bekommen: „Denkt man 20-30 Jahre zurück, reichte es damals oft, dass man Arbeit hatte. Die Vermieter verließen sich darauf, dass die Miete rein kam. Aber so ist es meist nicht mehr," sagte Mikael Nilsson.

Dabei sind die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften laut Gesetz eigentlich dazu verpflichtet, die Wohnungsversorgung in der jeweiligen Kommune zu verbessern und verschiedene Wohnbedürfnisse zu befriedigen. Unabhängig von Einkommen und Hintergrundsituation sollen alle Einwohner die Möglichkeit haben, eine passendes Dach über dem Kopf finden zu können. Allerdings haben die Kommunen ebenfalls die Pflicht, ihre Wohnungsbaugesellschaften rentabel zu führen. Der Wohnungsmangel vielerorts trägt nun dazu bei, dass man sich seine Mieter eher aussuchen kann und die Unternehmen so ihre soziale Verantwortung aus dem Blickfeld verlieren. Das meint jedenfalls Barbro Engman, Vorsitzende des schwedischen Mieterbundes:

„Heute ist die Lage so, dass man Mieter aussortieren kann. Das schließt auch solche aus, die sehr wohl die Miete bezahlen könnten. Heutzutage sondert man ganze Gruppen aus, die man zu einer Zeit, als wir noch mehr Wohnungen hatten, überhaupt nicht ausgeschlossen hätte. Die Anforderungen werden also erhöht und mehr und mehr Menschen ausgegrenzt."

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