Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på https://kundo.se/org/sverigesradio/
Mangelware in so mancher schwedischer Provinz
Gesundheitswesen in der Krise

Fachärzte-Mangel greift weiter um sich

"Ärzte kriegt man nur unter Mühen zu Gesicht"
3:49 min

Den Ärztehäusern in Schweden geht zunehmend das Fachpersonal aus. Laut einer neuen Untersuchung fehlen 1.400 Fachärzte in der medizinischen Grundversorgung in Schweden. Die Ärztegewerkschaft spricht von einem klaren Scheitern der politischen Entscheidungsträger – gleichzeitig soll der schwedischen Regierung am Dienstag ein Reformvorschlag für das Medizinstudium vorgelegt werden. Das Ziel: Bringt die Nachwuchsärzte schneller in den Beruf.

Bei Krankheit und Beschwerden wendet man sich in Deutschland in der Regel zu aller erst an den Hausarzt – in Schweden begibt man sich meist zur „Vårdcentralen”. Erste Diagnosen werden gestellt und primäre Behandlungen eingeleitet, in manchen Fällen entscheidet sich dort das weitere Patientenschicksal. Umso schwerer wiegt das Ergebnis einer neuen Untersuchung, die die Ärztegewerkschaft am Dienstag präsentiert hat: Den Ärztehäusern im Land fehlen über 1.400 Fachärzte.

Facharztmangel in ohnehin wenig attraktiven Praxen

Der Personalmangel im schwedischen Gesundheitswesen greift damit auf die medizinische Grundversorgung über – ein Gebiet, das für junge Nachwuchskräfte ohnehin nur wenig attraktiv ist. Dies meint jedenfalls Lena Ansved, Ärztin bei einer „Vårdcentral“ in Stockholm: „Als Student lernt man das Arbeitsleben in den Arztpraxen kennen. Die Aufgaben dort sind natürlich interessant – gleichzeitig steht man unter zu viel Druck und Stress. Lieber würde man auf hohem Qualitätsniveau arbeiten, doch es gibt dafür schlichtweg zu viel zu tun.“

Markus Kallionen bestätigt dieses Bild. Er ist im Provinziallandtag im  nordschwedischen Västernorrland für die medizinische Grundversorgung mitverantwortlich – eine Region, in der fast die Hälfte aller Facharztstellen derzeit unbesetzt sind. „Für die Patienten bedeutet dies, dass sie nur unter Mühen einen Arzt zu Gesicht bekommen. Sie müssen mehrmals anrufen und Druck machen, oder sie müssen ihre Beschwerden übertrieben schildern.“ Die Sicherheit der Patienten sieht Kallionen noch nicht in Gefahr – das Risiko von Fehldiagnosen bestehe allerdings.

Personalmangel wird sich weiter verschärfen

Nach Einschätzung der Ärztegewerkschaft wird sich der Personalmangel in den kommenden fünf Jahren weiter verschärfen. Hintergrund sei vor allem, dass sich viele der aktiven Allgemeinmediziner ihrem Ruhestand nähern – und dies bei einer gleichzeitig immer älter werdenden Bevölkerung. Allgemein betrachtet ist die Zahl der praktizierenden Fachärzte in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, kann aber dennoch nicht mit dem zunehmenden Bedarf schritthalten. Die Vorsitzende der Gewerkschaft, Marie Wedin, nimmt dabei auch die Politik in die Verantwortung: „Das Parlament hat bereits beschlossen, dass mehr für die Fachärzte getan und das Personal in der Allgemeinmedizin verstärkt werden muss. Besonders viel ist bislang allerdings nicht geschehen.“

Reform für Medizinstudium vorgelegt

Zumindest was das Medizinstudium angeht, könnte Schweden jedoch vor entscheidenden Veränderungen stehen. Am Dienstag hat der Regierungsbeauftragte und Professor von der Universität Lund, Stefan Lindgren, ein Reformvorschlag vorgelegt, laut dem künftig die schwedische Version des „Arzt im Praktikum“, die es bis 2004 auch in Deutschland noch gab, abgeschafft werden soll. Die Nachwuchskräfte sollen sich mit dieser Reform bereits nach sechs Ausbildungsjahren als Facharzt qualifizieren können. Gleichzeitig sollen die Anforderungen in den Universitätsexamen verschärft und die Studienzeit um ein Semester verlängert werden. Laut dem Regierungsbeauftragten würde sich Schweden mit diesem System dem übrigen Standard in der EU anpassen.

Markus Kallionen aus dem allgemeinmedizinisch gebeutelten Västernorrland fällt es allerdings schwer zu glauben, dass dieses neue Ausbildungssystem die Personalprobleme der Polikliniken lösen kann: „Der Arzt im Praktikum hat die Möglichkeit, in vielen unterschiedlichen Kliniken zu arbeiten und sich eine Übersicht zu verschaffen. Mit dem neuen System fällt es zunehmend schwerer einen Fachbereich zu wählen, der zu dem einzelnen Mediziner auch passt. Ich glaube, dass deshalb mehr angehende Ärzte ihre Fachausbildungen in Zukunft abbrechen werden.“

Hansjörg Kissel / SR Ekot

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".