Viele gedenken der 13-Jährigen
Vorwürfe an die Schule

Selbstmord nach Mobbing: „Keiner tat etwas"

„Man dachte wohl, die Probleme verschwinden von selbst"
4:14 min

Der Tod einer 13-Jährigen, die schwerem Mobbing im Internet ausgesetzt war, bewegt Schweden. Die Polizei geht von Selbstmord aus und ermittelt gegen den oder die Täter, die dem Mädchen offenbar so zusetzten, dass ihm der Sprung vor den Zug schließlich als einziger Ausweg erschien. Nun werden schwere Vorwürfe nicht zuletzt gegen die Schule der 13-Jährigen laut. Anzeichen für bevorstehendes Unheil gab es zur Genüge.

Allzu hässlich sei sie, war der 13-Jährigen per Internet mitgeteilt worden. Es sei besser, wenn sie sich das Leben nehme. Vorausgegangen waren Fluten von Beleidigungen und Drohungen. Im Rahmen der Ermittlungen hat die Polizei Computer beschlagnahmt. Der Verdacht: Der oder die Täter sind selbst im Teenageralter, zu finden in der engsten Umgebung des Opfers.

Reißen und Würgen

Nicht nur so mancher frühere Mitschüler dürfte sich dieser Tage in seiner Haut äußerst unwohl fühlen. Alle haben es gewusst, niemand hat etwas unternommen, wie es eine Freundin des Mädchens in der Presse ausdrückte. Dass es an der Vialund-Schule in Kumla im Verhältnis der Schüler untereinander keineswegs zum besten stand, war seit langem ein offenes Geheimnis.

Zwar ist Mobbing auch an schwedischen Schulen weit verbreitet. In der Vialund-Schule ging es aber noch weit darüber hinaus. „Es kam vor, dass Kleider zerrissen wurden und gar, dass man andere würgte. Es handelte sich also in bestimmten Fällen schon um Körperverletzung", so Henrik Andersen, Vater eines Mädchens, das bis vor kurzem ebenfalls auf die betroffene Schule ging. Er reagierte bestürzt auf die Schilderungen des psychisch wie physisch gewaltsamen Schulalltags seines Kindes. Eltern erzwangen mehrere Treffen mit dem Schulpersonal, das Ergebnis: gleich null.

Schule verschloss die Augen

Auch als mehrere Eltern die Schule bei der Schulaufsicht anzeigten, änderte sich nichts, berichtet Henrik Andersen im Schwedischen Fernsehen: „Ich kann nicht finden, dass sie irgendetwas unternommen hätten. Und die Schule hat vor den Problemen die Augen verschlossen und wohl gehofft, dass diese Probleme von allein verschwinden."

Das war nicht der Fall. Henrik Andersens Familie beschloss daraufhin, die Tochter auf eine andere Schule zu schicken.

Bei der Schulaufsicht ist man nun in sich gegangen: An diesem Mittwoch fand aus Anlass des tragischen Todesfalls eine Krisensitzung statt. In der kommenden Woche will man in der Vialund-Schule eine Inspektion durchführen. Marit Walderlo, in der Kommune verantwortlich für Kinder und Bildung, nimmt unterdessen im Schwedischen Fernsehen die Schule in Schutz: „Ich weiß nicht, ob die Probleme an dieser Schule größer waren als an anderen Schulen. Eines ist anhand des Falles jedenfalls deutlich geworden: Das, was die Schüler in ihrer Freizeit tun, hat immer größeren Einfluss auf den Schulalltag. Die Jugendlichen heute sind viel im Internet unterwegs. Und das hat natürlich Konsequenzen für die Zeit, die sie in der Schule verbringen."

Rektor Leif Rönnberg hat inzwischen Versäumnisse der Schule eingeräumt. Zwar habe man ein Regelwerk gegen Mobbing, doch bedürfe dies offenbar der Überarbeitung. „Das, was geschehen ist, darf nicht passieren", so Rönnberg.

Jagdfieber im Netz

Die Polizei geht davon aus, dass der oder die Täter, die die 13-Jährige in den Tod trieben, noch andere Mädchen quälten. „Aus Erfahrung wissen wir, dass solcherart Verbrechen bisweilen in Gruppen, unter dem Druck der Gruppe begangen werden", sagt Polizeisprecher Mats Nylen. „Es würde mich nicht wundern, wenn es mehrere Täter gibt und mehrere Mädchen ähnlichen Taten ausgesetzt waren." 

Mindestens ein weiteres Mädchen war offebar betroffen. Unterdessen tragen die Jugendlichen unter sich die nächste Runde des Kampfes aus. Zwei mutmaßliche Täter, 13 und 15 Jahre alt, werden jetzt mit Name und Adresse im Internet zur Schau gestellt. „Die Miststücke", so ein Kommentar, „sollen leiden und verdammt noch mal kriegen, was sie verdienen."

SVT, Sara Ringhagen / Bearbeitung: Anne Rentzsch

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