Das SF Symbol dominiert die schwedische Kinolandschaft ( Foto: Anders Wiklund / Scanpix)
Monopolisierung des schwedischen Films

Weitere Begrenzung des Filmangebots befürchtet

Vom Regen in die Traufe
4:37 min

Ein neuer Großakteur bestimmt über Skandinaviens Kinolandschaft. Die private Kapitalgesellschaft Ratos, ihres Zeichens Eigentümer der größten Kinokette in Finnland, hat Hauptanteile am schwedischen Kinoriesen SF Bio erworben. Kritiker befürchten nun ein schmaleres Filmangebot in der ohnehin monopolisierten nordischen Kinolandschaft.

Schweden ist eine kleine Filmnation, in der eine recht übersichtliche Zahl an Entscheidungsträgern darüber befindet, welche Filme es auf die großen Leinwände schaffen und welche nicht. SF Bio ist in dieser Kinolandschaft der absolut dominierende Akteur. Nach zahlreichen Übernahmen gebeutelter Konkurrenten in den vergangenen Jahren erreicht die Kinokette etwa 80 Prozent aller schwedischen Kinobesucher. Gleichzeitig sammelt SF Bio auch einflussreiche Film-Werbeplattformen und eine Internetseite zum legalen Streaming unter ihrem Dach. Vom Kartellamt trotz dieser monopolartigen Stellung toleriert, wurde SF Bio zumindest von schwedischen Filmkritikern regelmäßig wegen ihres Fokus auf potentielle Kassenschlager argwöhnisch beäugt. Mit der Bildung des neuen Kinoriesen befürchtet so mancher Kritiker jetzt, dass den Schweden in Zukunft noch mehr Qualitätsfilme vorenthalten werden.

Sechstgrößte Kinokette Europas wird gebildet

Laut Jan Bernhardsson, Vorsitzender der SF Bio, sind diese Befürchtungen allerdings unbegründet. „Im Gegenteil. Wir erhalten nun eher die Möglichkeit, auf lange Sicht ein gutes Filmangebot zu sichern. Mit diesem Kapital im Rücken können wir bei der Filmauswahl größere Risiken eingehen und ein breiteres Angebot schaffen, ohne dass wir jede Krone zweimal umdrehen müssen.“

Jährlich über 30 Millionen Kinobesucher soll die neue Kette künftig erreichen. Die Kapitalgesellschaft Ratos wird vom bisherigen Eigentümer, dem einflussreichen Medienunternehmen Bonnier, 60 Prozent der SF Bio übernehmen. Ratos ist bereits Haupteigentümer des finnischen Kinoriesen Finnkino – der neugebildete Konzern wird auf einen Wert von umgerechnet etwa 360 Millionen Euro geschätzt.

Verkauf von SF Bio aus der Not geboren

Mehreren Medienberichten zufolge ist der Verkauf der schwedischen Kinokette vor allem aus der Not geboren. Der bisherige Haupteigentümer Bonnier soll nach Fehlinvestitionen in den USA einen großen Bedarf an frischem Kapital haben. Der Unternehmensleiter Jonas Bonnier will noch keine genauen Angaben zum Verkaufspreis machen, betont aber im Schwedischen Fernsehen die Bedeutung solcher Zusammenschlüsse für den Kinomarkt. „Die Entwicklung in Europa ist stark von Konsolidierungen geprägt, viele Akteure kaufen ihre Konkurrenten auf. SF Bio hat eine sehr starke Position in Schweden und steht ziemlich stabil in Norwegen – im europäischen Vergleich handelt es sich dabei dennoch um kleine Märkte“, so Jonas Bonnier.

Kritiker befürchten weitere Einbrüche beim Qualitätsfilm

Die an dem Kauf beteiligten Akteure beteuern allesamt, dass das Filmangebot in Skandinavien auch nach dem Geschäftsabschluss künftig keine Einschränkungen erfahren soll. Laut Andrea Svanbäck, Redakteurin bei einer finnischen Filmzeitschrift, konnte diese Tendenz auch nicht in Finnland beobachtet werden, nachdem sich die Kapitalgesellschaft Ratos in den dortigen Markt eingekauft hatte. „Dramatische Veränderungen waren nicht spürbar, nachdem Ratos im Jahr 2011 Finnkino übernommen hatte. Dies lag aber vor allem daran, dass Finnkino in den finnischen Großstädten bereits eine Monopolstellung hatte. Bereits zum Zeitpunkt des Kaufs wurden kleinere Filme nur noch in geringem Maße einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.“

Für den einflussreichen schwedischen Filmkritiker Fredrik Sahlin besteht zudem die Gefahr weiterer Einschränkungen: „Wenn wir wirklich den Teufel an die Wand malen wollen – und ich finde, dies sollte man von Zeit zu Zeit auch tun – so kommen die Liebhaber kleinerer Filme vom Regen in die Traufe. War es bislang so, dass es solche Film kaum in die Kinos von SF geschafft haben, so wird dies künftig wohl nur schwerlich einfacher werden.“  

Skandinavische Filme erfreuen sich hierzulande großer Beliebtheit – Filmkritiker bemängeln allerdings, dass Geld vor Kunst geht und dass es  mittlerweile nur noch potentielle Kassenschlager auf die großen Leinwände schaffen. Der Blick auf die derzeitige top-zehn Liste der meistgesehenen Kinofilme soll den Kritikern recht geben. Fünf schwedische Filme sind dabei zwar unter den ersten zehn, bei diesen handelt es sich allerdings, mit Ausnahme des mit einem Oscar ausgezeichneten Musikfilms „Searching for Sugar Man“, um lukrative Schwedenkrimis und Familienkomödien.

Hansjörg Kissel / SVT

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