Diese Schule genügte nicht den Anforderungen und musste dicht machen
Internationale Forscher über schwedische Schulen

Fette Gewinne und Segregation

"Schweden am extremsten"
2:48 min

Das schwedische Schulsystem mit voll über Steuermittel finanzierten aber unter privater Regie geführten Schulen gehört zu den extremsten Modellen weltweit. Zu dieser Beurteilung kommen internationale Forscher nach Angaben des Schwedischen Rundfunks. Die Experten befürchten neben der starken Kapitalisierung des Schulbetriebes auch eine wachsende Segregation.

Neben den Schulen unter kommunaler Regie, gibt es in Schweden seit den 1990er Jahren auch die so genannten „Friskolor“, das sind Schulen, die vom Staat über eine Umlage pro Schüler finanziert, aber in privater Regie betrieben werden. Viele dieser Schulen sind mittlerweile Teil regelrechter Unternehmenskonzerne, die mehrere Ausbildungsstätten betreiben und teilweise fette Gewinne einfahren.

Das System die Schulen zu finanzieren, aber Gewinnabschöpfungen im vollen Umfang zuzulassen, ist einzigartig auf der Welt, wie Henri Levin feststellt. „Das schwedische Beispiel ist am extremsten“, sagt der Forscher der Columbia-Universität in den USA gegenüber dem Schwedischen Rundfunk. Auffällig sei dabei auch, dass die Kontrolle sowohl der privaten als auch der staatlichen Schulen im Vergleich zu anderen Ländern relativ gering in Schweden ist.

Exodus der Mittelklasse

Henry Levin macht dabei eine Gefahr aus: „Die Segregation wird immer augenfälliger“, sagt Levin und stützt sich dabei auch auf schwedische Forschungsergebnisse. In einer aktuellen Studie der Universitäten in Stockholm und Uppsala wurden 5.000 Eltern zur Wahl der Schule für ihre Kinder befragt. Demnach entscheidet sich die finanzstarke Mittelklasse immer häufiger gegen eine Schule, wo Klassen und Bevölkerungsgruppen gemischt sind, was die Segregation weiter verstärkt.

Dieses Phänomen wirke sich dann auch auf die Leistung aus, meint Patrik Scheinin von der Universität im finnischen Helsinki: „Was mich beunruhigt, ist, dass sich Eltern wirklich Sorgen machen müssen, weil ihre Kinder auf die falsche Schule gehen, wenn die Unterschiede so enorm sind. Das führt dann zu einem Ghetto-Effekt, wo alle die was können, diese Schule und das Gebiet verlassen. Diese Schule schneidet dann schlecht ab.“

Homogenes Finnland

Die finnischen Schulen schneiden bei internationalen Vergleichen meist viel besser ab als die schwedischen. Die Zusammensetzung dort ist allerdings auch weitaus homogener als in Schweden.

Hierzulande musste Bildungsminister Jan Björklund erst kürzlich einsehen, dass er den Schulen genauer auf die Finger sehen muss. So hatte eine private Schule während der Weihnachtsferien trotz guter Geschäfte in den Vorjahren sehr plötzlich Konkurs angemeldet und die Schüler auf die Straße gesetzt. Und erst am Mittwoch musste die Schulaufsichtsbehörde eine privaten Schule in Norrköping schließen, da dort eklatante Mängel im Unterricht aufgedeckt wurden.

Niklas Zachrisson/Dieter Weiand



Relaterat

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".