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Die Volvo-Busfabrik in Säffle wird in diesem Jahr stillgelegt (Foto: Linn Malmén/Scanpix´)
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Erfolglose Demonstration am 24. Oktober gegen die Stilllegung in Säffle (Foto: Malin Björk/Sveriges Radio)
Abwanderungsgefahr

Värmland sucht norwegische Unternehmer

„Ich möchte nicht weg von hier!"
3:06 min

Vier Gemeinden in Värmland wollen in einem gemeinsamen Projekt Unternehmen aus dem Nachbarland Norwegen dazu verlocken, sich bei ihnen anzusiedeln. Sie haben eine Analyse ihres Arbeitsmarkts an norwegische Firmen geschickt, die auf Personalsuche sind.

„Wir haben ja eine relativ hohe Arbeitslosigkeit“, sagt Pia Proper, Wirtschaftsentwicklerin in Säffle. Noch liegt sie bei sieben Prozent aber es besteht die Gefahr, dass sie wächst.  „Wenn wir nun in Norwegen bei Unternehmen für unsern Standort werben, dann ist diese Arbeitslosigkeit plötzlich ein Vorteil. Denn in Norwegen gibt es ja zu wenig Arbeitskräfte.“

Es ist eine regionale Tradition: Weil die Arbeitsplätze knapp sind, wandern viele Menschen aus Värmland in die schwedischen Ballungsräume und nach Norwegen ab. Säffle sucht händeringend nach neuen Möglichkeiten. Im Oktober teilte Volvo mit, dass die Busfabrik nach Polen verlegt wird, damit gehen Värmland 400 Arbeitsplätze verloren.

„Mir gefällt’s hier“

 Mattias Nygren ist Küchenchef einer Gaststätte in Säffle. Seine Besucher reden häufig davon, wegzuziehen. „Wir haben ja meist jüngere Gäste. Viele sagen, dass sie vielleicht auf der anderen Seite der Grenze, in Norwegen, Arbeit suchen wollen und umziehen werden.“

Viele jedoch möchten bleiben, vorausgesetzt, dass sie Arbeit haben. Mattias Schwester Marika ist Kochlehrling, sie hat keine Umzugspläne: „Ich zieh‚ nicht weg. Ich will hier bleiben“, sagt sie trotzig. „Hier habe ich alles, ein Haus auf dem Lande, Tiere, meine Familie… Mir gefällt es hier bestens.“

Aber wenn Säffle die fehlenden Arbeitsplätze nicht ersetzen kann, ziehen nicht nur die Industriearbeiter weg. Die Dienstleister haben nicht mehr genug Kunden und wandern ebenfalls ab.

Vorzugsweise Industriebetriebe

Säffle hat nun zusammen mit den Nachbargemeinden Arvika, Årjäng und Eda bei norwegischen Unternehmen angefragt, ob sie sich im westlichen Värmland etablieren möchten. 36 Firmen haben Interesse bekundet: Kleinunternehmen und Firmen mit 200 Mitarbeitern, darunter eine Zinngießerei und  ein Computerhersteller.

Im Rathaus von Säffle wünscht man sich vor allem Industriebetriebe. „Nach der Stilllegung haben wir ja sowohl die entsprechenden Arbeitskräfte als auch Gewerberäume“, sagt Pia Propper.

Demnächst besuchen Gemeindevertreter die entsprechenden norwegischen Unternehmen, damit es nicht bei Interessenbekundungen bleibt, sondern sich tatsächlich Betriebe etablieren.

Der Norweger Tom Hermansen hat sich bereits in Värmland niedergelassen und in einem alten Gutshaus eine Pension eröffnet. Er rechnet mit mehr Norwegern in Säffle, die Voraussetzungen seien nämlich gut: „Für Unternehmen gibt es viele Vorteile. Zum Beispiel sind die Löhne hier niedriger und auch die Räumlichkeiten sind günstiger als in Norwegen. Abgesehen davon sind schwedische Mitarbeiter wesentlich positiver und dienstleistungsorientierter als norwegische. Das ist ein großer Vorteil.“

Johan Prane / Sybille Neveling

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