Mehr Frauen im Publikum würden die Lage beruhigen, meint Björn Eriksson.
60 Vorschläge zur Bekämpfung von Gewalt im Sport

„Weniger Polizei reicht auch“

Mehr Spaß für’s Geld
3:27 min

Krawallmacher, Ausschreitungen von Radaubrüdern, unterbrochene und abgepfiffene Spiele. Dies alles macht vielen Fans den Besuch von Fußball- und Eishockeystadien sauer. Hinzu kommt, dass fast die Hälfte der Funktionäre sich bedroht fühlt oder Gewalt ausgesetzt ist. Zu dieser Erkenntnis kommt der Schlussbericht über Gewalt im Sport, den Björn Eriksson heute der zuständigen Ministerin Lena Adelsohn Liljeroth übergibt. Darin fordert Eriksson als früherer Polizeichef und Interpol-Präsident eindringlich schnelle Gegenmaßnahmen – aber weniger polizeiliche Gegenwart bei den Spielen.

Sport ist auch in Schweden nicht unbedingt der Königsweg zur Gewaltprävention. Auch im hohen Norden stürmen Fans das Spielfeld, zünden Bengalen an und bedrohen Schiedsrichter. Und einiges mehr:

In seinem Abschlussbericht stellt Björn Eriksson in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Tryggare Sverige“ (Sichereres Schweden) die Ergebnisse seiner Untersuchung vor. Demnach werden mehr als 40 Prozent der Direktoren und Vorstände von Fußball- und Eishockeyvereinen bedroht oder tätlich angegriffen. Bei den Schiedsrichtern sind es 35 Prozent und bei Ordnungswächtern und Fanbeauftragten immerhin noch 30 Prozent. Das sei schlimmer als befürchtet, so Eriksson.

Mehr Anzeigen nötig

Zur Kriminalitätsverhinderung bei Sportveranstaltungen hat er eine Menge von  Vorschlägen. Die Empfehlungen konzentrieren sich auf  Fußball und Eishockey. Dazu gehört, dass die Opfer von Bedrohungen und Gewalt immer polizeilich Anzeige erstatten. Dies geschieht nach den Erkenntnissen der Untersuchung bisher nur in 13 Prozent der Fälle. Das muss besser werden, fordert Eriksson.

Und bei den Spielen?

„Bei den normalen, ruhigen Begegnungen ist der Besitzer des Stadions in der Lage, die Sicherheit zu garantieren", sagt er im Schwedischen Rundfunk. „Das geht in England und Deutschland ja auch. Wir sind davon überzeugt, dass die Vereine das hinkriegen. Wenn es sich um ein Spiel mit hohem Risikofaktor handelt und man meint, dass man Polizei braucht, muss man sie eben anfordern. Aber dass Polizisten bei Spielen zugegen sind, bei denen das nicht nötig ist, und bei denen die Vereine dann für das Polizeiaufgebot zur Kasse gebeten werden, so wie das heute vorkommt, das ist nicht gut.“

Die Frage ob Vereine, die als Aktiengesellschaften betrieben werden, die Polizeieinsätze selbst finanzieren müssen, während gemeinnützige Vereine dies nicht brauchen, ist seit längerem ein heißes Eisen. Eriksson schlägt eine Prüfungskommission vor, die entscheidet, welchen Umfang ein Polizeieinsatz bei einer Veranstaltung haben soll.

Mehr Spaß für’s Geld

„Es darf nicht so sein, dass die Polizei eine Beurteilung des Risikos macht, die dann womöglich auch noch geheim ist und jede Menge Polizisten rauskommandiert werden. Und dann bekommt der Verein eine Rechnung für einen überdimensionierten Einsatz. Was wir brauchen, ist ein System, dass eine Diskussion über das Ausmaß eines Einsatzes bei Sportveranstaltungen zulässt.“

Erikssons Abschlussbericht heißt „Mehr Spaß für’s Geld“. Die Mehrheit der friedlichen Zuschauer und Fans soll besser unterstützt werden. Um ihnen mehr Ruhe zu verschaffen, schlägt Eriksson vor, dass Zuschauer unter Alkoholeinfluss nicht ins Stadion gelassen werden.

Kriminelle Mitglieder

Als besonders Problem in Großstädten betrachtet der Ratgeber, dass Kriminelle die Vereinsvorstände unterwandern, sich Macht und Einfluss zuschanzen und für ihre eigenen Zwecke nutzen.

„Dagegen hilft nur, dass die gewöhnlichen Vereinsmitglieder sich engagieren“, sagt Björn Eriksson. „Ich finde zum Beispiel nicht, dass man einen Tag vor der Vereinsvollversammlung einem Verein beitreten darf, um sich damit Stimmrecht und Einfluss zu kauften.“

Katarina Helmerson /Sybille Neveling

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