Nicht alle können mitspielen. Foto: Tomas Oneborg/Scanpix
Selbst Fussball für viele zu teuer

Eltern haben kein Geld für den Sportverein

Für viele Kinder in Schweden bleibt die Mitgliedschaft in einem Sportverein ein Traum, weil sich ihre Eltern teure Freizeitaktivitäten nicht leisten können. Selbst vergleichsweise billige Sportarten wie Fußball kosten umgerechnet inzwischen mehrere Hundert Euro pro Jahr - eine Summe, die viele, die nur mit einem geringen Einkommen oder Sozialhilfe über die Runden kommen müssen, nicht aufbringen können.

„Die Lage heutzutage ist sehr schwierig. Die Arbeitslosigkeit steigt. Wie soll man es sich da leisten können, einen oder zwei Söhne oder Töchter zum Fußball zu schicken? Man muss ja die Miete, Wasser, Strom, Internet und Telefon bezahlen, da reicht das Geld nicht. Was soll man da machen?" sagt Ibrahim Barsom, der in einem Vorort südlich von Stockholm wohnt.

Er hat selbst einen Sohn, der im Verein Norsborgs IF Fußball spielt. Viele seiner Bekannten hätten jedoch nicht genug Geld, um ihre Kinder in einem Sportverein anmelden zu können. Selbst Fußball, von dem man glaubt, dass es für alle bezahlbar sei, sei für sie inzwischen zu teuer geworden, berichtet Barsom.

Dies zeigt sich auch in einer Studie des schwedischen Sportbundes. Danach ist Fußball im Vergleich zu anderen bei Kindern beliebten sportlichen Aktivitäten wie Reiten, Eishockey oder Tennis zwar weiterhin eine der billigsten Sportarten. Dennoch liegen die Kosten dafür mittlerweile bei nahezu 450 Euro pro Kind und Jahr. Neben dem Mitgliedsbeitrag für den Verein wollen ja zum Beispiel auch Bekleidung, Schuhe, Trainingslager und Reisen zu Spielen bezahlt sein. Sogar Golf spielen ist da eine preisgünstigere Freizeitbeschäftigung. Im Übrigen ist Golf in Schweden aber auch ein richtiger Volkssport.

Kinder aus sozial schwachen Familien bleiben außen vor

Dass es nun gerade die hohen Kosten sind, die viele Eltern davon abhalten, ihr Kind in einem Sportverein anzumelden, bestätigen verschiedene Untersuchungen. Und auch bei der Wohltätigkeitsorganisation Majblomman, die sich hauptsächlich um Kinder aus ärmeren Familien kümmert, hat man einen steigenden Hilfsbedarf für diese Zwecke beobachtet:

„Um Sport geht es bei einem immer größeren Anteil der Hilfegesuche. Wir stellen fest, dass immer mehr Menschen Geld beantragen, um an sportlichen Aktivitäten teilnehmen zu können. Für viele Familien ist es schwieriger geworden, über die Runden zu kommen, und da belastet man sich nicht mit Extrakosten wie zum Beispiel Sportgebühren," sagte eine Sprecherin der Hilfsorganisation dem Schwedischen Rundfunk.

Dabei sei gerade die Gemeinschaft in einem Sportverein wichtig und könne nicht zum Beispiel durch gelegentliches Fußballspielen mit den Freunden auf einer Wiese in der Nachbarschaft ersetzt werden. Kinder dürften nicht aufgrund von sozialer Ungleichheit in der Gesellschaft zu Außenseitern werden, forderte die Sprecherin.

Sport-Zuschuss für Sozialhilfeempfänger

Um genau dies zu verhindern, hat man in Botkyrka südlich von Stockholm einen Sonderzuschuss für Familien eingeführt, die von der Sozialhilfe leben. Dort erhält man für Freizeitaktivitäten pro Kind und Jahr umgerechnet rund 300 Euro von der Gemeinde. Damit das Geld auch wirklich für die richtigen Zwecke ausgegeben wird, bekommt man den Zuschuss erst nachträglich gegen Vorlage entsprechender Quittungen.

In der Vorortgemeinde sind überdurchschnittlich viele Einwohner von Sozialleistungen abhängig. Daher steht dort auch eine breite politische Mehrheit hinter dem Zuschuss für Freizeitaktivitäten. Jimmy Baker von den im Gemeinderat oppositionellen Konservativen setzte sich besonders für dessen Einführung ein und sieht in Botkyrka nun ein Vorbild für andere schwedische Kommunen:

„Ich finde, wir haben heutzutage in Schweden einen solchen Wohlstand, dass wir nicht akzeptieren sollten, dass Kinder auf diese Art und Weise zu Außenseitern werden. Und ich glaube, diese Probleme, dass Kinder außen vor bleiben und nicht Teil der Gemeinschaft sein dürfen, die gibt es in ganz Schweden."

Frank Luthardt

Kosten verschiedener Sportarten pro Jahr:

Eishockey: ca. 1300 Euro

Reiten: ca. 1250 Euro

Tennis: ca. 570 Euro

Leichtathletik: ca. 500 Euro

Floorball: ca. 475 Euro

Schwimmen: ca. 470 Euro

Basketball: ca. 470 Euro

Fußball: ca. 450 Euro

Golf: ca. 420 Euro

Turnen: ca. 285 Euro

Quelle: Schwedischer Sportbund, 2009

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