In Växjö pflegte man enge Beziehungen zur DDR (hier: Dom in Växjö)
Enthüllungen in Växsjö

Stasi-Verbindungen bewegen Schwedens Kirche

„Bisweilen war ich schon misstrauisch"
3:18 min

Die Nachricht, dass der DDR-Nachrichtendienst offenbar auch die schwedische Kirche systematisch ausspioniert hat, hat in Schweden große Aufmerksamkeit  gefunden. Das Kirchenstift Växjö dienste der Stasi 30 Jahre lang als Informationsquelle – im Herbst will das Stift nun auf einer Sonderkonferenz mehr Klarheit über die Geschehnisse gewinnen und nicht zuletzt die eigene Rolle kritisch hinterfragen. Schwedische Forscher begrüßen das Bemühen, die weitreichenden Verknüpfungen zwischen Schweden und der Stasi unter die Lupe zu nehmen.

Von den 1960-er Jahren bis zum Fall der Mauer 1989 waren Stasi-Spione im südschwedischen Växjö präsent. Laut den aktuellen Erkenntnissen, mit denen das Stift zu Wochenbeginn an die Presse ging, begann die Blütezeit der Spitzelarbeit Mitte der 70-er Jahre. Damals startete die Kirche in Växjö eine Zusammenarbeit mit der deutschen Kirche in Greifswald. Die schwedische Seite wollte auf diesem Weg Christen in der DDR unterstützen – die Stasi nutzte das Projekt, um Spione einzuschmuggeln. Deren Aufmerksamkeit galt vor allem Ostdeutschen, die aus der DDR geflohen waren oder eine Flucht planten.

Gut fürs Image

„Wir wissen jetzt, dass es unter unseren Kontakten Spitzel gab“, so Jan-Olof Johansson, Bischof im Stift Växjö, im Schwedischen Fernsehen. „Das haben wir im Nachhinein erfahren, denn in Deutschland hat man die Stasi-Akten gründlich untersucht.“ Das militärisch bündnisfreie Schweden spielte als Puffer zwischen Ost und West eine wichtige Rolle für die DDR-Politiker. Mit dem Ziel, das eigene Image aufzuwerten, bemühte man sich um gute Verbindungen zu Schweden. In zwei Büchern hat die schwedische Stasi-Forscherin Birgitta Almgren die Naivität beschrieben, die Schweden den Besuchern aus der DDR häufig entgegenbrachten, so an Universitäten und in Kirchen.

Schwedisch blauäugig

Die Entsandten aus Ostdeutschland hätten es geschickt verstanden, die Gastgeber einzulullen, so Almgren. „Man sprach ja nicht über Politik. Die DDR-Gesandten lernten im Gegenteil, sich anzupassen, sich über Alltagsfragen zu unterhalten, auf diese Weise Vertrauen zu gewinnen. Und wenn es schon mal um Politik ging, dann gaben sie sich oft selbst als DDR-Kritiker aus, um dann Namen von Regimekritikern zu enthüllen.“

Völlig blauäugig war man allerdings laut Bischof Johansson nicht: „Ich war schon in manchem Fall misstrauisch. Bei dem Austausch, den wir betrieben, waren wir uns schon bewusst, dass es in den Delegationen Leute geben konnte, die hierher als Spione kamen.“ Dennoch bleibt die Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass sich die schwedische Kirche in einem offenbar so großen Maße zum Werkzeug der DDR machen ließ? Um darauf Antworten zu finden, hat der Stift für den Herbst eine Forscherkonferenz einberufen. Stasi-Expertin Almgren unterstützt diese Initiative. Ihr Rat: Die Kirche sollte auch den einen oder anderen Blick ins Archiv der einstigen DDR-Führungspartei werfen: „Es ist wichtig, von Växjö nach Berlin zu fahren und sich im SED-Archiv umzutun“, so Almgren. „Über die Zusammenarbeit zwischen den Kirchen ist dort sehr viel zu lesen.“

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