Ein dicker Fisch ging ins Netz, aber viele schwimmen noch frei herum
Prozessbeginn in Stockholm

Florierender Handel mit Dopingmitteln

"Der Markt scheint unersättlich"
3:56 min

Vor dem Stockholmer Amtsgericht hat am Freitag der Prozess gegen eines der bisher größten illegalen Netzwerke für den Handel von Dopingpräparaten begonnen. Aufputschmittel und Steroide im Wert von mehreren Millionen Euro wurden offenbar dabei umgesetzt. Die Angeklagten wiesen am Freitag ihre Schuld zurück. Sowohl Händler als auch Kunden in dem Geschäft seien sehr grundsätzlich sehr auf Diskretion bedacht, so Experten im Schwedischen Rundfunk. Behörden und Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass Doping in der schwedischen Gesellschaft weit verbreitet ist.

23 Personen stehen als Angeklagte vor dem Stockholmer Amtsgericht. Ihnen wird zur Last gelegt, Dopingpräparate eingeschmuggelt, hergestellt und verkauft zu haben. Seit 2009 haben sie damit umgerechnet weit über 5,5 Millionen Euro verdient.

Obwohl somit nun offenbar ein großes Netzwerk gesprengt werden konnte, gebe es keine Anzeichen dafür, dass der Handel mit Dopingmitteln abnehme, betont Zoll-Einsatzchef Mikael Lindgren:

„Es gibt andere Internetseiten und andere Quellen, die verkaufen. Wir beschlagnahmen immer wieder Dopingmittel. Der Markt scheint unersättlich.“ Er sei selbst überrascht über den Umfang, so Lindgren gegenüber dem Schwedischen Rundfunk.

Zwei Jahre lange hatten die schwedischen Behörden die jetzt angeklagte Gang beschattet. Kollegen aus Kanada halfen dabei, E-Mail-Verkehr aufzuspüren und zu dechiffrieren. Dann schlugen die Ermittler in Stockholm, Göteborg, Malmö, Västerås, Eskilstuna und Borlänge zu. Sie fanden Präparate im Wert von weit über einer Million Euro.

Der Verkauf wurde übers Internet abgewickelt. Das Netzwerk agierte dabei wie ein Unternehmen. Der Hauptangeklagte soll knapp zwei Millionen Euro verdient haben. Es gab regelrechte Angestellte die, ja nach Aufgabenbereich, zwischen 550 und 5.500 Euro im Monat verdienten. Alles hatte einen soliden Anstrich, so Mikael Lindgren:

„Die Personen, die die Präparate hersellten, hatten einen relativ hohen gesellschaftlichen Status und teilweise gut bezahlte Jobs. Das war eine gute Fassade. Man hätte nie gedacht, dass sie sich mit so etwas beschäftigen.“

Auch wenn jetzt der Prozess gegen dieses große Netzwerk beginnt, so geht der illegale Handel mit Dopingmitteln munter weiter, weiß Lindgren:

„Ich glaube, die Behörden sind sich dessen bewusst. Aber durch das Internet ist der Markt schwer kontrollierbar geworden“, sagt der Zollbeamte. Der Verkauf übers Internet hat auch noch einen anderen Effekt. Ein Schnäppchen im World Wide Web gebe dem Konsumenten bei weitem nicht das Gefühl einer kriminellen Handlung, wie der Straßenverkauf, so Tommy Moberg. Der Doktorand forscht an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göteborg und beschäftigt sich seit den 1990er Jahren mit dem Thema Doping.

„Wenn man sich in das konventionelle Drogenmilieu begibt, ist es offensichtlich, dass man sich in einem kriminellen Umfeld befindet, und man muss mit Polizei in Zivil rechnen. Aber vor dem Computer zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz ist man anonym. Man kommt zu einer schwedischen Internetseite und kauft dort ein, wie auf jeder anderen Seite, bezahlt mit der Kreditkarte, und die Ware kommt in einem anonymen Päckchen nach Hause.“

Die Konsumenten sind längst nicht etwa nur Spitzensportler. Es handelt sich laut Milja Ranung von der Dopinganlaufstelle um Menschen aller Alters- und Gesellschaftsschichten:

„Der Missbrauch von anabolen Steroiden hat vor allem bei jüngeren und älteren Menschen zugenommen. Das Altersspektrum ist größer geworden. Wir sehen auch, dass neue Präparate eingenommen werden. In den letzten Jahren ist vor allem der Konsum von Narkotika gestiegen.“

Der Prozess in Stockholm ist laut den Experten nur die Spitze des Eisberges. Um dem Problem beizukommen, wird vor allem in der breiten Bevölkerung noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen.

Simon Andrén/Dieter Weiand





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