In Pajala und Kaunisvaara freuen sich die Bewohner auf mehr Arbeitsplätze. Das kanadische Unternehmen Northland Resources hat vielversprechende Probebohrungen gemacht. (Foto Thord Nilsson / SCANPIX)
Bengt Niska zeigt in die unwegsame Landschaft: Dort liegt das Eisenerz, dort macht Northland Resources Probebohrungen
Reportage

Aufbruch in Nordschweden

Es schlummerte jahrzehntelang im Wald- und Sumpfboden vor Pajala. Das Eisenerz, das dank der hohen Rohstoffpreise nun abgebaut werden soll. Ein kanadisches Unternehmen will in zwei Jahren mit dem Abbau beginnen und zwei Gruben in Nordschweden und eine in Nordfinnland einrichten. Das weckt große Hoffnungen in einem Gebiet, das jahrelang von hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung geprägt war. Die Kommune Pajala stand nämlich stets ganz oben in der Arbeitslosenstatistik.

Der Dorfladen in Kaunisvaara, zehn Kilometer nördlich von Pajala, hat alles im Angebot, was man täglich so braucht: Wurst, Käse, Tabak, Hundefutter, Autoscheibenreiniger, Lottoscheine.

Hoffnungsschimmer
Inhaber Kenneth Aro hat sein Geschäft trotz Abwanderung die vergangenen 35 Jahre halten können. Einst wohnten fast 3.000 Menschen in Kaunisvaara, inzwischen sind es nur noch 160. Die Schule des Dorfes ist seit langem stillgelegt und verfällt. Durch das Bergwerk im Dorf hofft Kenneth Aro seinen Laden weiter halten zu können: „Schwer zu sagen, was es für das Geschäft bedeutet“,  sagt er einsilbig. „Im besten Fall mehr Kunden.''

Die Menschen im Dorf reden meist tornedalsfinnisch, wie auch Åke Olsson, der gerade einen Schwung Lottoscheine einreicht. 40 Jahre lang hat der Rentner in Malmberget, im Bergwerk des schwedischen Erzriesen LKAB gearbeitet. Was er von einer Grube Kaunisvaara hält?

„Ich werde dann deren oberster Indianer, hab schließlich lang genug in der Grube gearbeitet", scherzt er hörbar gut gelaunt.

„Ich finde das ist sehr gut," bekundet Hjördis Kostet ihre Zufriedenheit. „Es muss ja was passieren, sonst geht hier alles den Bach runter. Gut, wenn Leute hierher ziehen."

Wegloses Land 
In dieser Gegend kann leicht der Eindruck eines Niemandsland entstehen. Der Regen der vergangenen Nacht hat die wenigen provisorischen Wege bei Kaunisvaara nahe Pajala in tiefen Matsch verwandelt. Ein Bauzaun umschließt das, was die Grube „Stora Sahavaara" werden soll. Die Bagger haben sich tief ins Erdreich gegraben und das Grundwasser erreicht. Direkt über dem kleinen Grundwassersee befindet sich die Hoffnung der Region:

50 Jahre Abwärtstrend
„Da liegt das Erzvorkommen." Pajalas Kommunalrat Bengt Niska zeigt auf eine Gesteinsmasse, die für das ungeübte Auge aussieht wie all der Schlamm und Matsch hier in Sahavaara. Es ist still im Wald. Noch. In drei bis vier Jahren soll das Gebrumm der Abraumbagger diese Stille durchbrechen.

Allerdings muss Stora Sahavaara noch ein wenig warten. Erst ist die Grube Tapulivuoma dran, etwa zehn Kilometer entfernt. 2009 bereits soll dort das erste Eisenerz gefördert werden. „Schon die erste Grube, die Erz aus einem Tagebau fördert, wird 200 neue Arbeitsplätze schaffen“ sagt Niska zuversichtlich. „Das ist natürlich nach 50 Jahren Abwärtstrend eine Veränderung, die ihresgleichen sucht in der Gegend."

Neue Arbeitsplätze 
Alle drei Gruben sollen bis zu 2.000 neue Jobs schaffen. The Pajala Project haben die Verantwortlichen des kanadischen Unternehmens Northland Resources ihr ehrgeiziges Vorhaben genannt. 900 Millionen Euro wollen die Kanadier investieren.

Seit langem war bekannt, dass im Boden um Pajala Eisenerz schlummert. Kommunalrat Niska erinnert sich an die verpassten Chancen der Vergangenheit: „Seit 90 Jahren wissen wir, dass hier Erz liegt. Wir hatten die Hoffnung auf eine  Förderung aufgegeben, als LKAB in den sechziger, siebziger Jahren sich davon verabschiedete." 

Damals waren die Rohstoffpreise bedeutet niedriger als heute. Das staatseigene Unternehmen LKAB betreibt die großen Bergwerke in Kiruna und Malmberget und verkauft 23 Millionen Tonnen Eisenerz jährlich. Northland Resources rechnen mit 13 Millionen Tonnen Erz pro Jahr aus allen drei Gruben.

Konkurrenz belebt das Geschäft 
Dennoch ist der staatliche Konzern LKAB über die neue Konkurrenz nicht beunruhigt, wie Unternehmenssprecher Anders Lindberg betont: „Wir sind sehr froh darüber, dass es in Kaunisvaara viel Erz gibt. Aber wir haben genug Erz - mehr als wir fördern können. Wir haben keine Probleme damit, im Gegenteil, ist doch gut für die Region."

Vielleicht aber wandert dem staatseigenem Konzern schon bald eine Menge Personal ab, denn in der Kommune Pajala wohnen viele, die – noch - nach Kiruna oder Malmberget pendeln. Noch sind die Gruben nicht genehmigt, das Verfahren steht noch an. Doch es wird etwas passieren in Kaunisvaara, die Einwohner haben lange darauf gewartet.

Katja Güth

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