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Deutscher Chef am renommierten SIPRI

"Internationaler Waffenhandel stark im Wandel"

Publicerat tisdag 9 april 2013 kl 15.07
"Immer schwieriger, friedlich und neutral zu bleiben"
7:02 min
Bollwerk der Rüstungsforschung: Das SIPRI in Solna nahe Stockholm (Foto: Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)

Das Internationale Friedensforschungsinstitut SIPRI in Solna nahe Stockholm gilt als einer der einflussreichsten Think-Tanks in Sachen Waffenhandel und Konfliktforschung. Vor allem die regelmäßigen Länder-Rankings zum Rüstungsgeschäft haben das 1966 gegründete Institut weltweit bekannt gemacht. Seit Januar diesen Jahres steht der deutsche Ökonom Tilman Brück, vormals Professor an der Humboldt-Universität in Berlin, dem legendären Think-Tank vor. Radio Schweden sprach mit dem neuen SIPRI-Chef über die Zukunft des Instituts, über das weltweite Rüstungsgeschäft und welche Rolle Schweden dabei spielt.

Radio Schweden: Wie sehen die Zukunftspläne des Instituts aus, worauf wird künftig der Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeit liegen?

Prof. Tilman Brück: SIPRI ist ja bekannt für seine Datensätze zu Verteidigungsausgaben und dem Waffenhandel. Und diese Arbeit wollen wir auch fortsetzen, denn das ist unsere Kernkompetenz, die wir weiter ausbauen wollen. Gleichzeitig bin ich selbst Entwicklungsökonom, und wir wollen Fragen zur Entwicklung, Sicherheit  und zum Frieden stärker am SIPRI bearbeiten. Das wird also ein weiteres Standbein unserer Tätigkeit werden. Es gibt in diesem Bereich ja auch viele Überschneidungen, wenn zum Beispiel Staaten in Afrika viel Geld für die Verteidigung ausgeben muss gefragt werden, ob sie noch genügend übrig haben, um in die Entwicklung für ihre Menschen zu investieren. Das wollen wir genauer untersuchen, etwa wie kann man besser eingreifen, welche Rolle spielt wirtschaftliche Entwicklung bei der Entstehung der Konflikte, und wie können diese Länder in der Nachkriegszeit wiederaufgebaut werden. Ein prominentes Beispiel dazu ist derzeit Syrien.

Sie sind Experte für die Analyse von Armut und deren Bekämpfung. Außerdem sind Sie auch Experte für Zentralasien, also einem traditionellen Wirkungsbereich der deutschen Entwicklungspolitik. Wird das SIPRI künftig mehr von deutschen Entwicklungsinteressen in seiner Arbeit geprägt sein?

Nein, ich glaube nicht, dass die Nationalität des Direktors Einfluss auf die  inhaltliche Arbeit von SIPRI hat. Das SIPRI hat die Tradition, immer von einem Ausländer geleitet zu werden. Noch nie war ein Schwede Direktor, und das ist auch so beabsichtigt.

SIPRI hat vor kurzem den jüngsten Bericht zum internationalen Waffenhandel veröffentlicht. Herausgestoche hat dabei vor allemn, dass sich China in dem jetzigen Ranking erstmals unter den fünf größten Rüstungshändlern befindet, mit Deutschland auf Platz drei, hinter den USA und Russland. Wie sieht die Zukunft des internationalen Waffenhandels aus –  verändert sich die Landkarte der weltweiten Rüstung in den kommenden Jahren?

Sie ist schon dabei, sich stark zu verändern. Der Aufstieg Chinas als großer Waffenexporteur ist ein Zeichen dafür, dass früher arme Länder, die jetzt mittlere Einkommen haben, mehr in die eigene Fähigkeit, Waffen herzustellen, investieren. Oft handelt es sich dabei um simplere Systeme, aber die technische Aufholjagd ist rasant. Diese Schwellenländer wollen für sich selbst, aber auch für den Export aufrüsten, um damit Geld zu verdienen. Gleichzeitig verändert sich aber auch die Technologie der Waffen. IT und Computeraspekte spielen eine größere Rolle, und auch, dass Waffensysteme untereinander vernetzt sein müssen. Es ist also eine andere Art der Waffensysteme als wir es noch von früher kennen, als es nur um Gewehre oder um Panzer ging. Ein weiterer Punkt sind die Dienstleistungen. Heute geht es gar nicht mehr so viel darum, ein Flugzeug zu verkaufen, sondern um die Aufträge für dessen Wartung zu erhalten.

Gibt es, abgesehen von China, noch andere Länder, die sich in solchen Bereichen künftig mehr etablieren werden? 

Es gibt Länder, die China nacheifern wollen, aber dies noch nicht können, weil die leistungsfähige Wirtschaft fehlt. China hat nun einmal seine schiere Größe, und das können kleinere Länder nicht kopieren. Gleichzeitig geht der Trend in die Richtung, dass Waffen zunehmend im Ausland gefertigt werden mithilfe der Technologien aus den traditionellen Herstellerländern. Der ganze Markt verschiebt und verändert sich und wird unübersichtlicher.

Wie wichtig ist die Rüstungswirtschaft für Schweden? 

Schweden als neutrales Land hat traditionell versucht, eine eigene Rüstungsindustrie aufzubauen,  um von den Blöcken in West und Ost unabhängig sein zu können. Eine politische Entscheidung, um die eigene Neutralität zu untermauern. Schnell haben die Schweden aber gemerkt, dass sie als kleines Land nicht die nötigen Skalen-Erträge herstellen können. Man muss eben nicht nur ein, sondern Duzende Flugzeuge herstellen können, um konkurrenzfähig zu sein und damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Deshalb hat Schweden immer schon eine Exportpolitik für seine Rüstungsprodukte betrieben. Gleichzeitig findet hier, wie in vielen anderen EU-Staaten auch, die Diskussion darüber statt, in welche Länder geliefert werden darf und in welche nicht. Ob man etwa in den Mittleren Osten liefern darf ist eine politische Frage. Das sind Debatten, die Schweden genauso wie auch Deutschland, Großbritannien, USA und Frankreich derzeit erleben.

Schweden ist ein eifriger Waffenexporteur, hält sich aber selbst bei militärischen Interventionen stark zurück. Verhält sich Schweden hier ähnlich wie Deutschland?

In Schweden ist man sehr stolz darauf, dass man seit fast 200 Jahren im eigenen Land im Frieden lebt. Das ist Teil des schwedischen Selbstverständnisses, und daraus wurde übrigens auch das SIPRI damals gegründet, aus Anlass für damals 150 Jahre Frieden. Andererseits weiß Schweden, dass es eine Verantwortung zum Schutz von Frieden in der Welt hat. Die Grenzen zwischen Neutralität und Einsatz weichen immer mehr auf. In Syrien haben wir gesehen: wenn man sich nicht einmischt, bezieht man eine Position. Wie man friedlich und neutral bleiben kann, wird immer schwieriger zu definieren.

Interview: Hansjörg Kissel

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