Die Zukunft der Kernkraft erstrahlt selbst in Schweden in nicht mehr allzu hellem Licht (Foto: Tomas Oneborg / SvD / SCANPIX)
Fukushima und die Folgen

Widerstand gegen Kernkraft hält weiter an

3:20 min

Nach jahrelanger Übermacht der Kernkraft-Befürworter breitet sich der Widerstand gegen Atomstrom in Schweden nun weiter aus. Wie eine Umfrage des Göteborger Meinungsforschungs-Instituts SOM zeigt, will die Mehrheit der Schweden einen Atomausstieg. Bereits zum zweiten Jahr in Folge sind damit die Gegner schwedischer Kernenergie in der Überzahl. Radio Schweden mit dem ersten Teil unserer Serie zum Stand der Kernkraftdebatte in Schweden.

„Kernkraft ist wirklich nicht gut. Es wäre besser, das Geld in andere Bereiche als die Atomenergie zu stecken“, findet Peyman Abdulla Ali aus Jönköping. Sie gehört zu der neuen Mehrheit der Schweden, die sich kritisch gegen die Energiequelle Uran stellt. Ein recht neues Phänomen in Schweden, das traditionell eher positiv zur Stromerzeugung aus Kernenergie steht. Johan Hagelin, auch er aus dem mittelschwedischen Jönköping, bringt das Kernargument der schwedischen Befürworter auf den Punkt: „Es ist eine gute und billige Energiequelle, auch wenn sie gefährlich ist.“

2012 hatte es die Atomindustrie nicht leicht in Schweden. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte in einer eigenen Untersuchung die Sicherheit sämtlicher Reaktoren in Frage gestellt. Das AKW Forsmark nahe Uppsala landete zudem in einem europaweiten Stresstest der EU auf der Liste sicherer Kernkraftwerke ganz unten.

48 Prozent sind jetzt gegen Atomstrom

Nach jahrelangem Stillstand scheint die Atomenergie-Debatte hierzulande wieder in Bewegung gekommen zu sein. Laut der jüngsten Umfrage des SOM-Instituts stimmen 48 Prozent der Befragten für den Atomausstieg – entweder so bald wie möglich, oder nachdem die zehn aktiven Reaktoren, die allesamt zwischen 1971 und 1985 gebaut wurden, ausgedient haben. 36 Prozent wollen dementgegen an den KKWs festhalten. Dabei sollen neue Werke gebaut werden, oder die alten Reaktoren durch neue ausgetauscht werden.

Ins Auge sticht bei der Untersuchung, dass die Meinungen zwischen einzelnen Gesellschaftsgruppen stark auseinandergehen. Vor allem jüngeren Befragten fällt es schwer, an die Zukunft der Kernkraft zu glauben. Zudem stellen sich vor allem Frauen kritisch zur atomaren Lösung – bei den männlichen Befragten überwiegen die Kernkraft-Befürworter.

Nachwirkungen von Fukushima

Wie der Verantwortliche für die Untersuchung, Professor Sören Holmberg, im Schwedischen Rundfunk erklärt, liegen vor allem die Nachwirkungen der Fukushima-Katastrophe hinter dem atomaren Abwärtstrend. „Stärkere negative Einstellungen hatten wir bereits unmittelbar nach Fukushima 2011 gespürt. Und diese halten immer noch auf ungefähr gleichem Niveau an.“ Gleichzeitig glaubt Holmberg, dass auch die Reaktionen anderer europäischer Länder auf die japanische Kernschmelze nicht unbemerkt an den Schweden vorbeigezogen sind: „Es spielt auch eine Rolle, dass im Anschluss an Fukushima mehrere europäische Länder beschlossen haben, ihre Kernkraft abzuwickeln. Deutschland, aber auch die Schweiz und Italien haben ja ihre Richtung geändert.“

Bereits 1980 hatte das schwedische Parlament den Kurs zum Atomausstieg vorgegeben: Bis 2010, so damals die Zielsetzung, sollten sämtliche Reaktoren stillgelegt werden. Doch der Zeitgeist änderte sich; mangels gesellschaftlichen Drucks sollte der Stern der Kernkraft wieder in vollem Licht erstrahlen – darin war sich eine Bevölkerungsmehrheit lange Zeit einig. Im geplanten Jahr des endgültigen Ausstiegs 2010 entschied schließlich das Parlament, dass die alten Kraftwerke künftig wieder mit neuen Reaktoren bestückt werden dürfen.

Hansjörg Kissel / SR Ekot

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