Rabbi David Lazar (rechts) (Foto: Jessica Gow / SCANPIX)
Zu "modern"?

Liberaler Stockholmer Rabbi hört auf

Die Jüdische Gemeinde in Stockholm und ihr Rabbi David Lazar gehen getrennte Wege. Rein formal gab es Kontroversen über Details der weiteren Anstellung Lazars, der seit 2010 in Stockholm als Rabbi tätig ist. Doch wie Lazar selbst jetzt erklärt, ging es bei weitem nicht allein um derlei Formalitäten. Vielmehr ist der als modern und aufgeschlossen geltende Rabbi für den Geschmack der Gemeinde offenbar zu weit gegangen, was sein Engagement für sexuelle Minderheiten und für einen Dialog zwischen verschiedenen Religionen betrifft.

„Die Gemeinde sagt – und hat dies meines Wissens gestern Abend auch offiziell erklärt –, dass vielen Gemeindemitgliedern nicht gefällt, was für eine Art Rabbi ich bin“, so Lazar gegenüber der englischsprachigen Redaktion von Radio Schweden. „Ich hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass ich für die Rechte von Homo-Bi- und Transsexuellen arbeiten möchte, und habe dies auch getan – so werden wir in zwei Monaten in der Großen Synagoge die erste Gay-Hochzeit feiern. Ebenfalls von Anfang an hatte ich erklärt, dass ich den interreligiösen Dialog unterstütze, und habe dies ebenfalls umgesetzt. Ich habe stets offene Diskussionen befürwortet. Ich nehme an, für einige Gemeindemitglieder ist dies eben nicht der Rabbi, nach dem sie suchen.“

Zusammenstoß der Kulturen

Wie und wo es für den als ebenso charismatisch wie furchtlos geltenden Lazar nun weitergeht, bleibt vorerst offen. Aufgewachsen in den USA, lebte er 35 Jahre lang in Israel, wo er sich als einer der ersten Rabbiner für die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern einsetzte. Vor fünf Jahren kam er nach Schweden – kürzlich noch sang er das Loblied seines neuen Heimatlandes: „Ich bin stolz darauf, in einem Land zu leben, das die Partnerschaft und die Ehe zwischen Homosexuellen anerkennt. Ich habe Freunde in der Schwedischen Kirche, wo Frauen als Pfarrerinnen arbeiten und wo Homosexuelle Führungspositionen haben“, so Lazar im Jahr 2012. Mehr als 180 seiner Anhänger haben nun eine Petition unterschrieben, in der sie von der Gemeinde fordern, den Rabbi fest anzustellen. „Es wäre ein enormer Rückschlag, wenn wir sagen: So jemanden können wir nicht haben – er setzt sich für die Homo-Bi- und Transsexuellenbewegung und für Dialog ein“, so Bernt Hermele, Initiator des Aufrufs. Weniger erpicht auf eine öffentliche Stellungnahme sind hingegen Lazars Kritiker. Im persönlichen Gespräch, nicht aber vor dem Mikrofon kommt da unter anderem Befremden darüber zur Sprache, dass Lazar an der Stockholmer Pride-Parade teilnahm. Zwischen dem aufgeschlossenen, kampfeslustigen Zugezogenen und den stark auf Konsens ausgerichteten Schweden sei es außerdem in vielen Alltagsdingen zu einem „Crash der Kulturen“ gekommen., so ein Kritiker, der namentlich nicht genannt werden will.

Provokation Ship to Gaza

Das Fass zum Überlaufen brachte für manches Gemeindemitglied eine der jüngsten Aktionen Lazars: Im Februar lud er zum Abendgebet den iranischen Songwriter Behrang Miri ein. Als aktiver Befürworter der so genannten „Ship to Gaza“-Bewegung hatte Miri Israels Aktionen im Gazastreifen im Jahr 2009 als Massaker bezeichnet. Die jüdische Gemeinde in Schweden und in Stockholm sollten Gewalt und Intoleranz, wie sie Miri verbreitet, nicht unterstützen“, so Annika Hernroth-Rotstein, eine der Kritiker Lazars. „Die Aufgabe eines Rabbis ist es nicht, überall beliebt zu sein“, summiert David Lazar nun. „Es geht darum, für so viele Menschen wie möglich da zu sein, sie zu lehren, eine lebende Brücke zu sein. Ich habe getan was ich konnte, um eine so große Brücke wie möglich für möglichst viele Menschen zu sein. Wenn das nicht funktioniert hat, bin ich vielleicht für diese Arbeit nicht der Richtige.“

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