Im April 2012 konnten die Geiseln nach einer Woche im peruanischen Dschungel gerettet werden (Foto: (AP Photo / Scanpix)
Leuchtender Pfad in Peru

Geiseldrama in Peru - Schwedische Skanska verklagt

"Skanska hat uns im Stich gelassen"
3:42 min

Vor knapp einem Jahr waren peruanische Angestellte des schwedischen Bauunternehmens Skanska von einer Guerilla als Geiseln genommen worden – jetzt verklagen die Peruaner ihren ehemaligen schwedischen Arbeitgeber. Skanska habe die früheren Angestellten mit ihren Leiden im Stich gelassen, so die Anklage.

Das Geiseldrama hatte sich im April vergangenen Jahres im peruanischen Dschungel abgespielt. 36 Mitarbeiter hatten im Auftrag des schwedischen Bauriesen Skanska in einem abgelegenen Gebiet nach Gas gebohrt, als sie von einer Maoisten-Guerilla aufgegriffen und in den Dschungel verschleppt wurden. Die berüchtigte Gruppe „Sendero Luminoso“, zu Deutsch der „Leuchtende Pfad“, hatte die Geiseln eine Woche lang festgehalten und das schwedische Unternehmen auf Lösegeld erpresst.

Manche der Arbeiter leiden noch heute an Krankheiten in Folge des Geiseldramas, einer von ihnen soll laut ärztlichem Attest unter schwerem posttraumatischen Stress stehen. Die Guerillatruppe hatte die Skanska-Mitarbeiter nur mangelhaft verpflegt und zudem Scheinhinrichtungen ausgesetzt. Einer der Betroffenen, Cesar Cuba Paravicino, sagte der schwedischen Gewerkschaftszeitung Byggnadsarbetaren, dass seine Gesundheit stark gelitten habe. Er leide unter Magenbeschwerden und Wasser in seinen Lungen. Zudem hätten die vielen Mückenstiche im Dschungel eine Hautkrankheit verursacht, so Paravicino.

Skanska soll seine Versprechen nicht gehalten haben

Jetzt haben vier der ehemaligen Mitarbeiter ihren früheren Arbeitgeber verklagt. Ihr Anwalt, der Peruaner Alan Cabanillas, nimmt Skanska wegen Sicherheitsmängeln in die Verantwortung. Es sei nachlässig gewesen, die Arbeiter in dem gefährdeten Gebiet übernachten zu lassen. „Das Unternehmen hat die Arbeiter völlig im Stich gelassen. Jetzt kämpfen wir mit rechtlichen Mitteln, damit sie ihre Sicherheitsmängel zugeben.“ Zudem sei den Arbeitern psychologische Unterstützung zur Bearbeitung der traumatischen Erlebnisse versprochen worden. Sobald sich aber die Aufmerksamkeit der Medien gelegt habe, sei dieses Versprechen für Skanska nichts mehr wert gewesen.

In dem anstehenden Prozess steht Aussage gegen Aussage. In ihrer offiziellen Stellungnahme gegenüber dem verantwortlichen Gericht in Lima hat Skanska angegeben, dass es keine Beweise dafür gebe, dass die Arbeiter Schäden davongetragen hätten. Zudem habe Skanska psychologische Unterstützung angeboten, so die Personalchefin des Bauunternehmens, Veronica Rörsgård: „Wir haben große Verantwortung für die Arbeiter und ihre Familien übernommen. Während der gesamten Zeit haben wir ihnen psychologische Unterstützung angeboten. Es ist sehr bedauerlich, dass es nun zu einer rechtlichen Auseinandersetzung kommt.“

Klage aller Mitarbeiter geplant

Der ehemalige Arbeiter Paravicino verklagt das Unternehmen nun wegen Arbeitsunfähigkeit auf umgerechnet etwa 240.000 Euro. Seine drei Mitstreiter fordern ähnliche Summen. Zudem soll Skanska für weitere psychologische Behandlungen aufkommen. Laut Rechtsanwalt Cabanillos sollen auch die übrigen ehemaligen Geiseln früher oder später gegen die Schweden vor Gericht ziehen. „Alle sind mit dabei. Wir haben einen Vertrag geschlossen, laut dem auch die anderen Geiseln Rechtsprozesse in Angriff nehmen sollen, sobald sie es sich leisten können.“

Das Geiseldrama im Frühjahr 2012 konnte nach einer Woche ohne Waffengewalt gelöst werden. Der „Leuchtende Pfad“ hatte die Skanska-Mitarbeiter freigegeben, obwohl sich sowohl die peruanische Regierung als auch das schwedische Unternehmen geweigert hatten, das geforderte Lösegeld zu zahlen. Etwa 2.000 Mitarbeiter waren zu diesem Zeitpunkt in Peru bei Skanska angestellt. Es war das erste Mal, dass die Guerilla-Bewegung Skanska-Mitarbeiter als Geiseln genommen hatte. Die maoistische Gruppe ist berüchtigt für ihre Entführungen. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International soll der Leuchtende Pfad bis zur Entwaffnung großer Teile der Organisation Anfang der 1990er Jahre insgesamt 25.000 Menschen getötet haben. Die EU führt die Bewegung nach wie vor auf ihrer Liste terroristischer Organisationen.

Hansjörg Kissel / Anders Jelmin (SR Ekot)

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