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Millionen von Schulkindern haben in den letzten 37 Jahren Bekannschaft mit dem Tellermodell geschlossen (Foto: Anders Wiklund / SCANPIX)
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Die Schöpferin Britt-Marie Dahlin präsentiert einen schwedischen Klassiker (Foto: Ingvar Karmhed / SvD / SCANPIX)
Essensgewohnheiten

Das Tellermodell – ein schwedischer Klassiker findet sein Ende

2:51 min

Die schwedische Lebensmittelbehörde plant tiefgreifende Änderungen in ihren Ernährungsempfehlungen. Das sogenannte Tellermodell, das jedem, der eine schwedische Schule besucht hat, geläufig ist, soll dabei neu definiert werden. Ein 37 Jahre alter schwedischer Klassiker findet damit sein Ende.

Das schwedische Tellermodell sieht, ganz im Geiste seines Schöpfungsjahrs 1976, ein bisschen aus wie ein Peace-Zeichen. In einem Drittel Kartoffeln, Pasta oder Reis, im anderen Gemüse und im letzten Fisch, Fleisch oder Bohnen. „Tallriksmodellen“ heißt diese Kostvariante auf Schwedisch – ein hierzulande geflügeltes Wort, das jedem Schulkind bekannt ist und das viele Schweden nach wie vor bei der Essenszubereitung vor dem geistigen Auge sehen. Das Vertrauen in den dreigeteilten Teller ist so ausgeprägt, dass selbst die Fastfood-Kette McDonalds Werbekampagnen startete, die für eine eigene Variante des Modells warb. Doch nun soll damit Schluss sein: Die schwedische Schöpferin des Modells, Britt-Marie Dahlin, fordert neue Essensgewohnheiten.

Die richtige Entscheidung, findet die Ernährungswissenschaftlerin Linnéa Nallgård im Schwedischen Fernsehen: „Reserviert man einen halben Teller für Gemüse so bleibt genug Platz übrig, um darauf Proteine und Kohlenhydrate auf jeweils ein Viertel zu verteilen. Reichhaltiges Wurzelgemüse liefert dabei auch seinen Anteil an der Aufnahme von Kohlenhydraten.“

Fleischerzeuger Scan als Ursprung des schwedischen Klassikers

Die alte Empfehlung der Lebensmittelbehörde hat die Essensgewohnheiten vieler Millionen Schulkinder geprägt. Ursprünglich hatte die Schöpferin Britt-Marie Dahlin als Ernährungsexpertin beim Fleischerzeuger Scan das Tellermodell ins Leben gerufen. 1976 hätten sich die Schweden weitgehend von Fleischwurst und Makkaroni ernährt, so Dahlin gegenüber der Tageszeitung Svenska Dagbladet. Gemüse habe man eher als Kaninchenfutter betrachtet. Scan verbreitete daraufhin das hauseigene Modell mit großen Werbekampagnen. In den Schulen wurde die neue Essensphilosophie in der Hauswirtschaftslehre an die nächste Generation weitervermittelt; das Tellermodell wurde zu einer schwedischen Institution.

Nun fordert die Ernährungsexpertin Dahlin aufs Neue Veränderungen bei der Nahrungsaufnahme. Bei den heutigen Lebensgewohnheiten seien drei große Kartoffeln auf dem Teller eindeutig zu viel. Heute gebe es eine Tendenz zum Übergewicht, und deshalb müsste die Aufnahme an Energie zurückgefahren werden, so Dahlin. Gleichzeitig sollten mehr Vitamine und Mineralien aufgenommen werden.

Wie vor knapp 40 Jahren sind die Empfehlungen der ehemaligen Scan-Mitarbeiterin ganz im Sinne der Lebensmittelbehörde. Man arbeite bereits selbst an einer neuen Ausformung des Tellermodells, so Anette Jansson von der Behörde. Womöglich sei es nötig, je nach individuellem Energiebedarf mehrere Tellermodelle zu entwerfen. Bis zum Herbst werde die Behörde bekannt geben, ob eine Änderung der jetzigen Kostempfehlung aktuell sei, sagte Åsa Brugård Konde, auch sie Mitarbeiterin der Lebensmittelbehörde, der Nachrichtenagentur TT. Man müsse aber bedenken, dass letztlich nicht die dritte Kartoffel, sondern Eis, Saft, Chips und Süßigkeiten uns das Übergewicht bescheren.

Hansjörg Kissel / SVT

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