Schweden unterstützt EU-Krisenzentrum - vorerst

Nach der Erdbebenflut wuchs die Kritik am Krisenmanagement der schwedischen Regierung. Sie habe das Ausmaß der Katastrophe unterschätzt und betroffene schwedische Staatsbürger vor Ort nicht ausreichend unterstützt. Beim gestrigen EU-Treffen in Brüssel einigten sich die Außenminister darauf, zukünftig gemeinsam auf Krisen in der Welt zu reagieren. Ausgerechnet das europaskeptische Schweden unterstützt diese Linie vehement.

Das EU-Land Schweden lehnt traditionell alles Überstaatliche ab. Aber im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe in Südostasien weist sich Schweden nun als Anwalt der Supranationalität aus. Deswegen hält Außenministerin Laila Freivalds viel von der Idee, dass die EU in Zukunft im Krisenfall alle Hilfseinsätze koordiniert:

„Die Erfahrungen aus Thailand zeigen, dass das Hilfspersonal vor Ort zentral koordiniert werden muss. Informationen müssen ausgetauscht werden. Evakuierungen müssen geplant und durchgeführt werden. Und irgendwo laufen die Fäden zusammen. Das ist die wichtigste Lehre, die wir aus der Katastrophe ziehen.“

Einheitliche EU-Linie 

Eine einheitliche Linie, die im Krisenfall gefahren wird – damit können sich die meisten EU-Länder theoretisch anfreunden. Doch was ein gemeinsamer Masterplan in der Praxis bedeutet, darüber herrschen geteilte Auffassungen. Soll die EU tatsächlich darüber bestimmen dürfen, welches Land welche Hilfsmittel in einem Katastrophengebiet einsetzt? Bislang liegt die Weisungsbefugnis bei den Nationalstaaten selbst. Dass Schweden ernsthaft befürwortet, alle Entscheidungsgewalt im Krisenfall nach Brüssel zu verlagern, darf vorerst bezweifelt werden.

Stattdessen koordiniert das Land seine Hilfseinsätze bis auf weiteres ohne Unterstützung der EU. Inge Gustafsson ist Informationschef des staatlichen Technischen Hilfswerks. Derzeit macht er sich in Phuket ein Bild von der Lage:

„Täglich treffen sich Vertreter aller Hilfsorganisationen mit den Angehörigen, die hier ankommen. Dabei erklären wir, wie unsere Arbeit aussieht. Die Schwedische Kirche ist hier, das Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, sogar Polizisten. Unser Generalkonsulat hat eine gute Auswahl an schwedischen Vertretern getroffen.“

Zurück zur Harmonie

Nach der Katastrophe kommt die Harmonie. Schweden, das offiziell immer noch 569 Staatsbürger in der südostasiatischen Krisenregion vermisst, befindet sich auf dem Rückweg zur Normalität. Am Stockholmer Flughafen flogen bereits wieder die ersten Thailand-Urlauber ab. Eine von ihnen war Britt-Marie Strömberg:

„Ich habe lange überlegt. Fast hätte ich die Reise storniert. Aber dann dachte ich, die beste Art zu helfen, ist doch, den Tourismus zu unterstützen. Spendensammeln allein reicht nicht aus. Mit meiner Reise tue ich Thailand etwas Gutes. Abgesehen davon liebe ich dieses Land – trotz der Katastrophe.“

Und während schwedische Touristen wieder zuversichtlich die Charterjets besteigen, kommen nach und nach die Särge schwedischer Opfer aus Thailand an. Doch das registriert die Öffentlichkeit mit deutlich sinkendem Interesse.

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