Neuer Besuchermagnet in Stockholm

Das ABBA-Museum begrüßt seine Besucher

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Der ersehnte Tag für Fans in aller ist Welt gekommen: Das ABBA-Museum in Stockholm hat an diesem Dienstag offiziell die Pforten geöffnet. Nur ein paar hundert Meter vom Vasamuseum entfernt bekommt die grüne Insel Djurgarden damit einen weiteren Tourismus-Magneten. Die Bezeichnung Museum mag allerdings nicht recht passen: In Gesellschaft von Agnetha, Anni-Frid, Björn und Benny geht’s nämlich alles andere als museal zu. Jeder Besucher soll das Versprechen einlösen können, das die vier „ABBAs“ auf der Homepage des nagelneuen Musiktempels geben: „Wir möchten, dass Du Dich als fünftes ABBA-Mitglied fühlst.“

ABBA, das schwedische Pop-Wunder. Was 1974 mit „Waterloo“ und dem Sieg beim Eurovision Song Contest in Brighton beginnt, wird zum weltweiten Triumphzug, mit 380 Millionen verkauften Platten. „Vom Gefühl her kann man das gar nicht richtig erfassen“, sagt Björn Ulvaeus heute. „Die Erwartungen an uns waren ja anfangs völlig anders. Viele dachten, diese Band hat gerade mal einen einzigen Hit, nach der Eurovision wird sie wieder von der Bildfläche verschwinden.“ Stattdessen ist mittlerweile kaum ein schwedisches Markenzeichen größer als ABBA.

Und reichlich 30 Jahre nach dem Auseinanderbrechen präsentiert sich das einstige Quartett jetzt wieder vereint – zumindest beinahe: Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad waren die Hauptpersonen bei der Galaeröffnung am Montagabend, Agnetha Fältskog grüßte per Audiobotschaft: „Ich wünschte, ich könnte heute Abend bei Euch sein, aber ich bin in London und promote mein neues Album. Seid ganz doll von mir umarmt.“

 Interaktivität ist Trumpf

Derart aufgemuntert kann sich der ABBA-Fan im Museum nun ins Geschehen stürzen. Wie wär´s zum Beispiel mit einer Tanz-Einlage im Glitter-Disco-Stil á la 70-er Jahre? Wer Lust hat, kann im Scheinwerferlicht den großen Auftritt hinlegen, flankiert von seinen vier Lieblingen. „Björn wollte hier unbedingt ein richtig cooles Disco-Ambiente haben“, berichtet Ausstellungsgestalterin Ingmarie Halling. „Umgeben ist die Tanzfläche von Leinwänden, auf die man Farben und Filme projizieren kann. In einer Dauer-Schleife laufen hier sämtlich 38 Abba-Videos; zu denen kann man dann tanzen.“

Natürlich fehlt auch ein Karaoke-Studio nicht. Angesichts des Ambientes – einer Kopie des legendären Stockholmer Polar-Studios – kommt dabei echte Produktions-Atmosphäre auf. Überhaupt präsentiert sich die Ausstellung in Sachen Interaktivität auf beeindruckende Weise: So kann sich der Besucher als Björn, Benny, Agnetha oder Frida fotografieren und filmen lassen, selbst Musik mixen, oder – Stichwort fünftes Abba-Mitglied – mit der Gruppe gemeinsam auftreten und ein Video einspielen.

Wer es weniger aktiv mag, wendet sich vielleicht lieber der beeindruckenden Sammlung von Gold- und Platinplatten sowie teils lange vermisster Originalinstrumente zu. „Darunter ist meine sternförmige Gitarre vom Eurovisions-Auftritt in Brighton 1974“, berichtet Björn. „Sie war auf Abwege geraten, in Deutschland haben wir sie dann wiedergefunden. Wir haben ja viele Dinge im Lauf der Jahre weggegeben, zum Beispiel für Wohltätigkeit.“

Die Religion namens ABBA

Auch einen Blick in die Kostümwerkstatt macht das Museum möglich. „Hier kann man in mein Studio hinein schauen, so wie es 1974/1975 aussah“, sagt Owe Sanström, der für das Gros der ABBA-Kostüme verantwortlich zeichnet. „Die allerersten Bühnenkleider, die hier entstanden, waren die für ´Ring Ring´. Da sah Björn aus wie eine Art Superman und Agnetha wie Barbarella.“

„Wir wollen unsere Geschichten auf eine bestimmte Art erzählen“, sagt Ausstellungsgestalterin Ingmarie Halling. „Wir folgen sozusagen ABBAs Fußspuren. Wir zeigen das Polar-Studio, den Hochzeits-Raum, Agnethas Küche, das Büro, in dem viele Treffen stattfanden.“ Besucher können sich auch gern in den Helikopter quetschen, in dem sich die vier Abbas 1976 für das Cover-Foto der Platte „Arrival“ fotografieren ließen, mit Hits wie „Dancing Queen“ und „Money, money, money“.

Und mit ein wenig Glück kann man Benny Andersson in der „Neuzeit“ beim Komponieren zuhören: Das Museumsklavier ist nämlich mit dem Klavier in Bennys Stockholmer Studio verbunden. Wenn er dort in die Tasten greift, werden die Töne ins Museum übertragen.

Das neue Museum wird Herzstück der so genannten Swedish Hall of Fame, die die schwedische Populärmusik seit Beginn der 1920-er Jahre präsentieren und zu einem späteren Zeitpunkt eröffnet wird. Um Besucher wird sich das neue Haus kaum sorgen müssen. Was ist eigentlich ABBAs Erfolgsrezept? Was macht die Musik, über die viele Schweden anfangs die Nase rümpften, so besonders? Wahrscheinlich, vermutet Modeschöpfer Owe Sandström, ist ABBA eine Art moderner Religion: „Man findet Trost in ihrer Musik, man findet Freude. Es sind phantastische Texte, man kann sich darin wiedererkennen, und das Ganze ist leicht zugänglich, nicht verkompliziert. Außerdem ist die Musik natürlich märchenhaft, der Rhythmus wunderbar. Es prägt sich schnell ein.“

SVT / SR / Anne Rentzsch

ABBA aus dem Radio-Schweden-Museum

Zur Eröffnung des ABBA-Museums in Stockholm greifen wir in unser Archiv und präsentieren eine eigene Museumssendung: ABBA-Special.

Am 30. Dezember 1990, acht Jahre nachdem die vier ABBA-Mitglieder ihre musikalische Zusammenarbeit beendet hatten, zeichnete Radio Schweden ein musikalisches Portrait des Popquartetts.

In der Sendung vom spekulierte Moderator Helmut Steuer nicht nur über Fragen, die erstaunlicherweise auch heute nicht an Aktualität eingebüßt haben. Er spielte traulich knisternde Langspielplatten mit den schwedischen Evergreens und demonstrierte, was Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad nach der Auflösung der Gruppe musikalisch machten.

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