Brennende Autos in Husby

Krawalle in Stockholmer Vorort

4:06 min

Im Stockholmer Vorort Husby brachen in der Nacht zum Montag Krawalle aus. Rund 40 Jugendliche zündeten parkende Autos an, schlugen Fensterscheiben ein und begrüßten die eintreffenden Sicherheitskräfte mit Pflastersteinen.

Nach Polizeiangaben musste ein vierstöckiges Mietshaus evakuiert werden, weil in der Garage Autos brannten. Vier Polizeibeamte trugen leichte Verletzungen davon.

"Die Feuerwehr kam nach 30 Minuten"

Augenzeugen zufolge begannen die Unruhen gegen 21 Uhr am Sonntagabend. „Als ich auf meinen Balkon trat, sah ich, wie vermummte Jugendliche Autos anzündeten. Ein LKW brannte bereits, ein PKW auch und sie schütteten eben Benzin in ein drittes Auto. Es dauerte sehr lang, bis die Polizei kam. Die Feuerwehr kam zuerst, nach etwa einer halben Stunde. Da waren die Autos weitgehend schon verbrannt.“ Das berichtet der Augenzeuge Michael, der sich auch fragt, warum es so lange gedauert hat, bis Hilfe kam.

Frustration über mangelhaftes Eingreifen der Ordnungskräfte scheint auch in anderen Augenzeugenberichten durch. Andere Anwohner wiederum sind erbost, dass randalierende Jugendliche ihren Vorort in den Schmutz ziehen. Eine Haltung, die der Ortsbürgermeister, der konservative Bo Sundin unterstützt: „Es ist wirklich schade, dass eine Gang junger Erwachsener hier Chaos verursacht, völlig ohne Grund. Damit schwärzen sie das Image auch all jener 99 Prozent der Einwohner, die sich ruhig und ordentlich verhalten“, so Sundin, der also keinen akuten Anlass für den Aufruhr ausmachen kann.

Grüne Politikerin: "Vergessener Vorort"

Anders sieht das Yvonne Ruwaida, grüne Kommunalpolitikerin in Stockholm, die selbst im benachbarten Vorort Kista lebt. Ruwaida zeichnet  von Husby das Bild eines frustrierten, vernachlässigten Stadtteils: „Ich denke, viele Leute in Husby sind heute traurig, ärgerlich und auch enttäuscht über diese völlig inakzeptable Gewalt. Aber Husby ist ein vergessener Vorort, der sehr stark von sozialer Demontage betroffen ist. 38 Prozent der Jugendlichen hier haben weder Arbeit noch Ausbildungsplatz und viele soziale Einrichtungen wurden geschlossen. Arbeitsplätze haben zugemacht, eine gut funktionierende Schule wurde verlegt. Viele Leute fühlen sich machtlos und haben das Gefühl, dass sie auf die Politik – und auf ihre eigene Zukunft - keinen Einfluss haben.“

"Wir fühlen uns unsicher"

Bestätigt wird dieses düstere Bild von der Jugendorganisation Megafonen, die eigenen Angaben zufolge versucht für die Rechte der Jugendlichen in Husby einzutreten. Die Krawalle seien Ausdruck einer enormen Frustration vor allem gegenüber unprovozierter Polizeigewalt. Konkreter Anlass sei ein Polizeieinsatz in der vorigen Woche gewesen, bei dem ein 67-jähriger Bewohner in seiner Wohnung erschossen wurde, so Rami Al Kamisi, Sprecher von Megafon. Die Umstände des Todesschusses sind bislang unklar. „Wir fordern jetzt zwei Dinge“, so Rami Al Kamisi. „Erstens, dass man die Angehörigen dieses Mannes um Entschuldigung bittet und auch die Bewohner von Husby, denn wir fühlen uns seit voriger Woche noch unsicherer in unserem Vorort nachdem man gesehen hat, wozu die Polizei fähig ist. Außerdem fordern wir eine unabhängige Untersuchung dessen, was zum Tod des 67-Jährigen geführt hat. Eine Untersuchung, die nicht von der Polizei durchgeführt wird. Viele hier verstehen nicht, warum man Polizisten gegen andere Polizisten ermitteln lässt. Die Ergebnisse sind meist lächerlich.“

Luise Steinberger

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