Kluft zwischen armen und reichen Familien wächst

Im stark sozialdemokratisch geprägten Schweden war es stets Anspruch gewesen, die Unterschiede von Reich und Arm so gering wie möglich zu gestalten. Doch im Verlauf des letzten Jahrzehnts mussten dabei immer mehr Abstriche gemacht werden. Die Reichen wurden, dank guter Aktiengeschäfte, immer reicher, während die es Armen, wegen des schlankeren Sozialstaates immer schwerer haben, sich durchzusetzen. Jetzt schlägt auch der schwedische Kinderschutzbund „Rädda Barnen“ Alarm.

Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der in Armut lebenden Kinder ist zurückgegangen. Dies belegt der Bericht des Kinderschutzbundes. Doch dies darf noch lange nicht ein Grund zur Freude sein, denn gleichzeitig ist die Kluft zwischen den reichen und den armen Familien größer geworden.

Ganz besonders betroffen sind dabei Kinder von Einwanderern. Jedes Dritte von ihnen lebt in einer Familie, die von Sozialhilfe lebt oder nur ein ganz geringes Einkommen hat. Bei Kindern rein schwedischer Familien ist es nur jedes dreizehnte. Ein untragbarer Zustand, so die Generalsekretärin des Kinderschutzbundes Charlotte Petri Gornitzka: „Schweden hat die Konvention der Vereinten Nationen zum Schutz der Kinder unterzeichnet. Darin steht, dass Kindern ein angemessener Lebensstandard zusteht. Dafür muss sich die Regierung einsetzen. Wir finden, dass hier viele Kinder nicht die gleichen Möglichkeiten und Rechte auf Spiel und Freizeit und gute Erziehung wie andere Kinder haben. Deshalb verstößt Schweden gegen die Kinderkonvention.“

Einwanderer und Alleinerziehende benachteiligt

Doch nicht nur Kinder von Einwandererern haben es ungleich schwerer. Der Bericht belegt auch, dass Kinder von Alleinerziehenden in der schwedischen Gesellschaft benachteiligt werden. Hier hat die Kinderarmut zwischen 1999 und 2002 um mehr als ein Drittel zugenommen.

Gleichzeitig geht es jedoch den rein schwedischen Familien mit zwei Erwerbstätigen immer besser. Dies belegt auch die Neuerscheinung von Hochglanzzeitschriften für Mamis mit dem entsprechenden Geldbeutel. Dort gibt es Tips und lange Shoppinglisten für das verwöhnte Kind.

Regierung und Kommunen gefordert

Jetzt sind also Regierung und vor allem die Kommunen gefragt, meint der Kinderschutzbund. So liegt etwa der Anteil der in Armut lebenden Kinder in Malmö bei über 30 Prozent, im unweit gelegenen Svedala dagegen nur bei gut 5 Prozent. Die Regierung müsse sich dabei mehr im Klaren sein, welche Kosten und Abgaben auf eine Familie im Laufe des Heranwachsens der Sprösslinge zukommen. Dies wäre der erste Schritt zu einer gerechten, kinderfreundlichen Politik. Die Kommunen müssen konkrete Maßnahmen umsetzen, meint Charlotte Petri Gornitzka vom Kinderschutzbund. „Man kann etwa entscheiden, dass das Skilager der Schule nicht mehr stattfindet und gleichzeitig die Abgaben für Musikschule, Hallenbad und andere Einrichtungen senken.“

Gornitzka erklärt auch, wie sich die Verantwortlichen in Regierung und Kommunen mehr Kenntnisse über die Lebensverhältnisse von Kindern verschaffen können: Man muss einfach nur die Kinder fragen.
Dieter Weiand

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