Unehrenhafter Ehrendoktor?

Als Ministerpräsident Göran Persson am Sonnabend der Ehrendoktortitel der Universität Örebro verliehen wurde – da war die Freude auf beiden Seiten groß: Göran Persson war um einen schönen Titel reicher und die Uni hatte einen gewichtigen Würdenträger gewonnen. Nun ist die Freude getrübt, denn: Das Institut zur Verhinderung von Bestechung hat sich dieses Falles der Ehrendoktorwürde angenommen und meint, es mit Bestechung zu tun zu haben.

Vor genau sechs Jahren ernannte Ministerpräsident Göran Persson die damalige Hochschule Örebro zur Universität. Für diesen Aufstieg auf der akademischen Karriereleiter wollte sich die Uni angemessen bedanken und verlieh Persson nun in einer feierlichen Zeremonie die Ehrendoktorwürde. Zum Titel dazu bekam der Ministerpräsident einen schwarz glänzenden Doktorhut aus Professorinnenhand.

Mit der Adelung zur Uni habe Persson Mut und Voraussicht bewiesen, hieß es in der Begründung der Universität. Doch Kritiker stoßen sich nun besonders an dieser Formulierung. So sagt etwa der Vorsitzende der Konservativen, Fredrik Reinfeldt:

„Es ist schon reichlich merkwürdig, dass man jemandem mit der Ehrendoktorwürde dankt, nur weil man zur Universität ernannt wurde. Das ist ganz einfach anstößig und deshalb freut es mich auch, dass sich so viele beschwert haben. Sicher darf Göran Persson gerne Ehrendoktor werden, wenn man das nun unbedingt für nötig hält. Aber es ist doch klar, dass als Begründung nicht Perssons Einsatz für den Aufstieg zur Universität gelten darf.“

Fall für die Staatsanwaltschaft

Anstößig findet die Kungelei zwischen Ministerpräsident und Universität vor allem Claes Beyer vom Institut zur Bekämpfung von Bestechung. Mitnichten habe sich Persson um den Doktor ehrenhalber verdient gemacht. Er habe lediglich einen politischen Beschluss gefasst, mehr nicht.

„Das ist ganz klar ein Fall für die Staatsanwaltschaft”, sagt Beyer. „Sie muss entscheiden, ob gerichtlich über die unzulässige Art der Belohnung verhandelt werden soll. Das ist besonders deshalb wichtig, weil in so einem Fall noch kein Exempel statuiert wurde.“

Claes Beyer hält also eine Richtschnur für maßgeblich, damit künftig in ähnlichen Fällen schneller und vor allem eindeutig entschieden werden kann, ob es sich um Bestechung handelt oder nicht. Bestechung nämlich muss sich durchaus nicht nur um Zuwendungen finanzieller Art handeln, sondern schließt eben auch Titel oder Mitgliedschaften in exklusiven Vereinigungen mit ein, betont Beyer.

Sollte der Fall vor einem Gericht landen, sieht das Gesetz die Möglichkeiten Gefängnis oder Strafe zahlen vor. Dass es aber überhaupt so weit kommt, gilt als weitgehend ausgeschlossen. Freudige Aussicht für den Ministerpräsidenten: Den Doktorhut dürfte der in jedem Fall behalten. 

Liv Heidbüchel

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