Alkoholmonopol auf der Anklagebank

Ein Bestechungsskandal von vermutlich beachtlichem Ausmaß erschüttert das staatliche Alkohol-Verkaufsmonopol Systembolaget. Heute wurden 77 Filialleiter der Ladenkette in Stockholm angeklagt.

Das Verkaufsmonopol, das den Kunden mit saftigen Preisen den Exzess verleidet, sieht sich als Gralshüter der Volksgesundheit und somit als moralische Institution von Rang. Was jedoch im vergangenen Jahr ruchbar wurde, passt so gar nicht ins hehre Bild: So mancher Filialleiter hat offenbar gern die eine oder andere Flasche edlen Cognacs, Reiseschecks oder gar Bargeld von Lieferanten entgegengenommen. Kein Wunder: Wer einmal seinen Fuß in der Tür von Systemet hat, dem steht der schwedische Markt offen. Dass die Einkäufer heiß umbuhlt sind, ist deshalb wenig erstaunlich. Empörend hingegen sei, dass sie der Versuchung nicht hätten widerstehen können, so heute Eva Nyhult von der Staatsanwaltschaft.

“Wenn man sich als Angestellter von Systembolaget bestechen lässt, dann sollte dies meiner Meinung nach eine besonders strenge Strafe nach sich ziehen. Schließlich ist das Unternehmen Träger wichtiger gesellschaftlicher Interessen. Die angeklagten Filialleiter waren sich darüber im Klaren, dass sie falsch gehandelt und mit ihrem Verhalten die Monopolstellung von Systemet gefährdet haben.“

So weit die Staatsanwaltschaft; bislang allerdings lassen die Angeklagten nicht das rechte Schuldbewusstsein erkennen. Laut bisherigen Verhören seien sie sich der Verwerflichkeit ihres Tuns nicht bewusst gewesen, sagt Kriminalinspektor Janne Lehtinen: “Nach ihrer Darstellung ist es in der Branche gang und gäbe, dass man kostenlose Warenproben bekommt. Einige haben auch gesagt: ich hab die Proben ja nicht selbst verbraucht, ich hab sie auf einer Weinprobe verwendet, und so weiter.“

Drei Lieferanten, Vinträdgård, Philipson & Söderberg sowie Åkeson, sollen Filialleiter im ganzen Land mit Aufmerksamkeiten versorgt und somit das eigene Sortiment gepusht haben. Auch von ihnen stehen jetzt 15 Mitarbeiter vor Gericht. Die Voruntersuchung umfasst stattliche 5300 Seiten; es geht um Bestechungsgelder und –gaben im Wert von umgerechnet 120.000 Euro. Aufgeschlüsselt auf die einzelnen Filialleiter sind die entgegengenommenen Gaben freilich vergleichsweise bescheiden; bei der Hälfte der Angeklagten handelt es sich um weniger als 1000 Euro. Eva Nyhult  von der Staatsanwaltschaft ist dennoch überzeugt, dass es richtig ist, sämtliche Verdächtige anzuklagen und somit einen Riesen-Prozess in Gang zu bringen.

“Ich denke, der positive Effekt dabei ist, dass auch in anderen Bereichen klar wird, wie wir uns gegenüber Bestechung zu verhalten haben.“, meint sie. Ähnliche Entgleisungen könnten somit in der Zukunft verhindert werden.   

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".