Erhitzte Debatte um Vogelvirus

Wie groß ist die Bedrohung eines weltweiten Ausbruches der Vogelgrippe? Kaum ein Experte, der darauf eine exakte Antwort weiß. In Schweden macht man sich dennoch, wie in anderen Ländern Gedanken darüber, wie man in einem solchen Falle zu handeln habe. Jetzt hat die verantwortliche Behörde einen Aktionsplan vorgelegt, der bereits vor seinem Erscheinen umstritten war.

Die Szenarien sind furchterregend. Sollte der Vogelgrippevirus mutieren und tatsächlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden, könnte das Millionen Menschen auf der ganzen Welt das Leben kosten.

Das Zentralamt für Gesundheits- und Sozialwesen schlägt nun vor, dass Schweden ein Bereitschaftslager für Medikamente gegen den Vogelvirus anlegt – wenn auch in abgespeckter Form. 500.000 Einheiten sind angedacht. Das würde jedoch nicht für alle gut neun Millionen Bewohner des Landes reichen. Das wäre auch nicht machbar, sagt der Leiter der Seuchenschutzbehörde Ragnar Norrby: „Es ist einfach nicht möglich genügend Medizin für alle zu beschaffen. Die Medikamente müssen als eine Art Puffer verwendet werden, um die wichtigsten Funktionen in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten.“

Ärzte bunkern Medizin

Eine Debatte darüber, wer denn Zugriff auf eine hemmende Medizin haben könnte, ist bereits entbrannt. Geschürt von der Meldung, dass viele Ärzte schon persönliche Lager gebunkert haben. Dies bestätigt der gesundheitspolitische Ratgeber der Regierung, Hans Wigzell: „Das werde auch ich machen, wenn die neuen Vorschriften nicht sinnvoll sind. Das heißt wenn es nicht große Lager wie etwa in Kanada oder Norwegen gibt. Meine Erfahrung ist, dass wenn Panik aufkommt und man nicht vorbereitet ist, dann kann alles aus dem Ruder laufen.“

Wigzell möchte, dass genügend Medizinvorräte für alle Bürger angeschafft werden. Dies halten viele Experten nicht nur allein aus Kostengründen für unmöglich. Denn schließlich kann niemand genau sagen, ob die Vogelgrippe tatsächlich zu einer Pandemie, also zu einer weltweit ausufernden Seuche wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat jedoch alle Länder aufgerufen, Maßnahmen für den Fall der Fälle zu treffen. Doch garantiert wirkende Medikamente gibt es nicht. Auch darf nicht ausgeschlossen werden, dass der Virus nach einer gewissen Zeit gegen das Medikament immun wird.

Wirksam sind allein Schutzimpfungen. Ein Impfstoff kann jedoch erst entwickelt werden, wenn die Krankheit ausgebrochen ist. Das Horten von Medikamenten jedenfalls sehen die meisten Experten als eine ziemlich sinnlose Maßnahme an.
Dieter Weiand

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