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Gesundheitsversorgung in der Krise

Notstand auf den Entbindungsstationen

Publicerat torsdag 25 juli 2013 kl 13.09
"Ehrlich gesagt: es ist zum Kotzen"
(4:19 min)
Auf dem Weg zur Entbindung gilt es oft, einige Hürden zu nehmen

An schwedischen Geburtenkliniken ist in Teilen des Landes der Notstand ausgerufen worden. Vor allem in den Großstädten können Schwangere nicht sicher sein, in einer nahegelegenen Klinik entbinden zu können. Ausgerechnet im Stressmoment, wenn die Wehen einsetzen, ist oft kein Platz frei: Viele Frauen werden zu einer Entbindungsstation in einer anderen Provinz geschickt.

Für manche kommt das Kind dann unterwegs im Taxi oder zu Hause auf dem Küchenfußboden zur Welt – wie im Falle von Johanna Stjernqvist aus dem südschwedischen Skåne.

Die junge Mutter berichtet im Schwedischen Rundfunk von den dramatischen Umständen der Geburt ihres jüngsten Sohnes. Mitten in der Nacht gegen vier Uhr setzten die Wehen ein, kamen in immer kürzeren Abständen. Johanna Stjernqvist und ihr Mann Christian, die bereits Eltern von zwei Kindern sind, wussten genau: jetzt ist es Zeit. Ein Anruf im nächstgelegenen Krankenhaus Ystad ließ die Hoffnung auf schnelle Hilfe jedoch sinken, denn auf der Entbindungsstation waren alle Plätze bereits belegt. Man solle sich in das weiter entfernte Lund begeben, oder gleich nach Malmö fahren. Für die jungen Eltern blieb dafür aber keine Zeit mehr: Johanna gebar ihren Sohn ohne Betreuung einer Hebamme auf dem Küchenfußboden.

Dramatische Umstände nicht nur wegen Sommerferien

Auf den schwedischen Entbindungsstationen greift schon seit längerer Zeit ein gravierender Mangel an Hebammen um sich. Radio Schweden berichtete zum Jahresbeginn über Hebammen, die gegen die extrem angespannte Arbeitssituation protestierten. Die dramatischen Umstände der Geburt des kleinen Stjernqvist-Jungen sind also nicht vorrangig den Sommerferien geschuldet, während denen regelmäßig große Teile der Gesundheitsversorgung in Schweden in Folge des verschärften Personalmangels mehr oder weniger zusammenbrechen.

Trotz der viel beachteten Hebammenproteste scheint die Lage in der Hauptstadt Stockholm sich weiter zu verschlechtern. Bis zum Sommerbeginn mussten laut einem Bericht der Zeitung Dagens Nyheter doppelt so viele Frauen die Region Stockholm verlassen und Geburtenkliniken in angrenzenden Provinzen aufsuchen – und dies, nachdem die Wehen bereits eingesetzt hatten und die Zeit für längere Fahrten begrenzt war. Hinzu kommt die verbreitete Strategie der Krankenhäuser, die Frauen telefonisch davon zu überzeugen, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben. Die vorhandenen Geburtenplätze sollen so möglichst lange freigehalten werden. Die ersten Phasen der Entbindung finden daher in der Regel ohne Anwesenheit einer Hebamme statt.

Patientinnen in Gefahr

Hebammen warnen vor solchen Stressfaktoren. Die Unruhe bei den Patientinnen steigt, was dazu führt, dass mehr Schmerzmittel benötigt werden. Während der Entbindung werden die Frauen über weite Strecken allein gelassen, denn die Hebammen müssen in der Regel zwei bis drei Geburten gleichzeitig betreuen.

„Es ist eine Katastrophe. Wir rennen hier wie die Wahnsinnigen über die Korridore“, sagt Hebamme Susanne Sandberg vom Universitätsklinikum in Malmö. „Es können Situationen entstehen, in denen die Mütter und ihre Neugeborenen keine adäquate Betreuung erhalten. Man muss auch bedenken, dass in Notsituationen, etwa bei akuten Blutungen, mehrere Hebammen, oftmals drei bis vier, gleichzeitig benötigt werden.“

Notstand in Skåne

In der südlichen Region Skåne, zu der auch Malmö gehört, ist jetzt der Notstand ausgerufen worden. Eine Krisenbereitschaft wurde eingerichtet, um die Frauen bei ihrer Suche nach einer freien Entbindungsstationen zu unterstützen. Auch ins nahegelegene Dänemark werden die hochschwangeren Frauen inzwischen geschickt. Zudem sind Hebammen aus dem Sommerurlaub zurückbeordert worden, und das vorhandene Personal muss Extraschichten schieben. Für ihren Einsatz erhalten viele das Doppelte ihres üblichen Gehalts.

Laut dem Leiter der Malmöer Klinik, Andreas Herbst, sei es schwierig gewesen, Aushilfekräfte für die Sommermonate zu rekrutieren. Es handle sich seitens der Klinik also nicht um ein Problem zu geringer Gehälter, so Herbst: „Als wir erkannt hatten, wie die Situation aussieht, so stand der Personaleinstellung keine finanzielle Hürde im Weg. Vielmehr handelt es sich um die Schwierigkeit Hebammen zu finden, die arbeiten können und wollen.“

Die Stjernqvists aus Ystad sind bei der dramatischen Geburt ihres Sohnes noch einmal mit dem Schrecken davongekommen: Der kleine Junge ist gesund und die Mutter wohlauf. [stjernqvist 2] „Es hätte wirklich schlimm ausgehen können“, sagt Vater Christian. „Wir hatten noch Mal Glück. Aber es ist einfach furchtbar, dass einem im Jahr 2013 die Aufnahme in ein Krankenhaus verweigert wird. Ehrlich gesagt, ich finde es ganz einfach zum Kotzen.“

Hansjörg Kissel / SR Ekot

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