Will nun auch raus aus der Klinik: Thomas Quick, nunmehr Sture Bergwall (Foto: Yvonne Åsell/Scanpix)
Justizskandal

"Schlimmster Massenmörder" unschuldig

Der Fall Quick: Hintergründe (22.08.2012)
7:32 min

Einer der größten Justizskandale in der schwedischen Geschichte, der Fall des vermeintlichen Massenmörders Thomas Quick, hat am Mittwoch seinen vorläufigen Abschluss gefunden. Demnach kann Quick, der sich inzwischen Sture Bergwall nennt, kein Mord angelastet werden.

Die Beweise im letzten der Revision unterzogenen Mordfall, dem des 1976 in Nordschweden verschwundenen Charles Zelmanovitsch, reichen laut der Staatsanwaltschaft nicht aus. Damit wird Bergwall in der Praxis in sämtlichen acht Mordfällen freigesprochen, für die er zuvor verurteilt worden war. Formal steht jetzt nur noch der Freispruch durch das Amtsgericht aus.

Der heute 63-jährige Bergwall befindet sich seit 1991 in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik. Er hatte in Polizeiverhören die Schuld für insgesamt 20 Morde auf sich genommen und war für acht davon verurteilt worden. Gerichtspsychiatrie, Polizei und Staatsanwaltschaft hatten seine Geständnisse trotz zum Teil offenkundiger Ungereimtheiten bereitwillig akzeptiert. 2008 zog Bergwall seine Aussagen aber zurück und erwirkte anschließend die Wiederaufnahme sämtlicher Verfahren.

Justizministerin: Unabhängige Untersuchung im Herbst

Im Schwedischen Fernsehen sprach Bergwall am Mittwoch von einem "Tag der Freude". Die Verantwortung für das Geschehene liege bei ihm selbst, bei der Gerichtspsychiatrie und beim Rechtswesen. Nun strebe er die Entlassung aus der Klinik an.

Die Tatsache, dass Bergwall der Morde für nicht schuldig befunden worden sei, bedeute jedoch nicht, dass er die Klinik verlassen dürfe, sagte Generalstaatsanwalt Anders Perklev. Diese Entscheidung obliege den Ärzten. Den Fall Quick/Bergwall bezeichnete der Generalstaatsanwalt als ein "großes Versagen des schwedischen Rechtswesens". Man werde eventuellen strukturellen Fehlern in den Ermittlungen nachgehen. Justizministerin Beatrice Ask kündigte den "schnellstmöglichen" Einsatz einer unabhängigen Untersuchungskommission an. Unter der Voraussetzung, dass das juristische Verfahren formal abgeschlossen sei, könne eine solche Kommission die Arbeit schon im Herbst aufnehmen.

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