Justizkanzler Göran Lambertz sieht keinen Justizskandal um Thomas Quick (Foto: Scanpix, Montage: Sveriges Radio)
Justizskandal

Hitzige Diskussionen um den Fall Quick

Der Justizskandal um Thomas Quick sorgt weiter für Diskussionen.

So hält Göran Lambertz, früherer Justizkanzler und heute Richter am Obersten Gericht, an der Auffassung fest, das schwedische Rechtswesen habe bei den Verurteilungen des einst als "schlimmster schwedischer Massenmörder aller Zeiten" geziehenen Quick keine entscheidenden Fehler begangen.

Quick, der sich inzwischen Sture Bergwall nennt und in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht ist, war am Mittwoch im Prinzip von sämtlichen Mordvorwürfen freigesprochen worden. Für den letzten der insgesamt acht Fälle, für die er nach entsprechenden Geständnissen verurteilt worden war und gegen die er anschließend Revision eingelegt hatte, räumte die Staatsanwaltschaft einen Mangel an Beweisen ein. Generalstaatsanwalt Anders Perklev sprach am Mittwoch von einem "Versagen des schwedischen Rechtswesens". Justizministerin Beatrice Ask kündigte den Einsatz einer Untersuchungskommission an.

Göran Lambertz sagte im Schwedischen Rundfunk am Donnerstag, die Staatsanwaltschaft habe in den Revisionsverfahren "schlechte Arbeit" geleistet. Die ursprünglichen Verurteilungen Quicks/Bergwalls hätten sich keinesfalls, wie vielfach behauptet, vor allem auf dessen Mordgeständnisse gestützt. Bezüglich der Tatumstände habe Quick ganz offenbar Detailkenntnisse gehabt, die niemand anders als der Täter habe kennen können.

Kritik richtete sich auch gegen die schwedische Gerichtspsychiatrie. 2008 hatte Bergwall erklärt, die Therapie in der Psychiatrie habe ihn dazu gebracht, Taten fälschlicherweise zu gestehen. Sten Levander, emeritierter Professor für allgemeine Psychiatrie und Gerichtspsychiatrie, sprach im Schwedischen Fernsehen von einem "Systemfehler im schwedischen Rechtssystem". Es gebe "keine vernünftige Koordination" zwischen Rechtswesen und Psychiatrie, die generell eine schwache Position habe. Sture Bergwall strebt nach dem Bescheid vom Mittwoch eine Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie an.

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