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(Foto: Sybille Neveling / Radio Schweden)
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Bei einem Viertel ihrer Einsätze brauchen die Feuerwehrleute keine Brandschutzbekleidung sondern lebensrettende Geräte (Foto: Sybille Neveling / Radio Schweden)
Multitasking beim Rettungsdienst

Kleine Gemeinden denken um

Freiwillige vor!
3:16 min

Schwedens dünnbesiedelte Gebiete kämpfen zunehmend mit ihrer Bereitschaft für Rettungseinsätze. Oft reicht die Zahl der Einwohner und damit der Steuereinnahmen nicht, um alle notwendigen Funktionen betreiben. Die Gemeinden besinnen sich auf in Schweden fast vergessene Rezepte wie Freiwillige im Rettungsdienst und Aufgabenvielfalt. 

„Der Alarm kommt, und dann piept‘s im Suchgerät“, stellt Feuerwehrmann Karl-Erik Kivistö lakonisch fest. In seiner Gemeinde Lilla Edet rückt er seit einem Jahr auch aus, wenn ein Krankenwagen des zivilen Rettungsdienstes zu weit vom Einsatzort entfernt ist, um in 20 Minuten am Platz zu sein. In solchen medizinischen Notfällen übernimmt Kivistö zunächst die Aufgaben des qualifizierten Rettungsfachpersonals, erläutert er im Schwedischen Rundfunk. „Wir sind ja sowieso im Ort, und wir haben Bereitschaft. Wir können helfen und ich finde, dass das eigentlich eine gute Aufgabe für uns ist.“

Feuerwehrleute als medizinisches Personal

In der Gemeinde an der schwedischen Westküste besteht ein Viertel aller Feuerwehreinsätze aus Fahrten, die früher in den Bereich des medizinischen Rettungsdienstes fielen.

Lilla Edet verlässt sich nicht länger darauf, dass ein Krankenwagen stets rechtzeitig am Einsatzort sein kann. Statt dessen investieren die Gemeindeväter in lebensrettende Ausrüstung wie Sauerstoffgeräte und Schockgeber bei Herzstillstand. Diese Geräte sollen zur Verfügung stehen, bevor der Rettungswagen kommt.

Strukturschwache Gebiete

Wie Lilla Edet denken viele Gemeinden nun um. Die Bevölkerung Schwedens wächst zwar insgesamt, aber die Hälfte aller Gemeinden des Landes verliert Einwohner. Die Jungen ziehen weg – es bleiben die Älteren. Rettungseinsätze jedoch müssen wie eh und je funktionieren, wenn Menschen Unfälle erleiden oder plötzlich krank werden. In der Gemeinde Öckerö rückt die Feuerwehr aus, wenn Senioren auf den Alarmknopf drücken, um den Pflegedienst zu erreichen. In Skara hat der Krankendienst in diesem Jahr die Sanitäter der Streitkräfte als Krankenwagenpersonal in Dienst genommen. 

Bo Andersson von der der schwedischen Katastrophenschutzbehörde ist Experte für Einsätze bei Feuer und Unfällen. Er deutet an, dass auch das fast vergessene Prinzip freiwilliger Einsätze in kleinen Gemeinden wieder hervorgekramt werden kann: „Wir haben ja recht klare Grenzziehungen zwischen den einzelnen Berufsgruppen. Wer beim Rettungsdienst arbeitet macht, was man dort tun muss, und ein Hausmeister macht das, was zu diesem Beruf gehört – und nichts anderes. Aber es kann sinnvoll sein, mehr zu tun: Man kann auch gleichzeitig Feuerwehrmann und Hausmeister sein.“

Können die das überhaupt?

„Ich finde das eigentlich in Ordnung. Wenn es ein Notfall ist, bekommt man ja schneller Hilfe“, überlegt Perka Marjanovic in Lilla Edet.

Aber nicht alle Einwohner finden es gut, wenn die Feuerwehr ausrückt bevor der Krankenwagen kommt. „Das ist völlig absurd“, urteilt Britt Lamotte. „Es müssen doch Menschen kommen, die etwas von Krankenpflege verstehen, und nicht die Feuerwehr! Auch wenn die vielleicht für Erste Hilfe ausgebildet ist. Wissen die, was zu tun ist, wenn man mit einem aufgebrochenen Magengeschwür oder sowas da liegt? Können die so was?“

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