Eine von von 30 stillgelegten Schulen
John Bauer Konzern

Handlungsbedarf nach Schulkonkurs

3:26 min

Der Konkurs des Schulkonzerns John Bauer soll Folgen haben, verspricht Bildungsminister Björklund und stellt Gesetzesänderungen in Aussicht. Oppositionspolitiker sprechen von einer Pleite des Systems.

„Man traut seinen Ohren kaum“, tadelt der Sozialdemokrat Ibrahim Baylan. „Wir haben ein Schulsystem, dass die Ausbildung der Schüler finanziert. Wir garantieren die Gehälter der Lehrer mit Steuermitteln, und trotzdem fehlen dem John Bauer Konzern mehr als 100 Millionen Euro! Und all das für nur 10 000 Schüler. Das ist unglaublich“!

Das Unternehmen John Bauer Gymnasiet ist zwar nach einem Vertreter der Romantik in der schwedischen Malerei benannt, aber die Arbeitsweise der Firma ist alles andere als verträumt. Der Konzern wurde mit Risikokapital aufgebaut und gründete eine Schule nach der anderen, um so viele Schüler der geburtenstarken Jahrgänge für sich zu gewinnen.

Für jeden Schüler zahlt die zuständige Gemeinde der Lehranstalt ein entsprechendes Schulgeld. Aber mit den geburtenschwächeren Jahrgängen kamen die Probleme. Die ersten Schulen wurden geschlossen, und im Juli teilte das Unternehmen mit, gut 30 Gymnasien und Grundschulen würden stillgelegt. Über 10.000 Schüler sind betroffen.

Mehrere Parteien beteiligt

Seit den 1990er Jahren ist das schwedische Bildungswesens liberalisiert und der Aufbau privater Schulen von verschiedenen Parteien unterstützt worden. Heute verfügt das Land über eins der liberalsten Schulsysteme der EU. Immer wieder müssen Mängel behoben werden.

Die schwedischen Grünen fordern jetzt ein Eingreifen der Regierung. Allerdings muss ihr Sprecher, Gustav Fridolin, zugeben, dass seine Partei die Privatisierungsbestrebungen der bürgerlichen Regierung seinerzeit unterstützt hatte. „Alle Parteien waren naiv, als diese Regeln vor fast 20 Jahren eingeführt wurden. Wir verstanden nicht, was sich daraus entwickeln würde“, entschuldigt sich Fridolin.

Änderungen im Schulgesetz

Bildungsminister Jan Björklund ist im Zugzwang. Im Schwedischen Fernsehen stellt er Gesetzesänderungen in Aussicht. Die meisten Risikounternehmen wie der John Bauer-Konzern seien ohnehin als Betreiber von Schulen ungeeignet.

„Das hier ist ein typisches Beispiel dafür, wie es nicht laufen darf“, sagt Björklund. „Schulen zu betreiben ist keine kurzfristige Tätigkeit! Deshalb planen wir noch in diesem Jahr umfassende Veränderungen des Schulgesetzes.“

Ausbildungsgarantie

In Zukunft solle nicht nur geprüft werden, ob ein Unternehmen, das eine Schule eröffnen will, auch die richtigen Lehrer hat. Die Schulaufsichtsbehörde soll auch prüfen, ob das Unternehmen seriös ist und sich langfristig engagieren will.

„Die zweite große Veränderung, die wir durchführen wollen, ist eine Ausbildungsgarantie“, kündigt der Bildungsminister weiter an. „Ein Schüler, der eine bestimmte Ausbildung auf der Oberstufe beginnt, soll auch das Recht haben, sie zu beenden – auch wenn die Schule stillgelegt wird.“

Keine Gewinne im Schulbetrieb

Für die Sozialdemokraten und Grüne reichen die angekündigten Maßnahmen der Regierung nicht.

„Es darf nicht erlaubt sein, Schulen zu betreiben um damit Geld zu verdienen“, betont Grünensprecher Gustav Fridolin. „An diesem Punkt funktioniert unser System offenbar nicht!“

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