Außenminister Carl Bildt freut sich schon - ein US-Präsident in Schweden ist ein persönlicher Erfolg für seine Tätigkeit. Foto: Scanpix/Montage: Sveriges Radio
Obama-Visite im September

Besuch ohne Gesprächsstoff

4:25 min

Die Nachricht vom Besuch des amerikanischen Präsidenten Anfang September löste in Schweden Freude aus. Statt sich in Russland mit Präsident Putin zu streiten, fährt Barak Obama nach Schweden, wo ihn eitel Einigkeit in den meisten politischen Fragen erwartet.

„Das ist der erste wirklich bilaterale Besuch eines amerikanischen Präsidenten in Schweden in der Geschichte“, frohlockte ein hörbar zufriedener Außenminister. Zwar sei 2001 Obamas Vorgänger Bush im Lande gewesen, jedoch nur als Besucher eines EU-Gipfels, erläuterte Carl Bildt, und: „Wir haben häufiger Besuch von amerikanischen Außenministern. Erst kürzlich war John Kerry in Stockholm. Aber eine Präsidentenvisite ist doch von ganz anderem Gewicht“, so Bildt. Die Vorbereitungen nicht zuletzt zur Gewährleistung der Sicherheit, seien bereits angelaufen.

Friede, Freude

Zwei Tage Visite – und das, obwohl es eigentlich mit Schweden gar nichts zu besprechen gibt, darüber sind sich die Beobachter einig. Das Verhältnis zwischen den USA und dem kleinen Königreich in Nordeuropa sei so entspannt wie kaum jemals zuvor. Der Besuch wird als eine Art Belohnung für die guten Relationen gewertet, sozusagen als Quittung hierfür. Das meint etwa Jan Joel Andersson vom staatlich finanzierten Außenpolitischen Institut in Stockholm.

Stellvertreter für Europa

Charles Kupchan vom Thinktank Council on Foreign Relations in Washington DC meint ebenfalls, dass Obama wohl keine typisch schwedischen Themen zu besprechen habe. Das weiße Haus habe plötzlich zwei Tage Programm zu füllen gehabt, und die Wahl sei auf Schweden als einen Stellvertreter für ganz Europa gefallen. Einen freundlich gesonnenen Stellvertreter wohl gemerkt, denn bei den meisten Themen, die zwischen den USA und der EU derzeit auf dem Tapet sind, vertritt Schweden eine amerikafreundliche Linie – dem Freihandelsabkommen beispielsweise, das derzeit verhandelt wird, sowie diversen Militäreinsätzen im Ausland und in der Entwicklungshilfe.  

Besinnung auf alte Freunde

Schweden also als Stellvertreter für Europa, so der amerikanische Experte, wobei Europa den Amerikanern zunehmend wichtig werde; in dem Maße nämlich, in dem die enthusiastisch aufgenommenen Verbindungen mit neuen, aufstrebenden Partnern wie eben Russland oder auch China ins Stocken geraten: „Man hat gemerkt, wie schwierig es ist, mit diesen Ländern solide Zusammenarbeit aufzubauen, und daher denke ich, die US-Regierung befindet sich in einer Phase der Rückbesinnung auf ihre etablierten Partner im alten Europa.“

Keine NSA-Kritik aus Schweden

Dass der von Edward Snowden ausgelöste Internet-Abhörskandal, der in anderen europäischen Ländern zu hitzigen Debatten und viel Kritik an den USA geführt hat, an der schwedischen Öffentlichkeit nahezu unbemerkt vorbeigezogen ist und von politischer Seite kaum Reaktion geerntet hat, hat wohl ebenfalls zur Wahl von Obamas Reiseziel beigetragen, ebenso wie die Tatsache, dass Schweden sich nicht scheut, Russland in verschiedenen Fragen freimütig zu kritisieren. So kommentierte beispielsweise Außenminister Bildt erst vor wenigen Tagen das auch von Obama ins Visier genommene russische Gesetz gegen so genannte „homosexuelle Propaganda“. Dennoch, so glaubt der schwedische Russland-Experte und Journalist Stig Fredriksson, wird der Abstecher des amerikanischen Präsidenten nach Stockholm die schwedisch-russischen Beziehungen wohl kaum beeinträchtigen. „Dass Russland Schweden dafür bestraft, dass Obama nach Schweden zu Besuch kommt, glaube ich doch kaum. Ich denke, Präsident Putin kann zwischen wichtigem und unwichtigem unterscheiden.“

Luise Steinberger

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista