(Foto: Malin Hoelstad/Scanpix)

Keine Aufenthaltsgenehmigung für apathische Kinder

Asylsuchende Familien, deren Kinder während der Wartezeit in Schweden apathisch geworden sind, sollen nicht automatisch Aufenthaltsgenehmigungen erhalten. Dies hat heute der Sozialausschuss des schwedischen Parlaments entschieden.

Fünf Parteien waren für unbefristete Aufenthaltsgenehmigungen für Familien mit apathischen Kindern. Aber die beiden Größten, Sozialdemokraten und Konservative, stimmten gegen den Vorschlag.

Anne-Marie Ekström von den Liberalen ist enttäuscht: ”Das hätte nun wirklich nicht viel gekostet!“

Teilnahmslose Kinder
Insgesamt handelt es sich um 130 bis 150 asylsuchende Familien, deren Kinder während der Bearbeitungszeit der Anträge apathisch geworden sind. Die meisten von ihnen stammen aus der früheren Sowjetunion und dem früheren Jugoslawien. Diese Kinder haben sich von ihrer Umwelt abgeschottet, sind nicht ansprechbar und  spielen nicht. Manche müssen im Krankenhaus betreut und sogar künstlich ernährt werden. Die meisten der betroffenen Familien erhalten keine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung, zeigt die Statistik.

Anfang Februar beschlossen mehrere Parlamentsparteien – aus dem bürgerlichen wie aus dem linken Flügel -  auf eine Änderung hinzuarbeiten und eine Entscheidung im Sozialausschuss herbeizuführen. Die beschriebene Apathie bei Kindern von Asylbewerbern ist nur in Schweden dokumentiert. Und noch rätseln Psychologen, Kinderärzte und Sachbearbeiter über die Gründe der Erkrankung.

Im September hatte die Regierung eine Koordinatorin für vorbeugende Maßnahmen gegen Kinderapathie berufen: Marie Hessle ist Leiterin der Flüchtlingsabteilung der Kinderpsychiatrie in Stockholm. Aber die wissenschaftliche Untersuchung beansprucht viel Zeit, und so entschlossen sich fünf Parteien zum politischen Weg.

Der aber führte heute ins Leere. Die Konservativen befürchten nämlich, dass die Garantie einer Aufenthaltsgenehmigung für apathische Kinder dazu führen könnte, dass noch mehr Kinder erkranken, erklärt der konservative Parlamentarier Per Westerberg:  „Wir haben die allergrößte Sympathie für die Kinder und ihre Situation. Und eine Aufenthaltsgenehmigung könnte vielleicht in Einzelfällen eine Lösung sein. Aber wir fürchten, dass durch so eine Maßnahme noch mehr Menschen während der Bearbeitung ihrer Asylanträge kaputt gemacht werden, vielleicht noch mehr Kinder krank werden.“

Konservative und Sozialdemokraten einmütig
Ausnahmsweise waren sich Konservative und Sozialdemokraten bei diesem komplexen Problem einmal einig. Und die vom Ausschuss hinzugezogenen Experten scheinen die sozialdemokratisch-konservative Linie zu unterstützen: Das bestätigt Göte Wahlström, sozialdemokratischer Vertreter im Sozialausschuss: „Es steht zu befürchten, dass durch eine solche Entscheidung die Situation verschlimmern würde, sagen die Experten.“

Passive Eltern
Der Grundgedanke dabei ist, dass die Asyl suchenden Eltern durch die lange Bearbeitung ihrer Anträge in Schweden, durch die Ungewissheit ihrer Lebenslage und den Aufenthalt in Heimen, in denen ihnen jede Verantwortung und Initiative abgenommen werden, selbst so passiv werden, dass sie nicht mehr die Energie aufbringen sich um ihre Kinder zu kümmern und diese dann buchstäblich verkümmern.

Anne-Marie Ekström von den Liberalen glaubt dennoch nicht, dass immer mehr Kinder apathisch würden wenn Schweden Aufenthaltsgenehmigungen großzügiger erteilte: „Da besteht kein Risiko glaube ich. Hier ist ja die Rede von einer lebensbedrohlichen Krankheit. Und die kann man nicht simulieren.“  

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