Jan Björklund stört die Attitüde zu Industriejobbs
Untersuchung soll Voraussetzungen prüfen

Björklund will Berufsausbildung vereinheitlichen und subventionieren

80 Prozent vom Staat
3:32 min

Die Berufsausbildung in Schweden muss sowohl für Schüler als auch für Arbeitgeber attraktiver werden. Bildungsminister Jan Björklund will einen neuen Anlauf nehmen und den Bildungsweg vereinheitlichen. Er hat eine Kommission beauftragt, die Umstände zu prüfen. Damit kommt der liberale Minister den Forderungen von Gewerkschaften und Arbeitgebern entgegen. Gleichzeitig möchte Björklund, dass der Staat vom zweiten Jahr an die Kosten für die praktische Berufsausbildung zu 80 Prozent übernimmt.

Während die Industrie händeringend nach neuen Arbeitskräften sucht, zeigen die Jugendlichen den Fach- und Berufsgymnasien zur Berufsausbildung die kalte Schulter. Angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von 25 Prozent keine guten Aussichten. Doch die 2011 eingeführte Reform hat kaum zu neuen Fachkräften geführt. Die Berufsausbildungen wurden von den Schülern gemieden, da der Abschluss dort nicht zu einer Hochschulausbildung berechtigt.

Jetzt will die Regierung dies korrigieren, die Berufsausbildungen sollen mit den mehr theoretischen Ausbildungen zusammengeführt werden und der Abschluss zum Studium, das in Schweden häufig Voraussetzung für die meisten Berufszweige ist, berechtigen. Eine Kommission soll jetzt die Voraussetzungen dafür prüfen.

Der Vorsitzende des Industrieverbandes der Technikunternehmen, Åke Svensson, begrüßt das Vorhaben: „Ich hoffe, dass das Interesse für diese Ausbildungen zunimmt. Ich bin zuversichtlich, dass man einsieht, dass es in der Industrie spannende Arbeitsplätze gibt. Ich finde es gut, dass man sich erst später entscheiden muss, ob man sich mehr theoretisch oder mehr praktisch ausbilden will.“

Wichtige praktische Ausbildung

Gleichzeitig betont Svensson, dass die praktische Ausbildung sehr wichtig sei. Die Industrie brauche hier gute Mitarbeiter und nicht jeder könne Akademiker werden.

Erneut wird also der Kurs geändert. Regierung und Arbeitgebervertreter sind sich bewusst, dass es in einer Übergangsphase erst einmal weniger interessierte Schüler geben wird. Die Untersuchung soll bis 2014 abgeschlossen sein. Dann muss der Reichstag ein entsprechendes Gesetz verabschieden. Björklund rechnet damit, dass die Umsetzung in die Praxis dann 2015 folgen kann.

Schweden immer noch Industrienation

Von zentraler Bedeutung ist für den Bildungsminister jedoch, dass sich die Einstellung der gesamten Gesellschaft gegenüber Industriejobs ändere: „Meine Erfahrung als Politiker hat gezeigt, dass sich eine Auffassung breit gemacht hat, Schweden sei nicht länger eine Industrienation. Das war verheerend. Man hat geglaubt, wir waren mal im 20. Jahrhundert eine Industrienation gewesen aber in der Zukunft leben wir von etwas anderem. Das stimmt jedoch nicht. Wir sind immer noch eine große Industiernation. Auch wenn die Industrie jetzt anders aussieht. Die Arbeitsplätze sind nicht mehr schmutzig. Diese Einstellung hat sich auf die Berufswahl der jungen Leute ausgewirkt. Schweden ist und bleibt aber eine Industrienation. Deshalb engagieren wir uns jetzt noch mehr.“

Björklund plant deshalb darüber hinaus, dass bei den praktischen Berufsausbildungen der Staat ab dem zweiten Ausbildungsjahr 80 Prozent der Ausbildungskosten übernimmt. Dies mache Sinn, erklärt er dem Schwedischen Fernsehen: „Es ist doch besser einen Job für die Jugendlichen zu subventionieren als ihnen Stütze zu bezahlen weil sie nicht arbeiten.“

Bald werden sich die Regierungsparteien zusammensetzen, um über den Haushalt zu beraten. Dann wird sich zeigen, wie viel Geld die bürgerliche Minderheitsregierung in die Hand nehmen wird, um Björklunds Pläne in die Tat umzusetzen.

Dieter Weiand

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