Todesschüsse im Vorort Husby

Polizisten genossen Sonderbehandlung

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Bei der Stockholmer Polizei gibt es starke interne Kritik wegen der Erschießung eines 69-Jährigen Mannes durch die Polizei. Während die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Beamten eingestellt hat, stellt ein Kollege, der bei dem Einsatz dabei gewesen war, unbequeme Fragen in der Öffentlichkeit. Der Vorfall Mitte Mai wurde von den Aufrührern der Vorortkrawalle in Stockholm als eine der Ursachen für die Ausschreitungen genannt.

Die Polizei sei Freund und Helfer und zum Schutze der Bevölkerung da, schreibt der Polizist Martin Marmgren in seinem Internet-Blogg. In dem Fall in Husby sei das Gegenteil der Fall gewesen. Marmgren war mit dabei gewesen, als die Polizei im Stockholmer Vorort einen Mann in einer Wohnung erschossen hatte. Die Ermittlungen wurden eingestellt, da Notwehr vorgelegen habe. Marmgren behauptet jedoch, die Situation war eigentlich unter Kontrolle, auch wenn der Mann mit einem Messer bewaffnet gewesen war.

Dass sich ein Polizist öffentlich über interne Angelegenheiten äußert, ist ungewöhnlich. Dessen ist sich auch Marmgren bewusst. Er rechtfertigt jedoch gegenüber dem Schwedischen Fernsehen seinen Schritt an die Öffentlichkeit: "Die Polizei muss offen sein, und wir müssen daraus Lehren ziehen. Wenn ein Mensch stirbt, ist etwas schief gelaufen“, so Marmgren.

Beamte vorher in Besprechung

Seine Kritik richtet sich hauptsächlich gegen das Agieren nach den tödlichen Schüssen. Offenbar wurden die Beamten erst zu einer abschließenden Einsatzauswertung gerufen – noch bevor sie zu den Vorfällen befragt wurden. Dies könne nicht angehen, so Marmgren.

„Wenn Personen in einer Einsatzauswertung über den Vorfall reden, wird es danach schwer zu entscheiden, was die eigene Erinnerung ist, oder ob man seine eigene Erinnerung unbewusst gesäubert hat. Es ist dann viel schwieriger zu ermitteln, wie jeder Einzelne das Geschehene erlebt hat.“

Auch der Polizeiforscher Rolf Granér von der Hochschule Växjö findet das Vorgehen merkwürdig. Das entspreche nicht einem normalen Ermittlungsverfahren.

„Das ist die bewusste Abweichung von der normalen Prozedur. Man kann hier schon von einer Sonderbehandlung reden. Das würde sonst nicht vorkommen.“

Schlecht geregelt

Der Blog des Polizisten Marmgren dokumentiere darüber hinaus eine große Verunsicherung innerhalb der Polizei, wie man damit umgehen muss, wenn Beamte Zivilisten erschießen. Forscher Granér stellt hier Versäumnisse bei den Polizeiregeln fest.

„Die Vorschriften und Routinen sind sehr vage formuliert. Das wurde schon immer kritisiert – ohne dass etwas unternommen wurde. Die Schwachpunkte sind bekannt. Dadurch gibt es wenige gesicherte Erkenntnisse, was Schüsse durch die Polizei angeht.“

So drehen sich die Gerüchte über den Tod des 69-Jährigen Mannes in Husby immer weiter. Es wurde auch berichtet, dass der Mann stundenlang in der Wohnung gelegen war, bis ärztliche Hilfe gerufen wurde. Offiziell ist der Fall jedoch mit der Einstellung der Ermittlungen abgeschlossen.

Fouad Youcefi (SVT)/Dieter Weiand

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