Nach der Protestaktion durften die westlichen Feministinnen - im Gegensatz zu ihren Schwestern - das Kopftuch wieder ablegen (Foto: Dita Alangkara/Scanpix)
Kopftuch-Aufruf

Justizministerin behält kühlen Kopf

Wenn Feministinnen Kopftücher tragen
4:10 min

Nach dem Angriff auf eine mit Kopftuch bekleidete Frau hat die sogenannte Kopftuch-Bewegung Justizministerin Beatrice Ask aufgefordert, die schwedische Islamfeindlichkeit untersuchen zu lassen. Die Justizministerin wollte jedoch nach einem Treffen mit den Initiatorinnen keine konkreten Zusagen machen. Unterdessen hat sich eine lebhafte Debatte über den Sinn der Protestaktion entsponnen.

Ausgelöst hatte die Protestaktion der brutale Angriff auf eine schwangere Frau im Stockholmer Vorort Farsta am vergangenen Freitag. Die Polizei sucht weiter nach dem Täter, hat den Übergriff aber als so genanntes Hassverbrechen eingestuft. Es bestehe kein Zweifel daran, dass das Motiv der Tat im religiösen Hintergrund des Opfers und der Tatsache liege, dass sie ein Kopftuch getragen habe.

Die Tat rief islamische Aktivistinnen auf den Plan. Sie stellen fest, dass Frauen mit dem Hijab-Kopftuch in der schwedischen Gesellschaft permanent diskriminiert und häufig eben auch angriffen werden. Sie riefen zu Beginn der Woche dazu auf, einen Hijab als Zeichen der Solidarität zu tragen. Dem ist eine Reihe feministischer Politikerinnen aus verschiedenen Parteien nachgekommen – unter anderem die ehemalige Vorsitzende der Linkspartei, Gudrun Schyman, die vor wenigen Jahren die schwedischen Männer noch als „Taliban“ bezeichnet hatte. Auch die Grünen-Sprecherin Åsa Romson ließ es sich nicht nehmen, den Hijab anzulegen.

Entsetzte Reaktionen

Doch die Geste findet in der schwedischen Gesellschaft nicht nur Befürworter. So ist die Dokumentarfilmerin Nahid Persson Sarvestani entsetzt: „Ich wurde richtig wütend, als ich das gehört habe. Wie kann man so was machen? Feministen sind gegen Unterdrückung. Aber Schleier und Kopftuch sind ein Zeichen der Unterdrückung. Die Männer haben dies geschaffen, um uns Frauen zu kontrollieren.“

Die Initiatorinnen des Kopftuch-Aufrufes haben es unterdessen geschafft, dass sich die Regierung immerhin ihre Forderungen angehört hat. Fatima Doubakil ist eine von ihnen:

„Wir haben Justiministerin Beatrice Ask getroffen und unsere Forderungen präsentiert, die auf einer Reihe von Punkten basieren. Ein Punkt ist, dass es in Schweden Anti-Islamismus und Islamfeindlichkeit gibt. Die Regierung muss eine Kommission berufen, um diese Islamophobie zu dokumentieren. Darüber hinaus muss die Regierung auch Übergriffe vor einem Jahr in Forserum klären, wo islamische Frauen von der Gemeinde schlecht behandelt wurden. Wie fordern von der Regierung auch, dass sie gegen die strukturelle Diskriminierung von Muslimen in Schweden Stellung bezieht. Wir haben weiter einen Bericht übergeben, den wir an die Vereinten Nationen geschickt haben. Wir wollten Beatrice Ask auf die Probleme und Bedrohungen aufmerksam machen, denen Musliminnen in Schweden ausgesetzt sind.“

Bin Ladin als Held gepriesen

Das Anliegen von Doubakil und ihren Mitstreiterinnen ist in der schwedischen Öffentlichkeit nicht nur auf Wohlwollen getroffen. In den Kommentarfeldern der Medien überwiegt deutlich eine starke Ablehnung gegen die Protest-Aktion. Dies mag auch mit dem Hintergrund von Fatima Doubakil zu tun haben, die als extreme Islamistin bekannt ist und etwa im vergangenen Jahr Osama bin Ladin über Twitter zum Helden ausgerufen hat.

Gleichzeitig belegen Meinungsumfragen, dass die Toleranz der Schweden gegenüber anderen Kulturen und Glaubensrichtungen abgenommen hat. Derweil ist Justizministerin Ask bemüht, nach dem Treffen die Wogen zu glätten, ohne jedoch auf die Forderungen einzugehen:

„Das Treffen hat mir mehr Kenntnisse auf dem Gebiet gebracht. Das ist wichtig. Auch die Vereinten Nationen werden dieses Thema diskutieren. Zu dieser Diskussion werden verschiedene Organisationen beitragen. Wir werden darüber nachdenken, was mehr getan werden kann.“

Untersuchung zu Hassverbrechen

Ask bestätigt weiter, dass sich der Beirat für Verbrechensverhütung generell mit Hassverbrechen beschäftigt. Aus dem Bericht des Beirates werde dann auch hervorgehen, wie es mit den Vergehen gegen Muslime bestellt ist.

Die Angriffe und Diskriminerungen von Andersgläubigen zu verurteilen und zu ahnden ist eine Sache – den Hijab anzulegen jedoch eine völlig andere, für Nahid Persson Sarvestani: „Deswegen bin ich doch aus dem Iran geflohen. Das ist Unterdrückung, die Unterdrückung von Frauen“, sagt sie im Schwedischen Rundfunk.

Dieter Weiand

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