Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på https://kundo.se/org/sverigesradio/
Hauptsitz der Deutsch-Schwedischen Handelskammer in Stockholm
Wirtschaftliche Folgen des Deutsch-Desinteresses

"Deutschland war für junge Leute nie besonders attraktiv"

"Wirtschaftlicher Nachteil wird entstehen"
5:18 min

Das in Schweden um sich greifende Desinteresse für die deutsche Sprache wird sich früher oder später zu einem wirtschaftlichen Nachteil für Schweden entwickeln. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen werden den Mangel an deutschsprachigen Arbeitskräften aus Schweden zu spüren bekommen. Dies sagt Karl-Heinz Gössling, stellvertretender Geschäftsführer der Deutsch-Schwedischen Handelskammer in Stockholm, im Gespräch mit Radio Schweden.

Karl-Heinz Gössling: Wir verfolgen diese Entwicklung schon seit vielen Jahren. Wir versuchen auch als Kammer, hauptsächlich im Wirtschaftsbereich, dagegenzuwirken um zum Lernen der deutschen Sprache zu motivieren. Wir verwalten deshalb eine Stiftung, den schwedisch-deutschen Sprachfond. Dieser schickt Mitarbeiter von Firmen, darunter auch deutsche Unternehmen, nach Deutschland zu Intensivsprachkursen sowie Kursen in deutscher Geschäftskultur. Sehr oft erkennt man ja erst im Berufsleben die Notwendigkeit und den Nutzen der deutschen Sprache. Ich glaube auch, dass das Interesse an Deutschland das Wichtigste ist, um sich auch der Sprache und der Kultur zuzuwenden. Wir haben das auch kurz gemerkt, als Berlin nach dem Mauerfall plötzlich als Stadt auch bei jungen Leuten sehr populär wurde – und dies hat auch zum Lernen der deutschen Sprache motiviert.

Radio Schweden: Ist es denn so, dass Deutschland trotz des Imagewandels durch Berlins Popularität dennoch nicht ausreichend Anziehungskraft ausstrahlt, um sich genügend auf das Sprachinteresse auswirken?

Berlin hat sich zunächst auf das Sprachinteresse ausgewirkt. Das hat sich inzwischen wieder balanciert. Insgesamt kann man sagen, dass Deutschland für junge Leute nie eine besondere Attraktion ausgestrahlt hat. Dies liegt daran, dass Schweden sich nach dem Zweiten Weltkrieg von Deutschland abgewendet hat, und man das Interesse an Deutschland als Land nicht gefördert hat. Die Entwicklung im Deutschland der letzten 60 Jahren zu einem modernen, demokratischen Industrieland, diese Entwicklung hat das Deutschland-Image nicht durchgemacht. Es gibt sehr viele Mängel, die man auch in den Schulen und auch in den Elternhäusern nicht aufgefangen hat.

Deutschland ist in der EU der größte Handelspartner Schwedens. Wird den Schweden aufgrund des mangelnden Sprachinteresses ein wirtschaftlicher Nachteil entstehen?

Es wird entstehen, das glaube ich sicher. Man muss aber unterscheiden zwischen den großen, multinationalen Firmen, die global agieren mit hoher Mitarbeitermobilität, und die oft Englisch als Unternehmenssprache haben. Das Problem wird auftauchen, oder ist eigentlich schon da, bei den kleinen und mittelständischen Firmen. Wenn die bei Exportüberlegungen über die Grenze schauen, ist Deutschland das erste Land für sie. Hier sehen wir ganz klar Mängel in der Sprachkompetenz.

Es gibt etwa 1.300 Tochterunternehmen schwedischer Firmen, die in Deutschland etabliert sind. H&M und Ikea sind nur zwei der bekanntesten und also nicht die mittelständischen Unternehmen, die Sie erwähnt haben. Gleichzeitig haben aber auch ungefähr 1.000 deutsche Firmen Tochterunternehmen hier in Schweden. Wie stark sind diese Firmen auf deutschsprachige Schweden angewiesen?

Die Firmen sind natürlich auf deutschsprachige Mitarbeiter angewiesen, völlig klar.

Welcher Nachteil kann den Firmen dabei entstehen?

Es ist eine Einschränkung der Geschäftsmöglichkeiten. Es gibt internationale Studien, die zeigen, dass viel Geschäft eingebüßt wird aufgrund sprachlicher Kompetenzen.

Wie kann der Trend umgewandt werden? Wer muss die Verantwortung dafür übernehmen?

Die Verantwortung muss bei den Schulen und im Elternhaus liegen. Wenn man die Kinder schon früh vom Nutzen der deutschen Sprache überzeugen kann, dafür auch die Mittel bereitstellt und damit die Wahrnehmung Deutschlands positiver wird, dann wird man auch ein Interesse für die Sprache wecken können. Man sieht dies etwa an Spanisch, was mit vielen positiven Merkmalen belegt ist. Wenn man solche positiven Merkmale auch auf Deutschland übertragen kann, dann wird man dazu motivieren können, wieder mehr Deutsch zu lernen.

Wie kann man das machen?

Man kann eine Menge bewegen, wenn die Politik bereit ist, darin zu investieren. Wir haben auch das Problem der Lehrerausbildung – wenn man motivierte Lehrer hat, kann man auch Schüler davon überzeugen, Interesse für Deutschland und die Sprache zu gewinnen. Aber vieles liegt auch im Elternhaus, davon bin ich überzeugt. Insgesamt muss Deutschland positiv wahrgenommen werden, das ist der Grund.

Interview: Hansjörg Kissel

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".