Wie geht´s nun weiter?
Lundsberg

Aus für Elite-Gymnasium: Schüler verzweifelt

"Kollektive Bestrafung ist gesetzwidrig"
3:22 min

Am Elite-Gymnasium Lundsberg kann man noch immer nicht fassen, was die Schulaufsicht am Mittwoch bekanntgab: Das Internat, seit 1896 Erziehungsstätte für schwedische Eliten, wird von einem Tag auf den anderen – sprich: an diesem Donnerstag – dicht gemacht.

Der Grund: die ausgeprägte Erniedrigungskultur, die sich über Jahre hinweg immer wieder in Mobbing und Misshandlungen unter den Schülern manifestierte und kürzlich mit einem Bügeleisen als Züchtigungsinstrument einen makabren Höhepunkt fand. Nun sind Eltern empört, Schüler verzweifelt. Für Tränen und geballte Fäuste sorgen nicht die Gewaltorgien, sondern die Nachricht, dass die Schule tatsächlich die Pforten schließen muss.

„Kollektive Bestrafung ist in Schweden gesetzwidrig. Und hier hat man nicht nur ein paar einzelne Schüler bestraft, nein, man bestraft alle Jugendlichen an der ganzen Schule.“ Pernilla Klingspor, Vorsitzende von Lundsbergs Elternvertretung, kann gegenüber dem Schwedischen Rundfunk die Erregung kaum zügeln. Mehr als hundert Jahre lang hat Schwedens Oberschicht ihre Sprösslinge der Zurichtung durch Internate wie Lundsberg überantwortet, ohne dass sich der Staat nennenswert eingemischt hätte – außer mit öffentlichen Zuschüssen, zu denen Lundsberg ebenso wie die beiden übrigen Edel-Internate in Sigtuna und Grenna berechtigt ist. Hauptsächlich finanzieren sich die drei Schulen aber privat: Im Gegensatz zu allgemein geltenden Regeln zahlen die Eltern Schulgeld – dafür konnte man bisher denn auch so weit wie möglich unbelästigt bleiben. Doch jetzt scheinen diese Zeiten vorbei.

Ende der Extrawurst in Sicht?

„Ich finde es merkwürdig, dass wir für die drei zentralen Internatschulen so lange Sonderregeln hatten“, so Bildungsminister Jan Björklund nach dem Beschluss der Schulinspektion. „An sämtlichen anderen Schulen mit freien Trägern gelten andere Regeln. Lange Zeit haben die drei Internate eine bevorzugte Behandlung erfahren, zum Beispiel was finanzielle Beihilfen angeht. Das ist eine seltsame Ordnung.“

Akut steht nun erst einmal die Frage an, wo die rund 200 Schüler ihre Ausbildung fortsetzen, jedenfalls im nächsten halben Jahr. Für die Beseitigung der Mängel hat die Schulaufsicht dem Internat eine sechsmonatige Gnadenfrist eingeräumt, gibt sich aber pessimistisch, ob Lundsberg in dieser Zeit seiner großen Probleme Herr werden kann. Für die Schüler der ahnenreichen Einrichtung, die zu ihren Absolventen Prominenz wie Prinz Carl Philip zählt, tritt also für kürzere oder längere Zeit das vielen Unvorstellbare ein: Sie werden auf ihre Heimatgemeinden verteilt und dort mit ganz herkömmlichen Klassenkameraden herkömmliche Schulen besuchen müssen.

Trautes Heim

„Ich verstehe vollkommen, dass viele Schüler sehr traurig und beunruhigt sind“, so die Generaldirektorin der Schulaufsicht Ann-Marie Begler. Daher werde sie darauf drängen, dass die Frage der Unterbringung schnellstmöglich gelöst werde. Diese Zusicherung kommt auch von Bildungsminister Björklund. Schüler und Eltern in Lundsberg kann er damit aber nicht trösten. Denn so schön wie in Lundsberg kann es ja letztlich nirgends sein. Mobbing? Misshandlungen? Laut Elternvertreterin Pernilla Klingspor jedenfalls ist das alles halb so wild. Die „Lundsberger“, wie sie sich selbst nennen, fühlen sich wohl – und das Befinden des Bügeleisen-Opfers könnte besser nicht sein: „Der betroffene Junge fühlt sich enorm geborgen. Er ist am Internat geblieben, wollte nicht heimfahren, obwohl ihm seine Eltern das angeboten haben. Er hat auch vor niemandem Angst. Er findet es toll, hier zu sein.“

SR Ekot / Anne Rentzsch

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