Dokument Holocaust mit Werken aus zehn Ländern (Foto: Fredrik Sandberg/Scanpix Schweden)
Miniatur-Bilder für Wallenberg

Dokumentation Holocaust

Die Ausstellung "Dokumentation Holocaust", die heute im Historischen Museum vorgestellt wurde, ehrt auch Raoul Wallenberg. Die Dokumentation läuft parallel zur Internationalen Holocaust-Konferenz, die am Mittwoch hier in Stockholm beginnt. Gezeigt werden Fotos, Gemälde, Filmausschnitte, Plakate.

Auch diese Ausstellung kann das Unbegreifliche nicht begreifbar machen. Auch kann sie nicht erklären, warum der Millionenfache Mord an Juden während der Zeit der Nazi-Diktatur passierte.

Aber sie kann das Gewissen schärfen und Vergessen verhindern. Carl-Olof Cederberg vom staatlichen historischen Museum in Stockholm. „Vor drei Jahren haben wir den Auftrag von der Regierung bekommen, bei einem Projekt gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu arbeiten. Ich denke, es ist sehr wichtig, ein Teil dieser Arbeit zu sein – dass wir als Kultureinrichtungen gegen die fremdenfeindlichen und rassistischen Strömungen in der schwedischen Gesellschaft arbeiten können.“

Ein Ergebnis dieser Arbeit ist die Ausstellung mit Dokumenten und Kunstwerken aus zehn Staaten. Noch nie vorher haben so viele Länder gemeinsam versucht, mit unterschiedlichen Beiträgen ihre Erfahrungen mit dem Holocaust, dem Massenmord an Juden durch die Nazis, zu vermitteln.

Rassenbiologisches Institut

Schweden selbst war zwar nicht am Krieg beteiligt, Verbindungen zur Ideologie der Nazis gab es gleichwohl, sagt Carl-Olof Cederberg: „‚Wissenschaftlicher Rassismus‘ war in Schweden zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr verbreitet. 1921 wurde in Uppsala ein staatliches ‚rassenbiologisches Institut‘ gegründet. Viele dieser Ideen wurden später von den Nazis umformuliert und trugen mit zum Holocaust bei.“

Doch auch die andere Seite Schwedens wird in der Ausstellung vermittelt. Der Diplomat Raoul Wallenberg rettete in Ungarn 1944 tausende von Juden vor dem Tod, indem er ihnen sogenannte Schutzpässe ausstellte, schwedische Ausweise, mit denen sie sich vor den Nazi-Schergen in Sicherheit bringen konnten.

Geschenke für Wallenberg

Die jüdischen Mitarbeiter schenkten Wallenberg zu Weihnachten 1944 eine Reihe von Miniatur-Bildern, erzählt die Schwester von Raoul Wallenberg, Nina Lagergren. „Das Besondere an den Miniaturen: sie sind den Kunstwerken berühmter Maler aus verschiedenen Epochen nachempfunden. In jede Miniatur ist ein Schutzpass eingearbeitet – ein symbolischer Dank an Wallenberg.“

Seit Ende des Kriegs bewahrte die Familie Wallenberg die Miniaturen bei sich zu Hause auf. Jetzt werden sie zum ersten Mal komplett der Öffentlichkeit gezeigt. Nina Lagergren ist fasziniert von den kleinen Kunstwerken.

Gräul

Andere Beiträge versuchen, die Unmenschlichkeit des Holocaust zu dokumentieren. Das Projekt der Bundesrepublik zeigt den Alltag in Konzentrationslagern unter der Überschrift "Vom Namen zur Nummer". Die eintätowierte Nummer der KZ-Häftlinge war für den Schweizer Fotografen Jean-Pierre Boesch Ausgangspunkt für seine Bilder-Serie: jeweils zwei Schwarzweiß-Aufnahmen von Überlebenden des Holocaust.

Das zweite Foto dazu: die gleiche Person, dann aber in ihrer gewohnten Umgebung, zuhause, bei Freunden, bei der Arbeit. Zwei Jahre arbeitete Jean-Pierre Boesch an seiner Dokumentation, 2.500 Stunden lang. Die Fotos selbst, erzählt er, waren schnell gemacht. Viel langwieriger und schwieriger war es, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen.

Markus Wetterauer

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