Amerikanischer Forschungsbericht

Verdunkeltes Schicksal

Ein amerikanischer Forschungsbericht wirft der schwedischen Regierung Nachlässigkeit bei den Nachforschungen über Raoul Wallenberg vor. Der schwedische Diplomat rettete während des Zweiten Weltkrieges Tausende von Juden vor dem Abtransport in Konzentrationslager der Nazis. Nach dem Krieg wurde er von Agenten der Sowjetunion aus Ungarn nach Moskau verschleppt. Das weitere Schicksal Wallenbergs war lange Zeit mysteriös und Anlass für viele Spekulationen.

Erst vor kurzem hatte eine russische Untersuchungskommission eingeräumt, dass Wallenberg wohl durch den Geheimdienst KGB umgebracht worden ist. Nun kommen amerikanische Informationen auf den Tisch, die das schwedische Verhalten im Fall Wallenberg in ein neues Licht rückten.

„Außenministerium opferte Raoul Wallenberg", das war gestern der Titel über einem großen Artikel in der Tageszeitung Dagens Nyheter. So unerhört, wie es die Überschrift andeutet, so unerhört mögen für manchen Politiker auch die Thesen geklungen haben, die die amerikanische Forscherin Susanne Berger in dem Artikel aufstellt.

Staatsraison

Berger behauptet, der damalige schwedische Außenminister Östen Undén habe in einer Denkschrift klargestellt, dass freundschaftliche Beziehungen zur UdSSR wichtiger für Schweden seien als das Schicksal Wallenbergs. Und noch heute täusche das Außenministerium der Allgemeinheit vor, in der Sache Wallenberg aktiv zu sein, obwohl man die Akte in Wirklichkeit längst geschlossen habe.

Susanne Berger hat jahrelang Nachforschungen über das Verhalten der schwedischen Regierungen im Fall Wallenberg angestellt. Heraus gekommen sind dabei zahlreiche Details, die für Berger die Untätigkeit und sogar Unwilligkeit von Seiten Schwedens belegen. So habe die russische Regierung mehrmals einen Austausch von Gefangenen angeboten, doch Schweden habe nie darauf reagiert. Und während die Schweiz ihre beiden Diplomaten Harald Feller und Max Meier, die zusammen mit Wallenberg gefangen genommen wurden, durch Verhandlungen frei bekam, nahm Schweden solche Verhandlungen gar nicht erst auf.

Schwedisches Desinteresse

Am deutlichsten zeige aber die Denkschrift Östen Undéns, wie wenig das Außenministerium an einer Klärung des Falles war. Bezeichnend war für Berger auch, dass Schwedens damaliger Botschafter in Moskau eine Kopie der Denkschrift erhielt mit der Anmerkung, diese unmittelbar nach dem Lesen zu verbrennen.

Sverker Åström, der damals in der politischen Abteilung des Außenministeriums gearbeitet hat, wundert sich über den Wirbel, die Susanne Berger gerade um diese Anweisung gemacht hat. „Die Denkschrift war sicherlich ein heißes Eisen, und die Sicherheitsverhältnisse in den Botschaften in Moskau nicht besonders gut. Da habe ich wohl nach Absprache mit dem Außenminister die Anweisung gegeben, das Dokument zu verbrennen. Aber das Original ist ja noch da“, sagte Åström.

Pikant wird das Thema auch durch die Untersuchungen einer schwedisch-russischen Arbeitsgruppe. Die will am 12. Januar ihren Bericht vorlegen und auch Beweise dafür präsentieren, dass Raoul Wallenberg länger gelebt hat, als bisher angenommen.

Thomas Fenske 

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