Per Anger, 1944 schwedischer Botschafter in Budapest, vor dem Aussenministerium in Stockholm (Foto: Peter Lydén/Scanpix Schweden)
Schwedisch-russische Kommission

Nachforschungen ergebnislos

Das Schicksal des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg ist weiterhin ungeklärt.

Eine schwedisch-russische Kommission hat heute ihren Untersuchungsbericht vorgelegt. Auch nach zehn Jahren intensiver Arbeit konnten die Experten nicht mit Sicherheit herausfinden, was mit Wallenberg geschah, nachdem er 1945 in Ungarns Hauptstadt Budapest von den Russen gefangen genommen worden war.

Ministerpräsident Göran Persson hat heute sein Bedauern darüber ausgesprochen, dass die schwedische Regierung damals nicht alles getan hat, um den Diplomaten Wallenberg zu retten.

Wallenberg rettete während des Zweiten Weltkriegs ungarische Juden: er stellte ihnen Schutzpässe aus und ermöglichte ihnen so die Flucht vor den Nazis. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Budapest wurde er von russischen Soldaten verhaftet. Er verschwand spurlos. Zehn Jahre lang hat eine schwedisch-russische Untersuchungs-Kommission versucht, die Wahrheit um das Schicksal von Raoul Wallenberg herauszufinden.

März 1944

Deutsche Truppen marschieren in Ungarn ein. Die Lage für die ungarischen Juden wird immer prekärer. Die Nazis verhaften immer mehr von ihnen und bringen sie in Konzentrationslager.

April 1944

Die Schlangen von hilfesuchenden Juden vor der schwedischen Gesandtschaft in Budapest wachsen. Der schwedische Diplomat Per Anger beginnt, provisorische Pässe an ungarische Juden auszustellen, erzählt er heute.

Die Schutz-Pässe haben international eigentlich gar keine Gültigkeit. Die Nazis erkennen sie aber wegen der schwedischen Stempel und Wappen als offizielle Dokumente irrtümlich an und lassen die Juden ausreisen. 

Juli 1944

Die schwedische Regierung schickt den jungen Diplomaten Raoul Wallenberg nach Budapest. Auftrag an den 32jährigen: so viele Menschen wie möglich vor den Nazis zu retten. In Budapest wird Wallenberg Vorgesetzter des heute 87jährigen Per Anger.

Anger beschreibt Wallenberg als tatkräftig, als guten Geschäftsmann, der geschickt verhandelt. Als den richtigen Mann am richtigen Platz.

Wallenberg baut die von Anger begonnene Verteilung der Schutzpässe weiter aus. Tausenden von Juden kann er so in den folgenden Wochen und Monaten das Leben retten. 

Dezember 1944

Die Bombenangriffe auf Budapest werden stärker. Die schwedischen Diplomaten um Raoul Wallenberg geraten zwischen die Fronten: die vorrückende Rote Armee auf der einen und die Nazis auf der anderen Seite.

Januar 1945

Russische Soldaten nehmen Raoul Wallenberg am 17. Januar fest. Wenige Tage später wird er von Augenzeugen das letzte Mal gesehen. Was danach mit ihm passiert, bleibt ungewiss. Spekulationen schießen ins Kraut: stirbt er 1947 an einem Herzinfarkt in einem russischen Gefängnis? Oder ist er noch in den 60er und 70er Jahren am Leben, möglicherweise bis 1989 – eingesperrt in einer russischen Irrenanstalt?

Januar 2001

Eine russisch-schwedische Kommission legt nach zehnjähriger Arbeit ihren Untersuchungs-Bericht über das Schicksal von Raoul Wallenberg vor.

Die Fragezeichen über dem Schicksal von Raoul Wallenberg bleiben. 

Axel Hammerl / Markus Wetterauer

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