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Die Stockholmer Synagoge (Foto: Katarina Höj/Sveriges Radio)
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Barack Obama, Fredrik Reinfeldt und Nina Lagergren (sitzend links) betrachten gemeinsam persönliche Gegenstände aus dem Besitz von Raoul Wallenberg. Gustav Kadelburger, Kate Wacz und Alice Breuer (rechts) wurden in Budapest von Wallenberg gerettet. (Foto: AP Photo/Pablo Martinez Monsivais)
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Vor der Stockholmer Synagoge begrüsst US-Präsident Obama einige Gäste der Zeremonie. (Foto: AP Photo/Pablo Martinez Monsivais)
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US-Präsident Obama und Ministerpräsident Reinfeldt legen Steine zum Gedenken an Raoul Wallenberg nieder. (Foto: AP Photo/Pablo Martinez Monsivais)
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US-Präsident Obama würdigte Raoul Wallenberg mit einer Rede. (Foto: Claudio Bresciani / Scanpix Schweden)
Zeichen gegen Antisemitismus

Obama besucht Stockholmer Synagoge

Als eine von wenigen Stationen des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Schweden stand am Mittwochnachmittag eine Stippvisite in der Stockholmer Synagoge auf dem Programm. 

Dort ehrte Obama die Verdienste Raoul Wallenbergs und rief seine Zuhörer dazu auf, sich das Lebenswerk des schwedischen Diplomaten, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Tausende Juden vor dem Holocaust gerettet hatte, zum Vorbild zu nehmen. Bei der jüdischen Gemeinde wertete man den Besuch des Präsidenten als ein deutliches Signal gegen Antisemitismus in Schweden.

"Das Leben Wallenbergs stellt für uns alle eine Herausforderung dar, die Werte der Empathie und des Mitgefühls zu leben - auch wenn es schwer fällt, auch wenn damit große Risiken verbunden sind", mahnte Obama bei seiner Rede in der Stockholmer Synagoge.

Treffen mit Angehörigen und Geretteten

Zuvor hatte der US-Präsident Verwandte und Helfer Wallenbergs sowie einige Überlebende getroffen, die ihre Rettung dem Engagement des schwedischen Diplomaten in Budapest zu verdanken haben. Obama zeigte sich tief beeindruckt von dem Treffen und den ihm präsentierten persönlichen Erinnerungsstücken wie Wallenbergs Diplomatenpass und Tagebuch.

"Sein Erbe erstrahlt hell in den Überlebenden, die heute hier sind - und in den Familienstammbäumen, die seitdem weiter gewachsen sind: Kinder, Enkel und Urenkel, die ihre bloße Existenz einem schwedischen Helden verdanken, den sie nie gekannt haben."

Den Hinterbliebenen sicherte der Präsident Hilfe dabei zu, die genauen Todesumstände Wallenbergs zu klären. Bisher ist nur bekannt, dass der schwedische Diplomat von russischen Einheiten 1945 festgenommen und in die Sovietunion gebracht wurde. In russischen Archiven vermuten die Angehörigen Wallenbergs mehr Informationen über sein Schicksal als die bekannte Angabe zu seinem natürlichen Tod in einem Gefängnis im Jahr 1947. Obama versprach nun Wallenbergs Halbschwester Nina Lagergren, alles in seiner Macht stehende zu tun, um endlich Licht in dieses Dunkel zu bringen.

Wallenberg verbindet USA und Schweden

In seiner Rede wies der Präsident darauf hin, dass Wallenberg in den USA studiert hatte und dass heute Schulen und Straßen in Amerika nach ihm benannt sind. Die Erinnerung an den US-Ehrenbürger sei eines der Bindeglieder, das die beiden Länder vereine. Gegen Antisemitismus und Hass in all ihren Formen aufzustehen und zu versuchen, selbst einen "Himmel der Empathie" zu schaffen, seien die Lehren, die man heute aus dem Wirken Wallenbergs ziehen könne, so der Präsident.

Bei der jüdischen Gemeinde zeigte man sich begeistert von Obama: "Es war fantastisch. Er war wie ein ganz normaler Mensch, aber eine unglaublich warme Persönlichkeit. Wirklich engagiert und an unseren Fragen interessiert", so die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Lena Posner-Körösi.

Sie wertete den Besuch des Präsidenten als ein Zeichen gegen antisemitische Strömungen in Schweden, die in den letzten Jahren zugenommen haben. Immer wieder war es in der jüngsten Vergangenheit zu Übergriffen auf Juden und Attacken gegen Synagogen und andere jüdische Einrichtungen gekommen. Außerdem war der ehemalige Malmöer Bürgermeister Ilmar Reepalu mehrmals durch Äußerungen aufgefallen, die von einigen als antisemitisch aufgefasst wurden.

Obama engagiert sich gegen Antisemitismus

Aus diesem Grund hatte Obama bereits im vergangegen Jahr die Sondergesandte des US-Außenministeriums zur Bekämpfung von Antisemitismus, Hannah Rosenthal, zu Gesprächen nach Schweden geschickt. Der Besuch in der Stockholmer Synagoge wird nun ein weiteres Anzeichen dafür gewertet, dass dem Präsidenten die Frage wichtig ist.

Lena Posner-Körösi misst der Stippvisite dementsprechend auch eine große Bedeutung bei: "Der Besuch war sehr wichtig. Er hat uns Aufmerksamkeit eingebracht und damit wurde bejaht und anerkannt, dass wir eine bedrohte Gruppe sind. Wir sind Schweden. Wir sind eine der fünf nationalen Minderheiten und leben hier seit Ende des 18. Jahrhunderts. Doch im Jahr 2013 werden wir immer noch Hass und Bedrohungen ausgesetzt, nur weil wir Juden sind. In dieser Situation braucht es Vorbilder wie Raoul Wallenberg und es ist von großer Bedeutung, dass ein Präsident wie Obama wirklich zeigt, wie wichtig diese Frage ist und ihr Aufmerksamkeit schenkt."

Frank Luthardt
 


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