Peder Gustafsson von Radio Stockholm sprach mit Hörern über das Desinteresse am Deutschlernen Foto: Ola Gäverth/Sveriges Radio
Hörerreaktionen

Regionalradio diskutiert Deutsch-Desinteresse

Deutsch ist schwierig - und unmodern
3:27 min

Kaum jemand lernt in Schweden noch Deutsch. Radio Stockholm, der Hauptstadtsender des Schwedischen Rundfunks, griff das Thema am Freitag auf und sprach mit Hörern über das geringe Interesse, das dazu geführt hat, dass im Moment überhaupt nur zwei Lehramtsstudenten mit Fachrichtung Deutsch an der Stockholmer Universität studieren.

Zum Einstieg ins Programm lief Radio Schweden-Reporter Hansjörg Kissels Beitrag in schwedischer Fassung. Danach wurden die Hörer aufgefordert, ihre Meinung zum Thema zu sagen.

Viele diskutierten mit

Das Interesse, das Thema zu diskutieren, sei jedenfalls groß gewesen, sagte Moderator Peder Gustafsson nach der Sendung zu Radio Schweden. Der überwiegende Eindruck: Deutsch sei schwierig – und unnötig.

„Ich überlege, warum man eigentlich Deutsch lernen soll, das ist doch einfach – unmodern“, sagt ein Hörer. „Das hat historische Gründe. Früher war es einfach weiter verbreitet, Deutsch zu lernen, aber heute ist das nicht mehr nötig. So ist das einfach. Das ist natürlich schade für diejenigen, die an der Universität Deutschlehrer ausbilden, die haben jetzt nichts mehr zu tun.“

Ein anderer Hörer hat folgende Erklärung, warum sogar diejenigen, die einmal Deutsch gelernt haben, die Sprache nicht mögen:

"Angst vor Grammatik!"

„Ich habe deutsche Eltern, bin aber in Schweden aufgewachsen. Mein Eindruck ist, wenn Schweden auf Deutsche treffen und Deutsch reden sollen, dann sind sie aus Angst vor der Grammatik völlig blockiert. Sie denken Deutsch = Grammatik – und dann: Ordnung muss sein, ungefähr in dieser Reihenfolge. Und dann geht gar nichts mehr. Dabei ist es in Deutschland völlig egal, ob man der, die, das richtig verwendet. Das ist nicht wie in Frankreich, wo die Leute sauer werden, wenn man nicht korrekt spricht. Viele Deutsche, vor allem ältere, können kein Englisch und freuen sich einfach nur, wenn man versucht, Deutsch zu sprechen. Mein Rat an alle ist: Vergesst die Grammatik, die ist völlig egal!“

Unterricht wie für tote Sprache

Auch in den sozialen Medien strömten Kommentare hinzu. Der Deutschunterricht sei am Desinteresse mit Schuld: „Deutsch wird in Schweden mit Fokus auf Grammatik unterrichtet, ungefähr wie eine tote Sprache. Englisch hingegen wird lebendig unterrichtet“, schreibt beispielsweise Kicki. Ein anderer Kommentar weist auf eine Herdenmentalität hin, die in Schweden herrsche. „Alle machen das, was die anderen auch tun. Daher lernen die Jugendlichen heute Spanisch, man möchte nicht auffallen. Dabei ist Deutsch gerade was die Grammatik anbelangt für Schweden gar nicht schwer zu lernen, weil die Grammatik so ähnlich ist“, schreibt ein Kommentator und fordert Schwedens Jugendliche zu mehr „Mut bei der Sprachwahl“ auf. „Später habt Ihr mit Deutsch die besseren Arbeitsmarktchancen.“

Vielleicht ändert sich ja in Zukunft die Einstellung. Immerhin antworteten gut 50% auf die Frage, ob Deutsch eine wohlklingende oder hässliche Sprache sei, Deutsch sei schön.

Luise Steinberger

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