Erregt die Gemüter aufs Neue
Neue Raubtiervorgaben

Abschuss des halben Wolfsbestands befürchtet

Umweltministerin rührt am brüchigen Frieden
3:03 min

Die Hälfte des Wolfsbestands in Schweden könnte demnächst zur Jagd freigegeben werden. Dies befürchten Umweltverbände nach Veröffentlichung der neuen Regierungsvorgabe zum Raubtierbestand am Donnerstag. Der Dauerkonflikt, der wie kaum ein anderer die schwedische Gesellschaft spaltet, geht damit in die nächste Runde.

Spätestens seit Januar 2010 ist der Streit darüber, mit wie vielen Wölfen Landbevölkerung und Rentierzüchter in Schweden auskommen können, voll entbrannt. Damals hatte die bürgerliche Regierung zum ersten Mal seit 45 Jahren die Lizenzjagd auf den Wolf zugelassen. Ein Entschluss, der den erbitterten Widerstand der Umweltverbände und schließlich auch die EU-Kommission auf den Plan gerufen hatte. Dass Lizenzjagd auf eine bedrohte Tierart erlaubt und eine Höchstgrenze von damals 210 Wölfen festgesetzt wurde, stand im Zentrum der Kritik.

Die Regierung beugte sich schließlich dem Druck, blies die Lizenzjagd wieder ab und teilte in den darauffolgenden zwei Jahren stattdessen Genehmigungen zur Schutzjagd aus. Mit der neuen Raubtiervorgabe vom Donnerstag rührt Umweltministerin Lena Ek von der Zentrumspartei, die traditionell der Landbevölkerung Schwedens nahesteht, am brüchigen Frieden.

„Die Europäische Union gibt genau vor, wann ein günstiger Erhaltungszustand einer Art erreicht ist“, sagte Umweltministerin Lena Ek dem Schwedischen Rundfunk. „Wir erfüllen diese Kriterien bei Weitem und sind deshalb der Ansicht, dass ein günstiger Erhaltungszustand für alle fünf Raubtierarten in Schweden erreicht ist.“

Umweltverbände bestürzt

Ein Intervall von 170 bis 270 Wölfen solle künftig in Schweden gelten, so der Vorschlag der Umweltministerin. Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa 350 bis 400 Wölfe derzeit auf schwedischem Gebiet Revier bezogen haben.

Umweltverbände reagierten mit Bestürzung auf die Ankündigung Eks. Er sei unglaublich enttäuscht, sagte Mikael Karlsson vom Naturschutzbund der Nachrichtenagentur TT. Im schlimmsten Fall werde die Regierung diesen Winter die Jagd auf bis zu 200 Wölfe erlauben. Politisch werde man nach diesem Beschluss wieder von Null anfangen müssen; die brüchigen Übereinkünfte, die das Wolfkomitee erreicht habe, würden vollständig zerschlagen werden, so Karlsson.

Dass Intervallziffern für den Raubtierbestand gelten sollen, liegt zwar im Sinne der Vorschläge des sogenannten Wolfkomitees, das für Entspannung in dem Konflikt sorgen sollte. Allerdings wurde auch empfohlen, dass konkrete Zahlen zum Artenbestand nicht von der Politik, sondern durch Behörden und Forschungseinrichtungen erstellt werden sollten. Mikael Karlsson vom Naturschutzbund befürchtet nun, dass mit dem Vorstoß der Regierung dem Wolfsbestand wieder konkrete Höchstgrenzen auferlegt werden. Es gebe keine wissenschaftliche Begründung für die neuen Zahlen; die Regierung habe das niedrigste mögliche Niveau vorgeschlagen.

Forschung ist sich uneins

Wann der Artenbestand einen gesunden Zustand erreicht, ist auch unter Forschern sehr umstritten. Vor allem die Inzucht in vielen Wolfsrevieren hat Tierschützern Kopfzerbrechen bereitet. Laut der Forscherin Linda Laikre von der Stockholmer Universität ist erst mit mindestens 3.000 Tieren, die zudem regelmäßig auf finnische Wölfe treffen müssen, ein gesunder Artenbestand erreicht. Olof Liberg von der Landwirtschaftlichen Universität kommt hingegen zum Ergebnis, dass die schwedischen Wölfe bereits heute durch aus Osteuropa eingewanderte Artgenossen gestärkt wurden und nicht mehr unter den Auswirkungen der Inzucht leiden.

Hansjörg Kissel / SR Ekot

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