Der König gestern und heute, festgehalten auf einer Jubiläumsbriefmarke
König Carl XVI. Gustafs 40-jähriges Dienstjubiläum

Lob und Tadel für das Staatsoberhaupt

"Im Grunde wäre er lieber Bauer"
5:23 min

An diesem Sonntag vor genau 40 Jahren erhielt Schweden einen neuen König. Mit dem Tod seines Großvaters, Gustaf VI. Adolf, ging die Thronfolge direkt an den damals nur 27-jährigen Carl Gustaf Folke Hubertus über. Das schwedische Königshaus genießt hierzulande hohes Ansehen und die schwedische Monarchie steht auf festem Boden – eine Entwicklung, die laut Meinungsumfragen allerdings nicht vorrangig dem Staatsoberhaupt geschuldet ist.

Passanten in Stockholm berichten von ihren stärksten Erinnerungen an die Jahre mit ihrem obersten Monarchen: „Mit ist vor allem seine bewegende Rede nach der Tsunami-Katastrophe im Gedächtnis geblieben“, sagt etwa Magan. Auch eine andere Passantin denkt zunächst an etwas positives, wenn sie auf König Carl XVI. Gustaf angesprochen wird. „Ich hatte ihn häufiger als jungen Mann in Sigtuna gesehen. Er machte als Privatperson einen sehr netten Eindruck, hatte immer eine schöne Wildlederjacke an und war überhaupt ein hübscher Kerl.“

Andere denken vor allem an sein häufig unbeholfenes Verhalten in der Öffentlichkeit und die zahlreichen Patzer in seinen Reden. So auch Hans-Christer: „Am meisten erinnere ich mich daran, wie er bei seinen Reden die Städte durcheinandergebracht hat. Ansonsten hat er eigentlich nicht allzu große Spuren hinterlassen.“ Der Passant spielt dabei auf ein vielzitiertes Ereignis im mittelschwedischen Arboga 1985 an, als das Staatsoberhaupt die Zuhörer mit „Liebe Bewohner von Örebro“ begrüßte.

Unnahbar und überheblich

Dass der König in der Öffentlichkeit und gegenüber Journalisten oft als unbeholfen, unnahbar und zeitweise auch überheblich wahrgenommen wird, liegt laut Karin Lennmor vor allem an seiner Erziehung. Lennmor ist Chefredakteurin der Klatschzeitschrift „Svensk Damtidning“ und beschäftigt sich seit über 30 Jahren intensiv mit dem Königshaus:

„Es war schade, dass er bereits mit 27 Jahren die Thronfolge antreten musste. Und in all den darauffolgenden 40 Jahren hat er es schlichtweg nicht geschafft, sich den Entwicklungen der Zeit anzupassen. Ein wichtiger Grund dafür liegt sicherlich in seiner Erziehung, die er von seinem Großvater, dem damaligen König, und seinem Onkel Prinz Bertil erhalten hatte. Damals, 1973, konnte man sich schlichtweg nicht vorstellen, wie das Interesse der Öffentlichkeit später aussehen würde und dass Journalisten Königshaus und Machthaber genau unter die Lupe nehmen würden. Eben dies hat der König nie so richtig verstanden, und eben deshalb wirkt er so genervt und beleidigt ,wenn Journalisten unangenehme Fragen stellen.“

Auch zuletzt vor knapp zwei Wochen, als die Nachricht von Prinzessin Madeleines Schwangerschaft um die Welt ging, machte Carl XVI. Gustaf in einem Interview mit dem Schwedischen Fernsehen keine sonderlich galante Figur.

„Selbstverständlich werden wir aktive Großeltern sein und beim Windelwechseln und ähnlichem mit anpacken“, so der Monarch in überspielt-sarkastischem Tonfall. „Oh ja, wir werden den ganzen Laden hier dichtmachen und nichts anderes mehr tun. Aber, warte mal, sie wohnt ja in New York und nicht in Schweden, welch ein Glück. Und wenn sie zurückkommen will? Mal überlegen, wäre vielleicht besser wenn sie nach Island zieht.“

Verlorenes Vertrauen in die Medien

Ein durch und durch peinliches Interview, das nicht zuletzt aufzeige, wie sehr Carl Gustaf nach 2010 das Vertrauen in die schwedischen Medien verloren habe, befindet Expertin Lennmor. Das damals veröffentlichte Buch „Der unwillige Monarch“ tischte delikate Enthüllungen und Details über die Sex-Affären des Königs auf – ein Schlüsselereignis für den ohnehin distanzierten Monarchen.

Die Enthüllungen konnten dem Königshaus und nicht zuletzt Kronprinzessin Victoria laut Meinungsumfragen nicht viel anhaben: das Vertrauen in das Königshaus ist nach wie vor gefestigt; über 70 Prozent der Schweden sprechen sich für den Erhalt der Monarchie in ihrem Land aus. Die Zustimmung zu König Carl Gustaf sank jedoch markant und hat sich seitdem auch nicht mehr richtig erholt.

Wäre eigentlich lieber ein Bauer

„Letztlich ist dies schade, denn es wird gesagt, dass er privat ein sehr warmer, angenehmer und humorvoller Mann ist, der fantastische Reden halten kann, der Tiere und Autos liebt, und der im Grunde genommen lieber ein Bauer wäre, der mit seinem Traktor über die Felder pflügt“, sagt die Chefredakteurin von „Svensk Damtidning“.

Zu Ehren des 40-jährigen Jubiläums sollen solche Geschichten nach offizieller Haltung aber nicht die Feststimmung trüben. Im Königsschloss zu Stockholm wird eine gesonderte Ausstellung zum Leben des Monarchen eröffnet, in der etwa seine Gewänder, Gemälde oder Briefmarken mit dem Konterfei Carl Gustafs in Augenschein genommen werden können.

Parteichefs bleiben Festbankett fern

Eine Meldung der Tageszeitung Svenska Dagbladet ließ am Freitag jedoch aufhorchen: Sowohl Sozialdemokraten-Chef Stefan Löfven, als auch der Parteivorsitzende der Schwedendemokraten Jimmie Åkesson würden nicht an dem Festbankett zu Ehren des Königs teilnehmen. Aus zeitlichen Gründen nicht möglich, ließen die jeweiligen Pressesprecher verlauten. Die Parteivorsitzenden würden jedoch zum offiziellen Empfang am Mittwoch, bei dem das Jubiläum der Inthronisierung gefeiert wird, teilnehmen. Dass der Vorsitzende der Linkspartei Jonas Sjöstedt nicht zum Bankett kommt, überrascht hingegen weniger: Als einzige der schwedischen Parlamentsparteien verfolgt die Linkspartei aktiv das Ziel der Abschaffung der Monarchie.

Hansjörg Kissel / P1

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