Schmutzige Vergangenheit
Skandal um Boliden

Mit Arsen vergiftet: Opfer verklagen Bergbauunternehmen

"Boliden muss seine Verantwortung wahrnehmen"
2:54 min

Mehrere hundert Einwohner des Dorfes Polygono im Norden Chiles haben das schwedische Bergbauunternehmen Boliden verklagt. Boliden hatte 1985 in dem Gebiet große Mengen Giftschlamm abgeladen.   

„Allein schon das Gefühl, dort die Straßen entlangzugehen, ist unbehaglich", so der Anwalt der Dorfbewohner, Johan Öberg. „Es liegt wie eine Art Staub darüber, und man weiß, dass man mit jedem Atemzug Arsen einatmet. Am meisten berührt hat mich ein Kind dort in einem der Häuser. Es war ganz offensichtlich, dass der Junge nicht normal entwickelt war." Bei den Klägern handelt es sich um insgesamt 707 mit Arsen vergiftete Einwohner, die Mehrheit von ihnen sind Kinder. Die Zahl der insgesamt im Laufe der knapp dreißig vergangenen Geschädigten Jahre wird auf mehrere Tausend geschätzt.

Um sich des Giftschlamms zu entledigen, hatte Boliden seinerzeit die chilenische Firma Pronmel angeheuert. Diese lud die Abfallmassen unbekümmert und ohne Warnung in freier Natur ab. Jahrelang spielten Kinder auf dem entstandenen Hügel. Der vergiftete Lehm wurde auch zum Bau von Wohnungen verwendet. Infolge der Vergiftungen erkrankten viele Dorfbewohner schwer. Krankheiten wie Krebs, chronischer Husten und Skelettschäden treten weiterhin gehäuft auf. Der Gift-Skandal war in den 1990-er Jahren aufgedeckt worden. In dem 2009 im Schwedischen Fernsehen gesendeten preisgekrönten Film "Blybarnen" (Die Bleikinder) wurde er thematisiert.

Boliden weist Schuld zurück

Bei Boliden weist man die Verantwortung für den Skandal zurück. „Wie tragisch diese Sache auch für die Betroffenen ist, meinen wir doch, die Verantwortung liegt bei den chilenischen Behörden und bei dem Unternehmen Promel", erklärt Pressesprecherin Marcela Sylwander. Anwalt Johan Öberg sieht das anders: Boliden hätte sich des Giftabfalls selbst annehmen können, meint er. Stattdessen habe man eine Alternative vorgezogen, deren mögliche Umweltfolgen abzusehen waren, die aber schlicht billiger gewesen sei. Zudem habe das Unternehmen gegen geltendes Recht verstoßen und die gesetzliche Vorgabe ignoriert, das Vorgehen bei weitreichenden Umweltfragen mit dem Amt für Naturschutz abzusprechen.

Nun also wird das börsennotierte Unternehmen auf umgerechnet 10,5 Millionen Euro verklagt . Die Geschädigten haben damit laut Jonas Ebbesson, Professor für Umweltrecht an der Universität Stockholm, einen Pilotfall initiiert: nie zuvor sei ein vergleichbarer Fall in Schweden vor Gericht verhandelt worden, so Ebbesson gegenüber Dagens Nyheter.

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