Auf traditionellen Volksfesten wie in Bayern kommt man dem Wähler noch näher, sagt die Vorsitzende der KDU
Bundestagswahlkampf

Schwedens Christdemokraten suchen Inspiration in Deutschland

"Brauchen in Schweden mehr Wärme"
4:16 min

Nicht nur in Deutschland fiebert man der Bundestagswahl am Sonntag entgegen: Der Wahlausgang in Europas bevölkerungsreichstem Land weckt in Zeiten erweiterter Europapolitik auch in anderen Ländern, wie etwa in Schweden, großes Interesse.

 Der deutliche Wahlsieg der CSU in Bayern am vergangenen Wochenende und die Wahlaussichten am Sonntag haben hierzulande vor allem bei den schwedischen Christdemokraten großen Eindruck hinterlassen – mit einer Delegation reist das schwedische Pendant zur Jungen Union, die KDU, nun nach München, um sich im deutschen Wahlkampf-Endspurt inspirieren zu lassen.

Anders als bei den meisten jungen Schweden, die als Besucher nach Deutschland fahren, steht für den Jugendverband der schwedischen Christdemokraten, der KDU, nicht Berlin, sondern die bayerische Hauptstadt im Mittelpunkt des Interesses. Eine Delegation mit Verbandsvorsitzenden Sara Skyttedal an der Spitze wird am Donnerstag in München eintreffen, um von dort aus den Endspurt im deutschen Wahlkampf mitzuerleben. Auch ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer sind geplant.

„Wir halten sehr gute Beziehungen zur bayerischen CSU“, sagt KDU-Vorsitzende Sara Skyttedal im Gespräch mit Radio Schweden. „Auch der CDU stehen wir nahe, aber Vertreter der CSU haben uns bei der letzten Wahl in Schweden 2010 besucht, und auch wir waren während der letzten Bundestagswahlen bei Veranstaltungen der Christlich Sozialen Union. Bei solchen Treffen tauschen wir uns darüber aus, welche Wahlkampfmethoden man für sein Land übernehmen kann und welche Botschaften bei den unterschiedlichen Wählern ankommen.“

Parteiöffnung nach deutschem Vorbild

Dass die schwedischen Christdemokraten zu ihrer deutschen Schwesterpartei aufschauen, kann angesichts der beträchtlichen Größenunterschiede kaum verwundern. 1964 aus dem freikirchlichen Milieu hervorgegangen, sollte es für die KD noch fast 30 Jahre bis zum politischen Durchbruch dauern. 1991 war die Partei erstmals in der damaligen Allianzkoalition an der Regierung beteiligt – die vorausgegangene ideologische und politische Öffnung der Christdemokraten während der 1980er Jahre orientierte sich zu großen Teilen am deutschen Vorbild.

Der jetzige Vorsitzende Göran Hägglund hatte 2004 den Übervater der Partei, Alf Svensson, nach fast drei Jahrzehnten an der Spitze der Christdemokraten abgelöst. Familienpolitik und eben Hägglund, der als Minister für Soziales einen Posten in der Regierung einnimmt, prägen seitdem hauptsächlich das Bild der Christdemokraten. Mit einem starken Fokus auf traditionelle Familienideale geraten die Christdemokraten häufig mit dem Mainstream der öffentlichen Debatte in Schweden in Konflikt und werden dabei häufig als verbohrte Verfechter eines hierzulande nahezu verschwundenen Hausfrauen- und Mutterideals dargestellt. Gleichzeitig weicht die KD aber regelmäßig von diesem Klischeebild ab und setzt sich beispielsweise stark für die öffentliche Kinderbetreuung ein. Die Stärkung von Kita-Gruppen gehört mit zu den zentralen Forderungen der Partei.

Ungewisse Zukunftsaussichten

Nun sehen die Christdemokraten hierzulande allerdings einer ungewissen Zukunft entgegen. Jüngste Meinungsumfragen zeigen, dass die Partei bei der Wahl im nächsten Jahr unter der vier Prozent-Hürde landen und damit den Einzug ins Parlament verpassen könnte. Auch bei der Kirchenwahl am vergangenen Wochenende mussten die Christdemokraten starke Einbrüche einstecken.

„Die deutschen Christdemokraten waren lange ein Vorbild für uns. Sicher, in Deutschland stehen sie mit Unterstützung liberaler Stimmen an der Spitze der Regierung. Das ist ein Szenario, das sich so natürlich nicht auf unsere Situation in Schweden übertragen lässt. Wir können aber dennoch viel von den Deutschen lernen; ein Besuch bei CDU und CSU ist eine große Inspiration für uns“, so die Verbandsvorsitzende der KDU.

Größere Nähe zu deutschen Wählern

Prominente Politiker zeigen außerdem größere Nähe zu ihren Wählern, findet Skyttedal, die solche politische Geselligkeit auch gerne häufiger in Schweden sehen würde: „Faszinierend in Deutschland ist, dass man die Wähler eben dort erreicht, wo sie sich gerade aufhalten. Es ist beispielsweise phantastisch, wie man in Bayern die Leute auf Volksfesten treffen und an Traditionen anknüpfen kann. Man ist als Politiker schlichtweg nicht so weit von den Menschen entfernt. In der schwedischen Politik geht es häufig zu strikt zu. Wir könnten hier wirklich etwas mehr Wärme gebrauchen.“

Hansjörg Kissel

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