Nobelpreise 2013

Chemie-Nobelpreis für "Experimente im Cyberspace"

2:58 min

Der diesjährige Nobelpreis in der Kategorie Chemie wird an die US-Forscher Martin Karplus, Michael Levitt und Arieh Warshel verliehen. Sie hätten chemische Experimente in den Cyberspace überführt, verkündete der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Staffan Normark, am Mittwoch in Stockholm.

Auf ihrer traditionellen Pressekonferenz am Mittwochmittag gaben die Vertreter des Nobelkomitees, diesmal ohne Verspätung, die Preisträger im Bereich Chemie bekannt. Die Auszeichnung erhalten in diesem Jahr drei Forscher, die alle an amerikanischen Universitäten tätig sind: Martin Karplus, 83 Jahre alt, geboren in Wien und Professor emeritus in Harvard sowie an der Universität Straßburg; Michael Levitt, 66 Jahre alt, amerikanischer, britischer und israelischer Staatsbürger mit Wurzeln in Südafrika und Professor in Stanford sowie Arieh Warshel, 72 Jahre alt, gebürtiger Israeli und Professor an der University of Southern California.

Computermodelle für chemische Reaktionen

Die drei Wissenschaftler erhalten den Preis "für die Entwicklung von Mehrschalenmodellen für komplexe chemische Systeme", so die offizielle Begründung der Akademie. Die meisten Fortschritte, die heute auf dem Gebiet der Chemie gemacht würden, seien vollkommen abhängig von wiklichkeitsnahen Computermodellen. Für die leistungsstarken Programme, die nötig seien, um blitzschnell verlaufende chemische Reaktionen zu verstehen und vorherzusagen, hätten die drei Preisträger in den 1970er-Jahren die Grundlagen gelegt, so die Akademie weiter.

Mithilfe der jetzt ausgezeichneten Methoden können komplizierte chemische Prozesse wie die Abgasreinigung in einem Katalysator oder die Photosynthese in Pflanzen sichtbar und verständlich gemacht werden. Als Werkzeug zum Experimentieren sei der Computer daher inzwischen ebenso wichtig wie das Reagenzglas, schließt die Erklärung des Nobelkomitees ab.

Preisträger aus dem Bett geklingelt

"Meine erste Reaktion war, dass ich aus dem Bett gesprungen bin. Es war 2 Uhr morgens bei uns und ich hatte geschlafen. Aber ja, jetzt bin ich sehr sehr begeistert", beschreibt Arieh Warshel im Interview mit der Wissenschaftsredaktion des Schwedischen Rundfunks seine Gefühle nach dem Anruf aus Stockholm. Und auf die Frage, ob er die Auszeichnung denn erwartet hatte, antwortete er: "Ja und nein. Ich finde, wir haben den Preis absolut verdient - aber vorhersehen konnte man es nicht."

Michael Levitt, einer der beiden anderen Preisträger, wies darauf hin, dass die drei die jetzt ausgezeichneten Modelle schon vor 40 Jahren entwickelt hätten und er damals erst in den Zwanzigern gewesen sei. In seiner Karriere danach habe er noch viele Momente erlebt, in denen er das Gefühl hatte, dass er dafür einmal den Nobelpreis erhalten würde. Nun, da es endlich soweit ist, freue er sich besonders auf die Wiederkehr nach Schweden, wo er schon früher zahlreiche Universitäten besucht und mit diesen zusammengearbeitet habe.

Gastfreundliches Nobel-Land

"Jeder Wissenschaftler der Welt will irgendwann einmal einen Nobelpreis gewinnen. Und in Schweden ist man immer sehr gastfreundlich gegenüber anderen Wissenschaftlern, die hierherkommen und das Land besuchen wollen."

Frank Luthardt