Miljöminister Lena Ek (C) och Sveriges klimatambassadör Anna Lindstedt höll på tisdagen en pressträff på Rosenbad i Stockholm inför det kommande klimatmötet, COP 19, i Warszawa den 11-22 november. Foto: Leif R Jansson/TT.
Umweltministerin Lena Ek und Schwedens Chefunterhändlerin Anna Lindstedt
UN-Klimakonferenz in Warschau

Schweden will beim Klimagipfel vermitteln

"Wir haben weniger Zeit als bisher angenommen"
4:25 min

In der polnischen Hauptstadt Warschau hat am Montag der 19. UN-Klimagipfel begonnen. Vertreter von mehr als 190 Nationen kommen zusammen, um über die ersten Grundzüge eines globalen Abkommens mit verbindlichen Klimaschutzzielen zu beraten, das bis zur Konferenz in Paris in zwei Jahren stehen soll.

Schweden will sich dabei aktiv dafür einsetzen, Brücken zwischen den Positionen der verschiedenen Teilnehmerländer zu bauen - doch die Zeit für eine Einigung ist knapp, meint Umweltministerin Lena Ek:

"Der Zeitplan ist unglaublich eng und die Probleme sind wahnsinnig kompliziert. Es geht ganz einfach um sehr große Vermögenswerte und für viele Menschen ums Überleben. In Warschau könnte verhindert werden, dass wir bis 2015 fertig werden, aber es könnten auch die Grundlagen für das neue Abkommen geschaffen werden - und das ist es, worauf wir uns konzentrieren", fasst Lena Ek im Interview mit Radio Schweden ihre Erwartungen im Vorfeld der Weltklimakonferenz zusammen.

Erster Schritt auf dem Weg zu einem Abkommen

Auf dem Gipfel in Warschau wird es noch nicht ums Ganze gehen. Bis zu einem Abkommen, das sämtliche UN-Mitgliedsstaaten auf konkrete Ziele zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen verpflichten soll, haben die Unterhändler noch zwei Jahre Zeit. Erste Schritte auf dem Weg dahin müssten aber bereits jetzt gemacht werden, betont die schwedische Umweltministerin:

"Hier in Warschau hoffe ich, dass wir einen Arbeitsplan dafür zustande bekommen, wie wir das neue globale Klimaabkommen erreichen können, das Ende 2015 fertig sein soll und für das wir bereits im Mai 2015 einen Textentwurf vorliegen haben sollen. Ich würde sagen, für Verhandlungen auf UN-Ebene wäre das eine Weltrekordzeit - und dafür ist sehr viel Arbeit nötig."

Die Welt kann von Schweden lernen

Schweden stellt sich in Warschau als Vorbild für andere Länder dar. Man habe in den letzten Jahren gezeigt, dass sich Klimaschutz und Wirtschaftswachstum durchaus vereinbaren ließen, so Lena Ek. Im internationalen Vergleich hat sich Schweden auch recht ambitionierte Ziele bei der Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen gesteckt (40 Prozent von 1990 bis 2020). Außerdem hat die Regierung angekündigt, im nächsten Jahr umgerechnet etwa 34 Millionen Euro in den sogenannten "Grünen Fonds" der Uno einzuzahlen, mit dem Entwicklungsländern dabei geholfen werden soll, sich auf die Folgen des Klimawandels einzustellen sowie die eigenen Emissionen zu senken.

Bei den Verhandlungen in Warschau sei nun die wichtigste Aufgabe, zwischen den verschiedenen Teilnehmerländern zu vermitteln, meint die schwedische Chefunterhändlerin Anna Lindstedt: "Das Vertrauen in Schweden und die anderen nordischen Länder ist sehr groß. Ich glaube deshalb, dass wir dadurch zu einem Erfolg beitragen können, dass wir in dieser Koalition der progressiven Länder dabei sind, aber auch mit denjenigen sprechen, die außerhalb stehen. Auf klassische, diplomatische Weise die Brücken bauen, die notwendig sind, und den Differenzen und Missverständnissen entgegenwirken, die bei solchen Verhandlungen sehr häufig auftreten. Hierbei kommt eine wichtige Rolle auf uns zu."

WWF: Schweden könnte mehr tun

Bei der Naturschutzorganisation WWF kritisiert man, dass der gesamte Prozess der Klimaverhandlungen viel zu langsam voran gehe. Bereits in Warschau müsse man sich auf verbindliche Reduktionsziele einigen, fordert Stefan Henningsson, schwedischer Klimaexperte beim WWF. Gerade die EU und Schweden sollten dabei eine wesentlich aktivere Rolle spielen und ihre Emissionen deutlich stärker senken als bisher geplant. Als Vermittler zwischen den Positionen verschiedener Länder habe Schweden aber bereits im Vorfeld gute Arbeit geleistet - vor allem beim Thema der gerechten Verteilung der Lasten des Klimaschutzes:

"In dieser Frage hat Schweden, zusammen mit Belgien, eine proaktive Rolle gespielt. Man hat im Laufe des Jahres dazu einige Foren veranstaltet, zu denen wichtige Unterhändler aus sowohl Industrie- als auch Entwicklungsländern eingeladen waren. Ziel dabei war, dass sich die Parteien einander nähern und in dieser Frage gegenseitig besser verstehen", erklärt Stefan Henningsson im Radio Schweden-Interview.

Vorsichtiger Optimismus vor Warschau

Doch wie gut stehen nun eigentlich die Chancen für ein verbindliches Klimaabkommen in den nächsten Jahren? In der schwedischen Delegation scheint ein vorsichtiger Optimismus zu überwiegen. Chefunterhändlerin Anna Lindstedt betont, dass der politische Wille für eine Einigung international heute größer sei als noch beim letztlich gescheiterten Gipfel in Kopenhagen vor vier Jahren. Der im September vorgelegte neueste Bericht des UN-Klimarates hat aller Welt außerdem noch einmal vor Augen geführt, dass das Problem dringend gelöst werden muss. Ein erneutes Scheitern der Verhandlungen könne man sich daher nicht leisten, meint Umweltministerin Lena Ek:

"Die Frage hat an Ernsthaftigkeit gewonnen und wir haben zur Lösung weniger Zeit als bisher angenommen. Einige Entwicklungsländer sind bereits ziemlich desperat. Sie sehen, wie die Wüsten sich ausbreiten, Brunnen austrocknen oder wegen des steigenden Meeresspiegels Salzwasser eindringt. Dies schafft eine Verzweiflung in den Verhandlungen, die man verstehen und ernst nehmen muss."

Frank Luthardt

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".