Das Stockholmer U-Bahn-Netz soll um insgesamt neun Stationen erweitert werden (Die neuen Linien sind im U-Bahn-Plan hellblau und grau dargestellt)
Boomende Hauptstadtregion

Stockholms "tunnelbana" wird ausgebaut

"Das ist ein großer Tag!"
4:25 min

Neun neue U-Bahn-Stationen und insgesamt 78.000 neue Wohnungen - diese Bauvorhaben sollen nun in Stockholm Wirklichkeit werden und der boomenden Hauptstadt ein weiteres Bevölkerungswachstum ermöglichen. 

In einem Artikel in der Zeitung Dagens Nyheter stellten die vier Vorsitzenden der Koalitionsparteien am Montag ihre gemeinsam mit Provinzialverwaltung und mehreren Kommunen ausgearbeiteten Pläne vor.

Blaue Linie wird verlängert

Noch erklingt diese Ansage jedes Mal, wenn sich eine U-Bahn der Station Kungsträdgården in der Stockholmer Innenstadt nähert: "Endstation - Alle Fahrgäste bitte aussteigen." Werden aber die nun vorgestellten Vorhaben in die Wirklichkeit umgesetzt, dann wird der kunstvoll ausgestaltete U-Bahnhof demnächst von der End- zur Durchfahrtsstation. Die sogenannte blaue Linie, die zurzeit am Kungsträdgåden endet, steht nämlich im Mittelpunkt der Ausbaupläne.

In Zukunft sollen die Züge dann die Innenstadt unterqueren und in Richtung Süden weiterfahren. Insgesamt fünf neue Stationen sowie eine neue Anbindung an die grüne Linie sollen hier gebaut werden. Damit würde unter anderem das südöstlich der Stockholmer Innenstadt gelegene Nacka erstmals eine U-Bahn-Anbindung erhalten.

Neue Linie nach Solna

Ausgebaut werden soll das Netz aber nicht nur im Süden. Im Nordwesten ist eine Verlängerung der blauen Linie bis nach Barkarby geplant. Hinzu kommt noch eine ganz neue Linie vom zentral gelegenen Odenplan in den neuen Stadtteil Hagastaden und weiter bis zur Friends Arena in Solna. Insgesamt sollen so neun neue Stationen entstehen. Inklusive der Investitionen in Züge und Depots wird der Ausbau nach derzeitigen Schätzungen umgerechnet etwa 2,9 Milliarden Euro verschlingen.

Verbunden mit der Zusage für den U-Bahn-Bau ist ein Versprechen der beteiligten Kommunen, insgesamt 78.000 neue Wohnungen zu bauen. Die Region Stockholm könnte so in den nächsten Jahren um fast ein ganzes Uppsala, allein immerhin Schwedens viertgrößte Stadt, wachsen. In einer boomenden Gegend, in der die Bevölkerung derzeit um etwa 30.000 Menschen pro Jahr zunimmt und die mit Verkehrsproblemen und Wohnungsmangel zu kämpfen hat, sind solche Investitionen natürlich gern gesehen:

Freude über den Kompromiss

"Ich freue mich heute unheimlich, sowohl für die Region Stockholm als auch für Schweden als Ganzes. Dies ist unglaublich wichtig, damit Stockholm weiter die Möglichkeit hat zu wachsen", kommentierte die Präsidentin der Stockholmer Provinzialregierung, Chris Heister, die Einigung zwischen Staat, Provinz und Kommunen im Schwedischen Rundfunk. Und die Unterhändlerin der schwedischen Regierung, Catharina Håkansson Boman, fügte hinzu: "Ich bin unglaublich froh. Dies ist der größte Ausbau der U-Bahn seit 1970. Das ist ein großer Tag!"

Auch wenn die Baupläne in der Praxis vor allem die jetzigen und künftigen Einwohner Stockholms betreffen, ist das Projekt hierzulande von nationaler Bedeutung. Die Hauptstadtregion ist bereits jetzt das Zuhause von mehr als jedem fünften Schweden und stellt nahezu jeden dritten Arbeitsplatz. Wenn Stockholm weiter kräftig wachsen kann, werde dies letztlich auch dem Rest des Landes zugutekommen, so die Argumentation der Regierung.

Letzter U-Bahn-Ausbau liegt lange zurück

Viele Hauptstädter begrüßen vor allem den geplanten Ausbau des U-Bahn-Netzes. Nach der Einweihung der ersten Tunnelstrecke im Jahr 1933 war das Netz bis in die 1980er-Jahre kräftig erweitert und damit zum wichtigsten öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt ausgebaut worden. Seit Mitte der 1980er ist jedoch nur noch sehr wenig geschehen. Die Zahl der Stationen stieg 1994 noch von 99 auf genau 100, aber seitdem stand der U-Bahn-Bau völlig still. Stattdessen legte man den Fokus auf den Ausbau von Straßenbahnverbindungen zwischen einzelnen U-Bahn-Knotenpunkten. In der gleichen Zeit ist die Stadt allerdings kräftig gewachsen, was nun ein Umdenken notwendig machte.

Sämtliche im Stockholmer Rathaus vertretenen Parteien legten in den vergangenen Jahren ihre U-Bahn-Konzepte vor, viele Vorortkommunen hatten eigene Wünsche, technische und finanzielle Rahmenbedingungen waren zu bedenken. Entsprechend historisch ist der nun gefundene Kompromiss. Dieser sieht unter anderem auch vor, dass die Baukosten teilweise über die Erhöhung und Ausweitung der City-Maut hereinkommen sollen.

Zeitplan und Gesamtkosten noch unklar

Ganz fertig sind die Pläne aber noch nicht. Wann der U-Bahn-Ausbau beginnen beziehungsweise abgeschlossen sein soll, ist derzeit nicht bekannt. Auch die genauen Kosten der Wohnungsbauprojekte hat man wohl noch nicht fertig berechnet. "Jetzt müssen die Verträge ausgearbeitet und dann in den jeweiligen Kommunen im Gemeinderat behandelt werden", erklärt Catharina Håkansson Boman.

Mit einem kompletten Scheitern des Projekts ist nach dem nun gefundenen Kompromiss aber wohl nicht mehr zu rechnen. Die Pläne stellten vielmehr nur eine erste Etappe beim Ausbau des Verkehrsnetzes der Hauptstadtregion dar, so die Regierungsunterhändlerin: "Ich glaube, dass viele bereits von den Strecken, auf die wir uns heute geeinigt haben, profitieren können. Aber man sollte auch bedenken, dass dies wahrscheinlich erst der Anfang eines weiteren Ausbaus der U-Bahn ist."

Frank Luthardt

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