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Das Unglück ereignete sich in der Nähe des Stockholmer Südbahnhofs (Foto: Henrik Montgomery/TT)
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Die Lok steht quer über mehrere Gleise (Foto: Björn Lindberg/Sveriges Radio)
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Viele Pendler mussten von der S-Bahn auf Ersatzbusse ausweichen (Foto: Johan Nilsson/TT)
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Hier, mitten auf Södermalm im Stockholmer Zentrum, geschah das Zugunglück. (Grafik: Schwedischer Rundfunk)
Schwedens meistbefahrene Bahnstrecke gesperrt

Große Verkehrsprobleme nach Zugunglück

4:04 min

Nach einem Zugunglück südlich der Stockholmer Innenstadt gibt es massive Behinderungen im schwedischen Bahnverkehr. Ein unbeladener Güterzug war am frühen Dienstagmorgen in einem Tunnel entgleist und gegen ein Brückenfundament geprallt.

"Es gab eine Erschütterung und es blitzte um uns herum. Auf dem Nebengleis sahen wir einen Zug, der in Richtung Süden unterwegs war. Er entgleiste und fuhr auf der anderen Seite gegen die Wand. Ich bekam einen kleinen Schock, denn zuerst sah es so aus, als ob sich der Zug in Richtung unserer S-Bahn bewegen würde. Aber dann merkten wir, dass er zur anderen Seite hin entgleist war", beschreibt Robin Österberg das Unglück im Schwedischen Rundfunk. Er war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als neben seiner S-Bahn der Güterzug aus den Gleisen sprang.

Behebung der Schäden dauert länger

Bei dem Unglück am frühen Dienstagmorgen wurde niemand verletzt, aber die Lok und vier Waggons entgleisten und es entstanden Schäden an der Strecke und mehreren danebenstehenden Metallpfeilern. Nach Angaben der Polizei besteht in dem betroffenen Tunnel keine Einsturzgefahr, aber es müsse in den kommenden Tagen mit erheblichen Behinderungen im Nah- und Fernverkehr gerechnet werden. Ein Sprecher der Verkehrsbehörde sagte dem Schwedischen Rundfunk, dass es wahrscheinlich eine Woche dauern werde, bis die Schäden behoben seien.

Derzeit ist der gesamte Bahnverkehr zwischen dem Stockholmer Hauptbahnhof und der S-Bahn-Station Årstaberg im Süden der Stadt unterbrochen. Fernzüge aus und in Richtung Göteborg und Malmö werden umgeleitet oder enden südlich der Hauptstadt. Für die Fahrgäste der S-Bahn stehen Ersatzbusse und Taxis bereit. Frühestens am Dienstagabend könne der Verkehr an der Unglücksstelle vorbei wieder auf einem Gleis in Gang kommen, so die derzeitige Prognose der Verkehrsbehörde.

Ursache derzeit noch unklar

Über die Unglücksursache ist bisher noch nichts bekannt. Technische Experten der Polizei, der Verkehrsbehörde sowie des Bahnunternehmens Green Cargo, dem der entgleiste Zug gehört, sind derzeit mit einer Untersuchung des Unfallortes beschäftigt. "Unsere Techniker sind vor Ort und dokumentieren und untersuchen, was passiert sein könnte. Wir verhören den Lokführer und andere Personen, die Aussagen zum Unglückshergang machen können", erklärt Polizeikommissar Peter Matilainen. Man könne noch nicht sagen, ob menschliches Versagen, ein technischer Fehler am Zug oder Mängel an den Gleisen das Unglück ausgelöst haben, so ein Sprecher des Bahnunternehmens gegenüber dem Schwedischen Rundfunk.

Die Einfahrt in den Stockholmer Hauptbahnhof aus Richtung Süden ist Schwedens meistbefahrene Bahnstrecke. Im weitmaschigen schwedischen Eisenbahnnetz lässt sie sich nur schwer umfahren und wird deshalb des Öfteren als "Wespentaille" des Bahnverkehrs bezeichnet. Der Bau eines neuen, parallel verlaufenden S-Bahn-Tunnels läuft derzeit und soll die Probleme ab 2017 entschärfen.

Strecke in schlechtem Zustand

Umfassende Wartungsarbeiten an den bestehenden Gleisen wären notwendig, sind aber erst nach der Fertigstellung des Tunnels eingeplant. Im August diesen Jahres hatten Berichte über nicht festsitzende Gleise auf dem Abschnitt zwischen Haupt- und Südbahnhof die Öffentlichkeit aufgeschreckt: "Hier ist es lose, da ist die Befestigung ganz weg, hier sind es noch mehr. So sollte es nicht aussehen. Insgesamt mussten wir 520 neue Befestigungsbolzen anbringen. Immer wenn hier Züge drüberfahren, werden sie lose", erklärte der Bahnarbeiter Martin damals einem Reporter des Schwedischen Rundfunks.

Professor Ulf Olofsson von der Königlich Technischen Hochschule hatte daraufhin in Frage gestellt, ob die Verkehrsbehörde die vielbefahrene Strecke überhaupt noch unter Kontrolle habe. Bei der Behörde wies man diese Kritik jedoch zurück und kündigte Wartungsarbeiten an den stark belasteten Gleisen an. Im September musste ein Teil der Strecke allerdings kurzzeitig sogar komplett gesperrt werden, da die Schienen auf einer Länge von etwa sechs Metern gar nicht mehr im Gleisbett fest saßen.

Mehr Geld für Wartungsarbeiten

Ob zwischen dem schlechten Zustand von Schwedens meistbefahrener Bahnstrecke und dem aktuellen Unglück ein Zusammenhang besteht, ist zwar noch nicht geklärt, das Thema beschäftigt inzwischen aber auch die Politik. Infrastrukturministerin Catharina Elmsäter-Svärd wird sich auf Anfrage der Umweltpartei am Dienstagabend im Parlament erklären müssen. Im Vorfeld der Debatte sagte sie bereits der Nachrichtenagentur TT, dass die Wartungsarbeiten in der Vergangenheit viel zu stark vernachlässigt worden seien.

Elmsäter-Svärd wies aber auf den Beschluss der Regierung hin, die Mittel für solche Arbeiten künftig kräftig aufzustocken. Auf dem Abschnitt südlich des Stockholmer Hauptbahnhofs sei das Unfallrisiko, trotz des jetzigen Unglücks, generell weiterhin gering, so die Ministerin.

Frank Luthardt

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